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Generalvikar Winterkamp informiert Gemeinde St. Marien in Schwarzenberg

Kirchenabriss in Duisburg: Pfarrei ist „Patient mit Schwindsucht“

  • Die Kirche St. Marien in Duisburg-Schwarzenberg wird abgerissen.
  • Der Turm bleibt als christliches Symbol erhalten.
  • Kritik äußerte die Gemeinde am Zeitpunkt der Information seitens des Bistums.
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In St. Marien in Duisburg wird die Kirche profaniert und abgerissen. Was sich zunächst wie eine nüchterne Nachricht anhört, ist für die Katholikinnen und Katholiken eine emotionale Angelegenheit wie das Statement von Pfarrsekretärin Paolina Renoth zeigte. In einer Gemeindeversammlung im Pfarrheim am 11. August brachte sie es für Viele auf den Punkt, als sie sagte: „Unsere Pfarrgemeinde ist zu einem Patienten mit Schwindsucht geworden.“

Renoth verwies auf die Zahl der Austritte und die der Sterbefälle, die größer sei als die der Taufen und Wiederaufnahmen. Und: „Es sind Steine, die uns verlassen. Nicht Gott. Die schönste Wohnung, die Gott haben kann, ist unser Herz. Wir sind nicht alleine. Wir haben die Familie St. Matthias mit unseren Schwestergemeinden.“ Sie erhielt spontanen Applaus von vielen der insgesamt gut 50 Besucherinnen und Besucher.

 

Generalvikar Winterkamp erläutert Abriss

 

Auch für Generalvikar Klaus Winterkamp war es eine emotional belastende Situation. Musste er doch den Frauen und Männern der Gemeinde mitteilen, dass ihre Kirche profaniert und abgerissen wird. Er war eigens zur Gemeindeversammlung gekommen, um mit Georg Schoofs von der Abteilung Kirchengemeinden des Bistums den Beschluss der Gemeindegremien zu erläutern und unterstützend zu begleiten. Nach eingehender Beratung hatten die Frauen und Männer der Gremien die für alle Beteiligten traurige Entscheidung getroffen. Denn zu groß sind die baulichen Schäden, als dass man sie sanieren könnte. Und zu teuer.

„Wir haben hier eine problematische Bausituation“, sagte Silvia Markfort, Verwaltungsreferentin der Gemeinde. Die Kirche St. Marien ist erst 1958 eingeweiht worden. Der Turm wurde 1964 fertiggestellt. An der Kirche mussten schon seit 1980 erste Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden. So wurde 1980 die Nordwestfassade saniert und eine Eternitbekleidung aufgebracht.

 

Kirche rostet von innen

 

1998 wurde der Innenraum umgestaltet, die Eingangstreppe im Norden abgebrochen und zwei Fenster in der Nordfassade eingebaut. Schon 2016 wurden erste bauliche Untersuchungen aufgrund von Rissbildungen vorgenommen und der Bauzustands des Gebäudes in Auftrag gegeben. Der Prüfbericht empfahl 2017 weitere Untersuchungen. Im Mai 2021 lag der Abschlussbericht vor.

„In der Kirche sind Risse und weitgehende Korrosion zu erkennen“, sagte Markfort. „Die Bauanker, die den Beton mit dem verarbeiteten Stahl verbinden sollten, sind schon nicht mehr vorhanden. Das Mauerwerk ist bröselig. Der verarbeitete Stahl in der Konstruktion ist stark verrostet. Wir müssen feststellen, dass die Kirche uns innen wegrostet“, fasst Markfort die Situation zusammen.

