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Arbeitsgruppe „Regenbogen“ unterstützt Initiative „OutInChurch“

Pfarrei St. Gudula Rhede: Hier sind homosexuelle Beschäftigte willkommen

  • Die Pfarrei St. Gudula in Rhede im Kreis Borken möchte Schritte zu einer bunteren Glaubensgemeinschaft tun.
  • Eine Arbeitsgruppe „Regenbogen“ wirbt in der Pfarrei für das Anliegen der Initiative „OutInChurch“.
  • Der Kirchenvorstand fasst Grundsatzbeschluss für Rechte homosexueller Beschäftigter.
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Homosexuelle Beschäftigte sind in der Pfarrei St. Gudula in Rhede willkommen. „Ein offenes Leben entsprechend der eigenen sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität, auch in einer Partnerschaft beziehungsweise Zivilehe, darf niemals als Loyalitätsverstoß oder Kündigungsgrund gewertet werden“, meint Pfarrer Thorsten Schmölzing aus Rhede. Mit dieser Aussage macht er sich ein Grundanliegen der Initiative „OutInChurch“ zu eigen.

Mit dieser Initiative waren in den vergangenen Tagen Beschäftigte der katholischen Kirche in Deutschland an die Öffentlichkeit getreten, die homosexuell lieben beziehungsweise in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben.

Pfarrei St. Gudula fasst Grundsatzbeschluss

Bereits im Sommer 2021 hatte sich in der Pfarrei St. Gudula in Rhede die Arbeitsgruppe „Regenbogen“ gegründet. Unter der Leitung von Pfarrer Thorsten Schmölzing erarbeiten dort Gremienmitglieder der Pfarrei mit sechs Frauen und Männern, die in homosexuellen Partnerschaften leben, wie die Pfarrei deutlicher machen kann, dass Homosexuelle und Paare in unterschiedlichen Lebenssituationen willkommen sind und zur Normalität des Gemeindelebens dazugehören.

Auf Anregung der Arbeitsgruppe „Regenbogen“ hat der Kirchenvorstand am 29. November 2021 diesen Grundsatzbeschluss gefasst: „Die Kirchengemeinde St. Gudula sieht im Grundsatz weder in einer homosexuellen Veranlagung noch in einer homosexuellen Partnerschaft oder Ehe ein Beschäftigungshindernis, ebenso wenig wie bei Geschiedenen-Wiederverheirateten.“

Schmölzing sagt über den Beschluss: „Sowohl im Pfarreirat als auch im Kirchenvorstand gab es sofort Zustimmung zu der Idee, den Grundsatzbeschluss zu fassen. Darum hat der Kirchenvorstand, der für Personalangelegenheiten zuständig ist, den Beschluss auch einstimmig gefasst.“

Applaus für Beschluss des Kirchenvorstands

Pfarrer Thorsten Schmölzing aus Rhede.
Pfarrer Thorsten Schmölzing aus Rhede. | Foto: pd

Im Nachklang hätten die Gremien von vielen Gemeindemitgliedern eine positive Rückmeldung bekommen, die sich eine offene Kirche wünschen, meint Schmölzing: „Als wir bei einer Personalversammlung für alle Beschäftigten der Pfarrei über den Beschluss informiert haben, gab es Applaus. Das war für mich ein Zeichen dafür, dass viele Beschäftigte auf eine solche Klarstellung ihres Arbeitgebers gewartet haben.“

Einzelne Nachfragen seien gestellt worden, die für die Gremien und das Seelsorgeteam ein guter Anlass gewesen seien, „mit Gemeindemitgliedern über den Glauben unserer Leitungsgremien zu sprechen, dass Menschen, die homosexuell lieben, von Gott gut geschaffen sind und darum – soweit sie dies möchten – ganz zu unserer Glaubensgemeinschaft gehören können“.

