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Gregor Kauling und Bastian Rütten schauen zurück - und auf 2022

Wallfahrts-Fazit mit Corona: Kevelaer ist ökumenischer geworden

  • Corona hat Deutschlands zweitgrößtem Wallfahrtsort fast alle Pilgergruppen genommen.
  • Doch die Pandemie hat die Wallfahrt in Kevelaer ökumenischer gemacht. 
  • Das sagen Wallfahrtsrektor Gregor Kauling und Pastoralreferent Bastian Rütten in ihrem Fazit zum Saison-Ende.
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Die Corona-Pandemie hat Deutschlands zweitgrößten Wallfahrtsort ökumenischer gemacht. Das ist ein Fazit, zu dem Wallfahrtsrektor Gregor Kauling im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ gekommen ist. Und ihm ist klar: „Das ist nicht selbstverständlich.“

In der Zeit der Pandemie, als vieles nicht mehr ging, hätten die Kirchen in Kevelaer gemeinsam einen „Zeitpunkt Trost“ produziert – einen spirituellen Impuls, der mittags aus der Basilika über den privaten Sender EWTN, über Radio Horeb und das Internet ausgestrahlt wurde. Kauling, Karin Dembek von der Evangelischen Kirche im Rheinland und David Burau, Pastor der Baptisten in Kevelaer, haben den Impuls in der Basilika reihum übernommen.

 

Trost in der Pandemie

 

Der Wechsel, erinnert sich Kauling, sei zunächst aus der Not geboren, habe aber zu einem intensiven Kontakt geführt, der sich bereits bewähre. „Wir haben beispielsweise auch einen gemeinsamen Ostergruß gestaltet, der über Kevelaer hinaus ausgestrahlt wurde“, sagt der Wallfahrtsrektor. „An einem katholischen Marienwallfahrtsort wird solche ökumenische Verbundenheit sicher nicht erwartet.“

Für Bastian Rütten, Pastoralreferent an St. Marien und für die spirituelle Entwicklung der Wallfahrt zuständig, ist das Thema Trost nicht nur ein Randbereich. „Es geht dabei um die Kernbotschaft, auf die wir während der Pandemie zurückgeworfen wurden. Als Wallfahrtsort wollten wir den Menschen gerade in dieser Phase Trost spenden“, sagt er.

 

Seit September läuft es wieder an

 

In der Pandemie habe man den Kontakt zu den Pilgergruppen nicht abreißen lassen. Weil es während der Pandemie nicht die bundesweite Versammlung der mehr als 300 Pilgerleiter aus den Pfarrgemeinden geben konnte, haben Wallfahrtsrektor, Bürgermeister und verschiedene Restaurantbesitzer sich in einem Video an sie gewandt.

Auch Kernpunkte des Programms erfuhren die Verantwortlichen der Pilgergruppen auf diese Weise. Für gewöhnlich wurden die Pilgerleiter vor der österlichen Bußzeit im Konzert- und Bühnenhaus informiert.

 

Familien und Einzelpilger statt großer Gruppen

 

„Wir haben immer wieder Signale ausgesandt, um die Menschen zum Kommen zu ermutigen: Seid kreativ, lasst euch Formen einfallen, die mit den Corona-Regeln in Einklang stehen“, sagt Rütten. „Wir haben damit richtig gelegen. Mit der bei Folge, dass der Kontakt der einzelnen Pilgergruppen zur Wallfahrtsleitung nicht abriss und es im September wieder angelaufen ist.“ Das sei im Sommer so noch nicht absehbar gewesen.

Man habe zwischen den großen Lockdowns immer das gemacht, was möglich war. „In den Zeiten, als alles runtergefahren wurde, gab es keine Wallfahrten“, erläutert Rütten. In diesen Zeiten seien verstärkt Familien und Einzelbesucher nach Kevelaer gekommen, quasi als Vertretung der größeren Gruppen. In der Phase, als Gottesdienste möglich waren, seien wohl auch kleinere Gruppen gekommen. Zahlen kann Rütten nicht nennen. Anhand der ständig gefüllten Kerzenständer an der Kerzenkapelle könne er aber sagen, es war ein stetiges Kommen und Gehen.

