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Bistum Münster verweigert Bestandsschutz für Gebäude

Marler Herz-Jesu-Kirche am Scheideweg: Schließung oder Renovierung?

  • Die Herz-Jesu-Kirche in Marl wird derzeit renoviert, weil akute Mängel am Gebäude aufgetreten sind.
  • Über die Finanzierung einer nachhaltigen Renovierung verhandelt der Kirchenvorstand mit dem Bistum Münster.
  • Die Entscheidung einer drohenden Schließung möchte der Kirchenvorstand nicht treffen.
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Die nächsten Sitzungen des Kirchenvorstands in der Pfarrei St. Franziskus in Marl dürften spannend werden. „Ja, es besteht Redebedarf “, sagt Wilhelm Ovelhey. Das Kirchenvorstandsmitglied begleitet derzeit zusammen mit dem Bauausschuss des Gremiums die Renovierung an der Fassade der Herz-Jesu-Kirche im Marler Stadtteil Hüls.

Die Glasfenster der Kirche müssen aufwändig restauriert werden. Nicht nur die bunten Glasbausteine sind in die Jahre gekommen, auch die Betonteile der Außenfassade sind rissig. „Über die Renovierung haben wir kurzfristig entscheiden müssen. Das ist aber nur das kleinste Problem, das wir haben“, sagt Ovelhey. Denn mit der Renovierung stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Instandhaltung ausfallen darf und welche Zukunft das Gotteshaus noch hat.

 

Bistum Münster verweigert dem Kirchengebäude Bestandsschutz

 

Wilhelm Ovelhey zeigt die Schäden an der Außenfassade der Herz-Jesu-Kirche. | Foto: Johannes Bernard
Wilhelm Ovelhey zeigt die Schäden an der Außenfassade der Herz-Jesu-Kirche. | Foto: Johannes Bernard

„Wir können nicht ausschließen, dass die Kirche bald geschlossen oder gar abgerissen wird“, sagt Ovelhey. Dass das Bistum Münster keinen Bestandsschutz für das Kirchengebäude gegeben hat, ärgert ihn: „Wenn die Kirche aufgegeben wird, dann wird das nicht der Kirchenvorstand verkünden. Das müssen die tun, die die Entscheidung treffen.“

Das Dilemma ist die Finanzierung der Renovierung: Die derzeitige Instandhaltung kostet einen niedrigen sechsstelligen Euro-Betrag. Zwei Drittel davon trägt die Pfarrei, ein Drittel das Bistum Münster aus Kirchensteuermitteln. Die Restaurierung der vom Künstler Hans Kaiser (1914-1982) in den 1960er Jahren geschaffenen Glasfenster trägt die Pfarrei aus Eigenmitteln. Die Komposition der Glasfenster trägt den Titel „Die Stellung des Volkes zur Kirche“.

 

Gelder der Pfarrei reichen nicht für dauerhafte Lösung

 

Für weitere Renovierungen werde das Bistum voraussichtlich kein Geld mehr locker machen. Die Pfarrei selbst sei nicht auf Rosen gebettet, um weiteres Geld in die Hand zu nehmen, erläutert Ovelhey. „Die bereitgestellten Gelder reichen nicht für eine dauerhafte Lösung.“

Der 61-Jährige gehört seit 15 Jahren dem Kirchenvorstand an und war zuvor auch einige Jahre im Pfarrgemeinderat. Der Landwirt, dessen Hof sei 1630 besteht, kennt die Stadtteilgeschichte von Hüls gut. „Früher lebten hier nur Bauern, dann kamen der Bergbau und die Zeche Auguste-Victoria.“

 

Kirche Herz-Jesu: Architektur im Stil des Kubismus

 

1909 entstand für die zugewanderten Bergarbeiter und Landwirte die Notkirche Herz-Jesu. Der Architekt Eberhard Kleffner plante dann in den 1950er Jahren den Neubau des Gotteshauses, das 1959 geweiht wurde. Angelehnt ist die Architektur an den Kubismus.

Bekannt wurde die Gemeinde Herz-Jesu in den 1970er und 1980er Jahren durch ihre modernen Jugendgottesdienste. „Die Kirche war immer rappelvoll. Die jungen Leute kamen aus dem ganzen Umland“, erinnert sich Ovelhey.

 

Emotionen in Marler Herz-Jesu-Gemeinde kochen hoch

 

Herz-Jesu-Statue in der Marler Herz-Jesu-Kirche. | Foto: Johannes Bernard
Herz-Jesu-Statue in der Marler Herz-Jesu-Kirche. | Foto: Johannes Bernard

Heute dagegen sei der Kirchenbesuch so überschaubar, dass man eine Kirchenschließung rechtfertigen könne. „Das gilt allerdings für alle Kirchen in Marl. Wünschen würde ich mir eine breite Diskussion um die Zukunft aller Kirchengebäude in der Stadt“, sagt Ovelhey und erwartet vom Bistum dann die klare Auskunft, welches Gebäude abgängig ist.

Das in der Herz-Jesu-Gemeinde die Emotionen hochschlagen, verhehlt das Kirchenvorstandsmitglied nicht. Der Nachfahre der Familie, die in den 1950er Jahren das große Grundstück in der Stadtteilmitte ausschließlich für eine Kirche stiftete, prüfe, wer Eigentümer des Grundstücks nach einem Kirchenabriss sein werde.

 

Sozialer Wandel in Marl

 

Auch Kirchenvorstandsmitglied Friedhelm Weiß sieht sich in einer Zwickmühle: „Das Gremium arbeitet ehrenamtlich. Die Aufgabe eines Kirchenvorstands ist es nicht, eine Kirche zu schließen. Ich jedenfalls werde darüber nicht entscheiden.“ Weiß hofft auf ein schlüssiges Grundkonzept der Bistumsleitung. „Der Sparkurs des Bistums ist uns bekannt. Man sollte aber überlegen, was man unseren Gremienmitgliedern antut“, sagt Weiß.

Die Pfarrei St. Franziskus versuche, so gut es gehe, auf die soziale Veränderung der Stadt und den kirchlichen Wandel mit rückläufigen Katholikenzahlen die passenden Antworten zu finden. Die Kirche St. Konrad sei schon vor Jahren zu einem Kolumbarium, einer Urnenbegräbnisstätte, umgenutzt worden. Auch St. Barbara beherberge ein Kolumbarium, werde aber weiterhin für Gemeindegottesdienste genutzt.

 

Gespräche werden im Herbst fortgesetzt

 

Ovelhey und Weiß hoffen auf gute Gespräche mit den Bistumsverantwortlichen. Im Herbst soll feststehen, wie viel Geld für eine „nachhaltige Renovierung“ bereitgestellt werden kann. Erste Briefwechsel seien erfolgt.

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