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Pfarrer Werner Knoor über das Immobilienkonzept in Walsum

Umbruch in Duisburger Pfarrei: Mit weniger Kirchen fit für die Zukunft

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Die Veränderung der kirchlichen Situation mit abnehmenden Katholiken-Zahlen, rückläufigem Kirchenbesuch, kleiner werdenden Seelsorgeteams und weniger Finanzmittel hat Auswirkungen auch auf den Fortbestand der Kirchorte. Gleich mehrere Kirchen aufgeben oder umnutzen muss beispielsweise die Pfarrei St. Dionysius im Duisburger Stadtbezirk Walsum. Sie erarbeitet ein Immobilienkonzept mit schmerzhaften Einschnitten, aber auch mit Perspektiven. Wie der Prozess der „Verschlankung“ in Walsum verläuft, erläutert der dortige Pfarrer Werner Knoor im Gespräch.

Herr Knoor, in Ihrer Pfarrei St. Dionysius in Duisburg-Walsum ist eine Diskussion darüber entbrannt, welche der sechs Kirchen beziehungsorte Kirchorte noch weiter Bestand haben können. Wie ist der Stand heute?

„Entbrannt“ ist das falsche Wort. Gemeinsam mit den Gremien haben wir vor zwei Jahren einen Prozess gestartet, der als Ergebnis ein Standortkonzept für ganz Walsum erarbeitet hat. Unser Ziel war, dass alle Standorte, wenn auch in veränderter oder verkleinerter Form, erhalten bleiben. Über das Ergebnis wird gesprochen, was ganz normal ist. Nun haben wir an einem Standort mit konkreten Umbauplanungen angefangen, für einen anderen wird eine Machbarkeitsstudie vorbereitet. Es geht schrittweise vorwärts, und auf Grund der Größe des Gesamtprojektes wird uns die Thematik noch mehrere Jahre begleiten.

Eine lokale Zeitung in Duisburg titelte „Pfarrei muss vier ihrer sechs Kirchen aufgeben“. Wie bewerten Sie diese Schlagzeile?

Als ich den Artikel und die Schlagzeile gelesen habe, erinnerte ich mich an die Aussage eines früheren Vorgesetzten: „Erstaunlich inhaltsfrei“. Der Artikel war schlecht recherchiert, spiegelt die Meinung Einzelner wider, und mit uns als Verantwortliche wurde nicht gesprochen. Das ist bedauerlich, da solche Schlagzeilen Stimmung machen, aber nicht zur Gestaltung der Realitäten beitragen. Leider bekommt man das nicht mehr eingefangen.

Wie laufen die Gespräche im Kirchenvorstand und in den Gemeinden ihrer Pfarrei?

Pfarrer Werner Knoor.
Pfarrer Werner Knoor von der Pfarrei St.-Dionysius in Duisburg-Walsum. | Foto: Johannes Bernard

Innerhalb des Kirchenvorstands wird an einem Strang gezogen und Verantwortung für die Zukunft übernommen. Da wir einschneidende Entscheidungen treffen, ist das nicht selbstverständlich. Für diese Weitsicht und für den Mut bin ich den Kirchenvorständen sehr dankbar. Ich kenne auch Pfarreien, in denen solche Prozesse auf die nächste Generation oder auf „Münster“ geschoben werden. Bei uns wurde sinngemäß gesagt: „Noch können wir selbst gestalten und das ist unsere Aufgabe.“ Dieser Realitätssinn zeichnet die Menschen hier aus.

Wie verläuft der Informationsprozess?

Dass innerhalb der Pfarrei über das Konzept gesprochen wird, liegt in der Natur der Sache. Schließlich hängen viele Erinnerungen und Emotionen an einzelne Gebäude. Aber ich informiere immer, wenn sich weitere Schritte anbahnen oder wenn Gruppen oder Einzelne mich konkret ansprechen. Somit kann sich jeder Interessierte aus erster Hand ein Bild über den Stand der Dinge machen.

Sie sind der leitende Pfarrer und somit der erste Ansprechpartner und vielleicht auch der erste „Blitzableiter“. Wie gehen Sie mit kritischen Stimmen um? Etwa aus der St.-Ludgerus-Gemeinde im Ortsteil Aldenrade, über die es im Immobilienkonzept heißt: „Diese Kirche wird in der gegenwärtigen Form nicht erhalten bleiben.“

Die Gestaltung der Zukunft und der Blick auf die Realitäten gehört zu meinen Aufgaben. Davon betroffen sind pastorale Überlegungen, aber eben auch strukturelle. Ich kann doch nicht immer sagen, dass Christsein „Bewegung bedeutet“, dass „neue Wege gegangen werden müssen“ etc. pp. und am Ende bleibt dann doch alles beim Alten und beim klassischem Kirchturm- beziehungsweise Flächendenken. Ehrlich gesagt, kann ich diese ganzen Floskeln von Veränderung nicht mehr hören und schon gar nicht von Amtsträgern.

