Rede an die Weltklimakonferenz in Dubai

Papst: Klimaschutz-Maßnahmen verbindlich und überprüfbar machen

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Papst Franziskus hat verpflichtende und leicht kontrollierbare Maßnahmen zum Klimaschutz verlangt. Seine Rede an die Weltklimakonferenz verlas Kardinal Pietro Parolin.

Franziskus hat beim Weltklimagipfel an die gemeinsame Verantwortung zur Bekämpfung des Klimawandels appelliert. Die klimatischen Veränderungen zeigten die Notwendigkeit einer politischen Veränderung auf, so der Papst an die Teilnehmenden der COP28 in Dubai.

Verlesen wurde die Ansprache von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, Franziskus hatte die persönliche Teilnahme krankheitsbedingt absagen müssen. „Leider kann ich nicht unter euch sein, wie ich es mir gewünscht hätte“, ließ Franziskus ausrichten.

In diesen Bereichen sieht der Papst Handlungsbedarf

Bisherige Klimaschutzmaßnahmen seien nur in geringem Maße umgesetzt worden, „weil keine geeigneten Mechanismen zur Kontrolle, zur periodischen Überprüfung und zur Bestrafung der Zuwiderhandlungen eingerichtet wurden“, kritisierte der Papst in seiner Rede. Die Klimakonferenz 2023 könne sich als Wendepunkt erweisen, „der einen klaren und greifbaren politischen Willen zeigt, der zu einer entscheidenden Beschleunigung des ökologischen Übergangs führen kann“.

Die Mittel dazu müssten drei Anforderungen erfüllen: „Sie müssen effizient, verpflichtend und leicht kontrollierbar sein, und zwar in vier Bereichen: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Verzicht auf fossile Brennstoffe und Erziehung zu einem Lebensstil, der weniger abhängig von letzteren ist.“

„Schuldenerlass für stark betroffene Staaten“

Das Bestreben, zu produzieren und zu besitzen, sei zur Obsession geworden und habe in grenzenlose Gier gemündet, die die Umwelt zum Objekt ungezügelter Ausbeutung gemacht habe. Jedoch sollte die „Entwicklung vieler Länder, die wirtschaftlich bereits mit hohen Schulden belastet sind, nicht sanktioniert werden“, betonte Franziskus. Da einige wenige Nationen ihnen gegenüber eine „besorgniserregende ökologische Schuld“ hätten, forderte Franziskus einen „Erlass der finanziellen Schulden“ für jene Länder, die vom Klimawandel am meisten bedroht sind.

Konfliktpotenzial des Klimawandels

Die Zerstörung der Schöpfung sei eine „strukturelle Sünde“, die sich besonders auf die Schwächsten auswirke und drohe, einen Konflikt zwischen den Generationen auszulösen, so der Papst. Der einzige Ausweg sei der Weg des Miteinanders – für die Bewahrung der Schöpfung, aber ebenso für den Frieden.

Es sei Aufgabe dieser Generation, den Völkern, den jungen Menschen und den Kindern Gehör zu schenken, um die Grundlagen für einen neuen Multilateralismus zu schaffen. „Es ist wichtig, dass es einen Durchbruch gibt, der nicht nur ein partieller Kurswechsel ist, sondern ein neuer Weg, um gemeinsam Fortschritte zu erzielen“, forderte Franziskus. Er sicherte dafür das Engagement und die Unterstützung der katholischen Kirche zu.

Appell an die Religionen

In einer zweiten Botschaft rief der Papst Religionsvertreter zu Zusammenarbeit für Frieden und Klimaschutz auf. Zur Einweihung eines interreligiösen Pavillons am Rande der Weltklimakonferenz bat Franziskus die anwesenden Religionsvertreter, mit gutem Beispiel voranzugehen und Möglichkeiten für einen Wandel aufzuzeigen.

Frieden und Bewahrung der Schöpfung seien voneinander abhängig, so der Papst in einer Ansprache, die ebenfalls Kardinalstaatssekretär Parolin verlas. Ein Haus sei nur dann für alle bewohnbar, wenn in seinem Inneren ein Klima des Friedens herrsche. Dieses zu bewahren, sei auch Aufgabe der Religionen.