 

1.000 statt 10.000 bei Tamilenwallfahrt

 

Kauling erinnert an Beispiele eigenverantwortlicher Aktionen in der Zeit, als kleine Gruppen kommen konnten. Etwa bei der Tamilenwallfahrt, der größten Einzelwallfahrt von Tamilen und Hindus in Kevelaer. Nahmen an dieser Wallfahrt 2019 noch mehr als 10.000 Pilger teil, waren es 2021 noch 1000 Pilger.

Oder das Beispiel der Bocholter Fußpilger, einer der traditionsreichsten und größten Pilgergruppen in Kevelaer. Vor Corona pilgerten rund 800 bis 1000 Menschen in den niederrheinischen Marienort. Während der Coronaphase überlegte die Bocholter Pilgerleitung, in Kleingruppen oder als Einzelpilger zu pilgern, um die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einhalten zu können. Die Pilgergruppen hätten selbstständig entsprechende Konzepte erarbeitet: Gottesdienste in kleinen Gruppen gefeiert, auf Hygiene geachtet und Ordnungsdienste organisiert.

 

So soll es weitergehen

 


Bastian Rütten (links) und Wallfahrtsrektor Gregor Kauling bilanzieren die vergangene Wallfahrtszeit. | Foto: Jürgen Kappel

Wie soll das nächste Wallfahrtsjahr aussehen? „Wir haben nicht nichts getan“, sagt Kauling. „Wir werden Bischöfe aus eher weniger bekannten Diözesen einladen. Weniger Bischöfe mit einem berühmten Namen, sondern eher solche mit spannendem Lebenslauf“, sagt Kauling. Er denkt etwa an Kapuziner-Bischof David Tencer, Bischof des ganz Island umfassenden Bistums Reykjavik. Oder an den Trappisten-Bischof Erik Varden aus dem norwegischen Trondheim. 

Eingeladen seien auch zwei schweizerische Bischöfe. Felix Gmür hat in seinem Bistum Basel einen synodalen Prozess begonnen, der unter dem Motto steht: „Wir sind ganz Ohr“. Damit wolle er den Zusammenhalt im Bistum stärken. Auch Joseph Maria Bonnemain aus Chur steht auf der Liste. „Diese Bischöfe sind Vertreter einer kleinen und zum Teil jungen Kirche“, sagt Rütten. 

 

Pilgern trotz Kirchenkrise?

 

Für Kauling wird es spannend, wenn Corona-Regeln und Abstandsgebote fallen. Kommen dann die Menschen wieder in die Kirche, werden sie wieder Gottesdienste feiern – oder haben sich andere Bedürfnisse entwickelt? Wie werde sich die Vertrauenskrise in der Kirche auf den Besuch in Kevelaer auswirken?

Um die Attraktivität der Wallfahrt zu erhöhen, werde man im kommenden Jahr mit einem großen Jugendevent mit viel Musik starten. Genaue Daten hat er noch nicht. Die Planungen laufen. Doch die Veranstalter seien noch verhalten, meint Rütten. Auch soll die Nordwestdeutsche Messdienerwallfahrt nach Kevelaer kommen. Genaue Termine sind noch nicht bekannt.

 

"Menschen mit Draufsicht"

 

Im Priesterhaus sind monatlich musikalische Veranstaltungen mit „Mehrwert“ vorgesehen. Texte mit besonderem Akzent, mit philosophischen Ideen und musikalische Werken zum Beispiel von Johann Sebastian Bach sollen eine besondere Form der „Kultur im Priesterhaus“ begründen. Bastian Rütten wird die Abende moderieren.  „In der Fastenzeit sind Reden von Menschen aus der Politik geplant. Es sollen Menschen mit Draufsicht zur Sprache kommen“, sagt Kauling.

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