Valentins-Gottesdienst für alle Liebenden

In der Arbeitsgruppe „Regenbogen“ sei es sehr aufschlussreich gewesen, „zu hören, wie Homosexuelle die Kirche erleben und wo sie Hürden erfahren, die es ihnen schwer machen, sich in unserer Pfarrei zu Hause zu fühlen“, sagt der Seelsorger. Er nennt ein Beispiel: Zwei Frauen, die miteinander verheiratet sind und zusammen ein Kind haben, haben berichtet, dass sie sich gefragt haben, ob sie ihr Kind in einer katholischen Kita anmelden können.

„An diesem Beispiel und an vielen anderen Punkten haben wir gelernt, dass wir als Glaubensgemeinschaft ausdrücklicher darüber sprechen müssen, dass Menschen, die homosexuell lieben, bei uns willkommen sind. Darum laden wir zum Beispiel zu einem Valentins-Gottesdienst ausdrücklich alle Liebenden ein – ob Frau und Mann, Frau und Frau, Mann und Mann, Unverheiratete oder Ehepaare“, sagt Schmölzing.

Deutliche Kommunikation notwendig

Der Grundsatzbeschluss der Pfarrei zur Beschäftigung von Homosexuellen läge ganz auf dieser Linie: „Wir haben unserer Haltung, die wir bisher implizit gelebt haben, jetzt eine äußere Form gegeben. Insofern war der Schritt zu diesem Beschluss für unsere Gremien nicht groß und brauchte keinen Mut. Gleichzeitig merken wir, dass er viel auslöst – insbesondere bei Menschen, die homosexuell sind. Offenbar ist vonseiten der Pfarrei eine klare und deutliche Kommunikation notwendig, damit diese Menschen uns glauben können, dass sie zur Normalität unseres Gemeindelebens dazugehören.“

Mit dem Grundsatzbeschluss habe der Kirchenvorstand eine Freiheit genutzt, die das kirchliche Dienstrecht allen kirchlichen Trägern bereits gebe, sagt der leitende Pfarrer: „Darum kann ich nur dazu ermutigen, dass es uns viele Kirchenvorstände sowie Verantwortliche kirchlicher Institutionen gleichtun und sich grundsätzlich auf eine Offenheit für Beschäftigungsverhältnisse mit Personen in homosexuellen Partnerschaften oder Geschiedene und Wiederverheiratete zu verständigen.“

Glaubwürdigkeit der Kirchenleitung

Im Hinblick auf die Bistumsleitung und die höheren Kirchenleitungen möchte Schmölzing vor allem die Rückmeldung der homosexuellen Personen in der Arbeitsgruppe „Regenbogen“ teilen, wie wichtig es sei, „dass wir als Kirche explizit über unsere offene Haltung ihnen gegenüber sprechen“.

In den vergangenen Tagen hätten sich bereits einige Bischöfe, darunter auch der Münsteraner Bischof Felix Genn, zu Wort gemeldet, und er habe erlebt, „wie wohltuend dies für homosexuelle Menschen sein kann, denen die Kirche nicht egal ist“. Gleichzeitig sei die Kommunikation innerhalb der Kirche nur glaubwürdig, „wenn sie mit unserem Verhalten übereinstimmt“.

Überarbeitung des Dienstrechtes

Dabei sei die Frage danach, ob homosexuelle Lebenspartnerschaft gesegnet werden könne und eine Überarbeitung des kirchlichen Dienstrechtes in seiner Grundausrichtung von hoher Bedeutung. „Beides wird im Rahmen des Synodalen Weges besprochen, und ich hoffe, dass wir am Ende als Kirche einen Schritt weiterkommen“, sagt Schmölzing.

Fastenpredigten über Regenbogen-Familien
Die Anliegen der Arbeitsgruppe „Regenbogen“ werden unter anderem im Rahmen von Fastenpredigten thematisiert: So ist am Sonntag, 13. März, eine Fastenpredigt mit dem Titel „Die Kirche ist offen – für Regenbogenfamilien“ geplant, die von Klaus Heumer und Pfarrer Thorsten Schmölzing als Mitglieder der Arbeitsgruppe „Regenbogen“ gehalten wird. Die Fastenpredigt findet um 15 Uhr in der Kirche St. Gudula in Rhede und um 17 Uhr in der Kirche St. Georg in Bocholt statt.

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