Ausstellung wird am 4. März eröffnet

Telgter Hungertuch feiert 400. Geburtstag - mit Werken aus Oberammergau

  • Vor genau 400 Jahren vollendeten Telgter adelige Damen ihre Arbeiten an dem großen Fastentuch von 1623.
  • Aus diesem Anlass wird im Telgter Museum Relígio am 4. März 2023 eine Ausstellung unter dem Titel „Verhüllen und Offenbaren – 400 Jahre Telgter Hungertuch“ eröffnet.
  • Ergänzt wird die Schau mit Gewändern und Requisiten der Oberammergauer Passionsspiele.

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Das berühmte Telgter Fastentuch und die Oberammergauer Passionsspiele stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Verhüllen und Offenbaren“. Sie wird am 4. März 2023 im Museum Relígio – Westfälisches Museum für religiöse Kultur in Telgte im Kreis Warendorf eröffnet.

„Die Präsentation nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine sinnliche Reise, in der die Szenen des Telgter Hungertuches mit den Gewändern und Requisiten der Oberammergauer Passionsspiele verknüpft werden“, sagt Museumsleiterin Anja Schöne. Zustande gekommen sei eine Zusammenarbeit mit dem Oberammergau Museum.

Ursprung der Passionsspiele

Filigrane Schnitzereien, Bilder und Rauminstallationen aus dem Oberammergau Museum ermöglichten es den Besucherinnen und Besuchern nun auch in Telgte, „das Geheimnis von Verhüllung und Offenbarung zu entdecken“, sagt Schöne.

Die Kooperation sei auch in der historischen Abfolge des Hungertuchs und der Passionsspiele interessant, sagt Schöne: 1633, zehn Jahre nach der Entstehung des Telgter Fastentuches, legte die Oberammergauer Bevölkerung das Gelübde ab, alle zehn Jahre das Leiden und Sterben Christi aufzuführen, wenn das Dorf von der damals in Europa wütenden Pest während des Dreißigjährigen Krieges verschont bliebe.

Hungertuch zeitweise in Berlin gezeigt

Das Motiv zeigt die Kreuzabnahme. Nach der lateinischen Inschrift handelt es sich um den Ratsherrn Josef von Arimathäa: I(oseph) AB A(rimathaea) PETIIT CORPUS IESU – „Josef von Arimathäa bat (Pilatus) um den Leichnam Christi“ (nach Mk 15,43). | Foto: Stephan Kube (Museum Relìgio)
Das Motiv zeigt die Kreuzabnahme. Nach der lateinischen Inschrift handelt es sich um den Ratsherrn Josef von Arimathäa: I(oseph) AB A(rimathaea) PETIIT CORPUS IESU – „Josef von Arimathäa bat (Pilatus) um den Leichnam Christi“ (nach Mk 15,43). | Foto: Stephan Kube (Museum Relìgio)

Das Versprechen wurde erhört, und 1634 wurden die ersten Passionsspiele aufgeführt. „Diese beiden nur wenige Jahre auseinanderliegenden Ereignisse werden nun in einer Ausstellung zusammengeführt“, sagt die Museumsleiterin.

Das Telgter Hungertuch gilt als das bedeutendste historische Tuch in Westfalen. Es wurde bis 1907 jährlich in der Passionszeit in der Telgter Pfarrkirche St. Clemens und St. Silvester aufgehängt, bis es zu stark verschlissen war. 1910 wurde es an ein Berliner Museum verkauft.

33 Motive erklären das Heilswerk Christi

Es folgten viele Bemühungen, das Hungertuch wieder nach Telgte zurückzuholen. 1971 gelang der Erwerb. Im heutigen Museum Relígio wird es in einem eigens für das Tuch geschaffenen Ausstellungsraum dauerhaft präsentiert.

Mit seinen Maßen von etwa 7,40 Meter Breite und 4,40 Meter Höhe zeigt es in 33 Bildfeldern Szenen der Passion Christi, die Evangelisten-Symbole und als einziges Tuch im Westfalen fünf typologisch zu verstehende Bildfelder mit alttestamentlichen Szenen. Sie verweisen auf das Heilswerk Christi.

Hungertuch fördert Dramatik in der Liturgie

Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Für angemeldete Gruppen und Schulklassen sind auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Weitere Informationen unter www.museum-telgte.de.

Über den liturgischen Gebrauch sagt Rudolf Suntrup, der sich mit der Geschichte des Telgter Hungertuchs befasst hat und Mitglied im Freundeskreis Museum Relígio ist: „Ursprünglich dienten die Tücher dazu, den Altar oder den ganzen Altarraum in der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern abzuschirmen. In der Regel hingen sie hier von Aschermittwoch bis zum Mittwoch vor Ostern. Dann wurden die Tücher während der Verlesung der Passionsgeschichte bei den Worten ‚da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei‘ fallen gelassen. Das geschah gelegentlich mit einer dramatisch angelegten liturgischen Inszenierung.“