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Theologen diskutieren vier Tage über Schöpfung und Klimakrise

Overbeck: Kirchen müssen beim Klimaschutz vorangehen

  • Auf einem viertägigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie (ESCT) in Osnabrück diskutierten etwa 200 aus ganz Europa stammende Forschende über Schöpfung und Transformation.
  • Der Essener Bischof und Vizepräsident der EU-Bischofskommission COMECE, Franz-Josef Overbeck, forderte bei der Bewältigung der Klimakrise ein beispielhaftes Vorangehen der Kirchen.
  • Auch die Corona-Krise stand immer wieder im Zentrum der Diskussionen.
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Auf einem viertägigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie (ESCT) in Osnabrück diskutierten etwa 200 aus ganz Europa stammende Forschende über Schöpfung und Transformation. "Wir müssen handeln, wir müssen uns ändern", sagte die Osnabrücker Dogmatikerin und Organisatorin der Tagung, Margit Eckholt, in ihrem englischsprachigen Abschlussplädoyer am Samstag. Diese mit Blick auf die Klimakrise notwendigen Veränderungen verlangten aber auch eine Änderung des Denkens.

Gerade die Menschen im globalen Süden litten unter den Konsequenzen des Klimawandels, betonte die Theologin Birgit Weiler aus Peru. Gerade dort zeige sich, dass ökologische Herausforderungen auch durch soziale, politische und religiöse Zusammenhänge bestimmt seien.

Die Kirche müsse praktizieren, was sie predige

Auch die slowenische Religionswissenschaftlerin und Theologin Nadja Furlan Stante betonte, dass ein neuer Umgang mit der Umwelt immer einhergehen müsse mit fundamentalen politischen und sozialen Veränderungen.

Der Essener Bischof und Vizepräsident der EU-Bischofskommission COMECE, Franz-Josef Overbeck, forderte bei der Bewältigung der Klimakrise ein beispielhaftes Vorangehen der Kirchen. Dem schloss sich der Umweltbeauftragte des Erzbistums München und Freising, Matthias Kiefer, an. Die Kirche müsse praktizieren, was sie predige. Ansonsten verliere sie an Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Um Zukunft zu gestalten, müsse sich die Theologie den "explosiven Entwicklungen" stellen und zugleich die "heilvollen Deutungs- und die ethischen Herausforderungsmomente" aufzeigen, sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. So sei denn auch die biblische Apokalypse nicht einfach als Ausdruck von Katastrophen zu verstehen, befand die an der Hochschule Vallendar lehrende Theologin Margareta Gruber. In ihr zeichne sich immer bereits die Hoffnung ab, dass eine bessere Welt möglich sei.

Die wissenschaftliche Faktenlage zur Klimakrise sei eindeutig und weit bekannt, sagte der frühere Ko-Präsident des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker. Es mangle jedoch an entsprechenden Taten. "Wir zerstören Gottes Schöpfung, und das kann, da bin ich mir sicher, theologisch nicht akzeptiert werden."

Kongress erstmalig wieder in Deutschland

Auch die Corona-Krise stand immer wieder im Zentrum der Diskussionen. So sprach sich der Passauer Philosoph Christian Thies dafür aus, dass die Pandemie eine einmalige Gelegenheit für eine nachhaltige Politik sei: "Wenn wir bereit sind, zur Bekämpfung der Corona-Pandemie solche drastischen Maßnahmen zu ergreifen, dann sollten wir doch auch bereit sein, zur Bekämpfung der ökologischen Krisen entsprechende drastische Maßnahmen zu ergreifen."

Die Europäische Gesellschaft für Katholische Theologie wurde 1989 in Mainz als internationaler Zusammenschluss katholischer Theologinnen und Theologen gegründet. Sie will den länderübergreifenden Austausch und den Dialog fördern. Der Kongress, der am Samstag endete, fand nach 25 Jahren erstmalig wieder in Deutschland statt.

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