 

Kirche rostet von innen

 

Georg Schoofs vom BGV, Erich Trautmann, stellvertretender Vorsitzender vom Kirchenvorstand, die Verwaltungsreferentin Silvia Markfort und Bernd Maas vom Kirchenvorstand (von links).
Georg Schoofs vom BGV, Erich Trautmann, stellvertretender Vorsitzender vom Kirchenvorstand, die Verwaltungsreferentin Silvia Markfort und Bernd Maas vom Kirchenvorstand (von links) erläuterten die Gründe der Profanierung und der Abtragung. | Foto: Jürgen Kappel

Man habe auch Sanierungsmaßnahmen erwogen, sagten Erich Trautmann und Bernd Maas vom Kirchenvorstand. Doch die stark geschädigte Fassade mache den Kirchbau sehr anfällig für den Wind. Dadurch sei die Statik gefährdet und der Bau würde möglicherweise weggeweht. Eine Notabstützung helfe in dieser Lage auch nicht weiter, da der Verfall der Kirche von innen nicht aufgehalten werde.

Alle Sicherungsmaßnahmen würden zu keiner Verbesserung der Bausubstanz führen und seien sehr kostspielig, betonte Bernd Schoofs vom Generalvikariat. Die Kosten für eine Sanierung der untersuchten Schäden beliefen sich auf mehr als eine Million Euro.

 

Unterhaltung nicht tragbar

 

Die Unterhaltung des Gebäudes ist nach Ansicht der Gremien auch wirtschaftlich nicht tragbar. „So schwer die Situation ist“, sagte Trautmann. Man habe sich entschlossen, den Turm der Kirche zu erhalten, um ein Zeichen christlichen Lebens in Duisburg zu setzen. Der Turm sei in besserem Zustand, sagte Markfort.

„Wir wissen um die emotionale Bindung vieler Menschen in Duisburg zur Kirche. Sie sind dort zur Kommunion gegangen und haben dort geheiratet. Manche haben bei den Bauarbeiten mitgewirkt“, sagte er. Und dennoch gebe es keine Alternative.

 

Andachtsraum soll entstehen

 

Doch der Generalvikar hatte neben dieser bedrückenden Nachricht auch eine erfreuliche Botschaft im Gepäck. Er machte deutlich, dass es in Schwarzenberg einen Ort geben werde, an dem der Glaube gelebt und Liturgie gefeiert werden kann.

Die Gremien würden mit Unterstützung des Bistums im Pfarrheim einen Andachtsraum integrieren, sagte er. Teile der Fenster und die Osterkerze könnten die Erinnerung an die Kirche wachhalten. Darüber hinaus wolle man das Grundstück, auf dem aktuell Kirche und Pfarrheim stünden, neu entwickeln und beispielsweise sozial-caritative Einrichtungen ansiedeln, sagte Winterkamp. Erste Skizzen, wie ein solcher Andachtsraum aussehen kann, wurde in der Gemeindeversammlung vorgestellt.

 

Kritik an Zeitpunkt der Information

 

Kritisch wurde hinterfragt, warum „erst jetzt“ informiert wird, wenn es seit 2016 erste Untersuchungen gibt. Dazu sagte Erich Trautmann vom Kirchenvorstand: „Das abschließende Gutachten liegt erst seit drei Monaten vor, und wir wollten vorher keine Halbinformationen verbreiten.“ Silvia Markfort ergänzte: „In den drei Monaten wurde bereits eine erste Perspektive entwickelt, wie es weitergehen kann.“

Insgesamt war die Trauer über die Nachricht spürbar, aber auch der mehrheitliche Wille, das Gemeindeleben vor Ort – in neuer Form – zu erhalten. Gerade Appelle an die Gemeinschaft und den Zusammenhalt wurden immer wieder mit Applaus belohnt. St. Marien ist einer von vier Kirchorten in der Pfarrei St. Matthias, zu der darüber hinaus St. Marien Rumeln, St. Klara und St. Joseph gehören. St. Matthias hat 9809 Katholikinnen und Katholiken (Stand: 2019), von denen knapp vier Prozent (373 Menschen) besuchen, 16 Prozent davon in St. Marien Schwarzenberg, das sind knapp 60 Personen.

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