Nach Beispiel von „silentMOD“

Sternberg: „Mut zum Experimentieren“ bei Kunst in Kirchen

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, will Berührungsängste zwischen Kunst und Kirche abbauen. „Kirchenräume als Kunsträume zu nutzen ist heute ganz normal“, sagte der Kunsthistoriker und Theologe am Donnerstagabend in Köln. Die Chancen und Möglichkeiten seien aber noch lange nicht ausgereizt.

„Wir erleben eine allgemeine Tradition der Entkirchlichung – und gleichzeitig wächst der Wunsch nach spirituellen Erlebnissen in allen Bevölkerungsgruppen“, betonte Sternberg. Kirche sollte dieses Potenzial nutzen. Über Kunst könne sie vielen Suchenden etwas anbieten, nicht nur ihrer Kerngemeinde. Dazu brauche es „Mut zum Experimentieren“. Aktuell sei zu beobachten, dass andere Institutionen religiöse Kunst aufgreifen und Spiritualität ins Museum oder den Konzertsaal abwandere.

Sternberg: Einige Glasfenster sind „theologische Katastrophe“

Für die Zusammenarbeit von Kunst und Kirche gebe es gute Beispiele, etwa die musikalisch unterlegte Lichtinstallation „silentMOD“ am Kölner Dom 2016, so Sternberg. Auch wenn solche Aktionen Eventcharakter hätten, bewegten sie viele Menschen dazu, in die Kirche zu kommen und etwa eine Kerze anzuzünden. „Das ist ja eigentlich nonverbales Beten, was da geschieht“, betonte er.

Eine große Herausforderung besteht laut Sternberg darin, einen Weg zu finden, mit aus seiner Sicht problematischen Bildern und Glasfenstern im Kirchenraum umzugehen. So seien Glasarbeiten, die Gott einseitig als alten Mann mit Bart zeigen, eine „theologische Katastrophe“. Kirche solle sich um eine Kunstpädagogik bemühen, die den Entstehungszusammenhang solcher Bilder erklärt. Sternberg äußerte sich bei einer Veranstaltung der Künstler-Union-Köln in der Kunst-Station Sankt Peter zum Thema „Kunst in/und Kirche“.