Was bedeutet das für Ihre Pfarrei?

Wenn wir uns hier in Walsum nicht bewegen, wird das christlich-katholische Leben in absehbarer Zeit das Nischendasein einer Freikirche führen. Ist das unser Ziel? Ist das unser christlicher Auftrag? Ich denke nein, und aus diesem Geist heraus haben wir das Immobilienkonzept entwickelt. Dass nicht jeder damit einverstanden ist, muss ich akzeptieren. Damit umzugehen, gelingt mir, weil die Entscheidungen auf vielen Schultern ruhen und weil ich selbst davon überzeugt bin. Was die Ludgerus-Gemeinde angeht, so ist sie besorgt um ihre Kirche, die aber schon vor meiner Zeit in Frage gestellt wurde. Dennoch hat sich bei den meisten der Gedanke durchgesetzt, dass unser Konzept gerade für diesen Standort eine echte Zukunftschance eröffnet.

Das Immobilienkonzept der Pfarrei St. Dionysius in Duisburg-Walsum:
- Kirche St. Juliana in Wehofen: Übertragung an die polnische Mission
- Herz-Jesu-Kirche in Overbruch wird umgebaut. Neben einem sakralen Raum soll dort ein Gemeindeheim entstehen.
- Pfarrheim Herz-Jesu in Overbruch wird aufgegeben.
- Pfarrkirche St. Dionysius in Alt-Walsum bleibt erhalten.
- Pfarrheim der St.-Dionysius-Kirche in Alt-Walsum: Oberer Teul soll möglicherweise vermietet werden.
- St.-Elisabeth-Kirche in Vierlinden soll umgenutzt werden.
- Pfarrheim von St. Elisabeth bleibt erhalten.
- Kirche St. Josef in Aldenrade wird mittelfristig umgenutzt.
- Pfarrheim St. Josef in Aldenrade bleibt erhalten.
- St.-Ludgerus-Kirche in Aldenrade wird überplant. Entstehen könnte dort Wohnraum für Familien.

Welche Vorgaben gibt es von der Bistumsleitung?

Weder vom Bischof noch vom Generalvikar gibt es Vorgaben. Im Gegenteil. Die Leitung unterstützt das angedachte Konzept und hat mir bisher den Rücken gestärkt.

Welchen Einfluss auf das Tempo der Entscheidungen haben Sie?

Bei allem, was vor Ort geschieht, ist der Einfluss groß. Er schwindet naturgemäß, wenn das Bischöfliche Generalvikariat Münster und dessen Entscheidungswege an Bord kommen. Auch habe ich als Priester und Seelsorger noch andere Aufgaben und bin der Meinung, dass sich ein Pfarrer nicht in erster Linie mit Immobilienkonzepte und deren Umsetzung beschäftigen sollte. Aber es gilt der Satz: „Steter Tropfen höhlt den Stein“, und wir stehen zum Glück unter keinem Zeitdruck. Hinzu kommt, dass das Engagement der Ehrenamtlichen nicht überstrapaziert werden darf. Was hier einzelne leisten, ist enorm.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten hinsichtlich der Zukunft der Kirchengebäude – wie sähe der aus?

Mein Wunsch wäre, dass die Gebäude weiterhin einen vielfältigen Spiegel des christlichen Lebens beherbergen und den Stadtteil auch künftig bereichern.

Die Pfarrei St. Dionysius
Die Pfarrei St. Dionysius im Duisburger Stadtbezirk Walsum hat sechs Kirchorte in verschiedenen Stadtteilen (in Klammern): Herz Jesu (Overbruch), St. Dionysius (Alt-Walsum), St. Elisabeth (Vierlinden), St. Ludgerus (Aldenrade), St. Juliana (Wehofen) und St. Josef (Aldenrade). Im Jahr 1970 lebten in Walsum 25.900 Katholiken. Der Kirchenbesuch lag damals bei mehr als 25 Prozent. Heute leben in Walsum rund 14.000 Katholiken mit weiter abnehmender Tendenz. Der Kirchenbesuch liegt derzeit bei unter fünf Prozent.

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