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Tobias Breer aus der Abtei Hamborn joggt 111 Kilometer für den guten Zweck

Pater aus Duisburg läuft Ultra-Marathon nach Münster

111 Kilometer in 15 Stunden - Pater Tobias Breer (57) aus der Abtei Hamborn läuft am Freitag von Duisburg nach Münster. Warum er sich diesen Ultra-Marathon - seinen 100. Marathon - überhaupt antut, sagt er im Interview.

111 Kilometer in 15 Stunden - Ordensmann Tobias Breer (57) aus der Abtei Hamborn läuft am Freitag von Duisburg nach Münster. Mit dem Ultra-Marathon, den er wegen der Corona-Krise allein bestreiten wird, sammelt der Prämonstratenser-Pater Geld für sein Projekt „Lebenswert“. 14.000 Euro sind bereits zusammengekommen unter anderem für Kinder-Schwimmkurse, wie Breer in Duisburg erklärte. Im Interview spricht er über Laufen als Meditation und seine Durchhalte-Strategien.

Pater Tobias, für viele Menschen hat Laufen etwas Meditatives. Wie ist das bei Ihnen?

Laufen ist für mich eine Meditation. Ich habe 2006 mit dem Laufen angefangen, um daraus Kraft zu schöpfen. Als Seelsorger hat man viel zu tun und verspürt auch mal Stress im Alltag. Deshalb habe ich eine Sportart gesucht, die mich fit hält. Ich habe aber schnell festgestellt, dass Laufen auch der Seele gut tut. Man kann beim Laufen auch beten, ein „Gegrüßet seist du Maria“ oder ein „Vaterunser“. Gerade jetzt in der Corona-Zeit habe ich viele Menschen beim Laufen in meine Gebete eingeschlossen. Für mich ist das Laufen Seelsorge und eine gute Meditation.

Inwiefern tut Laufen der Seele gut?

Wer in der freien Natur läuft, sieht die Schöpfung Gottes vor sich. Zum Beispiel, wie schön die Blume am Wegesrand blüht. Man sieht Dinge, die man im Alltag nicht wahrnimmt. Beim Laufen kann man also abschalten und Kraft schöpfen.

In der Corona-Krise haben viele Menschen das Laufen für sich entdeckt.

Laufen ist eine gute Möglichkeit, um aus den vier Wänden herauszukommen, für Körper, Geist und Seele etwas zu tun und diese drei Elemente in Einklang zu bringen. Das ist ganz wichtig, dann kann man auch so eine Krise besser bewältigen.

Sie laufen Ultra-Marathons, oft um die 100 Kilometer lang. Wie schaffen Sie es mental, so eine lange Strecke durchzuhalten?

Am Freitag laufe ich meinen 100. Marathon. Dafür habe ich natürlich lange trainiert. Auch wenn der Körper mitmacht, sagt der Kopf während des Laufens vielleicht: „Was machst du hier? Hör doch lieber auf.“ In der Gruppe motivieren sich die Läufer dann gegenseitig und ziehen einen mit.

Wegen der Corona-Krise laufen Sie am Freitag aber alleine.

Genau, darauf habe ich mich in den vergangenen Wochen auch vorbereitet. Immer wenn diese Gedanken kommen - „Puh, du schaffst das nicht!“ -, stelle ich mir vor, was mich im Ziel erwartet und welch schönes Gefühl ich dann habe. In meiner Heimatstadt Werne empfangen mich zum Beispiel meine Familie und der Bürgermeister, obwohl ich nur vier Minuten Rast machen darf. Ich denke auch an die strahlenden Kinderaugen der Mädchen und Jungen, für die ich Spenden sammele. Diese Bilder rufe ich ab und das gibt mir die Kraft, weiterzulaufen.

Nehmen Sie aus dem Laufen auch Impulse für Ihr Leben mit, gerade wenn es ums Durch- und Aushalten geht?

Natürlich habe ich in meinem Leben und auch im Glauben Durststrecken erfahren. Als meine Mutter starb, war ich 14 Jahre alt. Da habe ich den lieben Gott nicht mehr verstanden. Mit 21 konnte ich durch viele Gespräche wieder an Gott glauben. Zehn Jahre später wurde ich zum Priester geweiht. Wenn ich laufe, kommen viele Dinge hoch, wie ich meinen Weg geschafft habe mit Höhen und Tiefen. Wenn man läuft, fließen die Gedanken und die sollte man einfach fließen lassen.

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