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Ein alter Brauch in der Kirche Santa Maria Maggiore

Warum es in Rom jedes Jahr im Hochsommer schneit

Kerstin Thiel-Lunghini stammt aus dem Rheinland und lebt seit langer Zeit mit ihrer Familie in Rom, wo sie als Kunst- und Kultur-Expertin Besuchern etwa unseres Partners Emmaus-Reisen die Ewige Stadt zeigt. Leserinnen und Leser von "Kirche-und-Leben.de" führt sie exklusiv in loser Folge durch das alte und das heutige Rom. Diesmal zu einer der ältesten Kirchen der Stadt - und mehr als 1.600 Jahre alten, immer noch lebendigen und spektakulären Brauch.

Jedes Jahr erinnern sich die Römer gerne daran, dass die Gottesmutter Maria durch einen wundersamen Schneefall am 5. August 358 dem damaligen Papst Liberius den exakten Ort aufgezeigt hat, an dem die erste ihr geweihte Kirche Roms errichtet werden sollte. Nun, im August schmilzt in Rom der Asphalt vor lauter Hitze. Da ist ein plötzlicher Schneefall ein mehr als willkommenes Ereignis, natürlich auch für die heutigen Römer.

Um die Erinnerung an die wunderbare Mariengeschichte wachzuhalten, schneit es in Rom weiterhin an jedem 5. August in Santa Maria Maggiore. Zur Freude der Kirchgänger rieseln während der Messe weiße Blütenblätter durch eine Deckenluke und bilden einen großen runden Schneefleck am Kirchenboden.

Wegen Corona schneite es diesmal später

Die Autorin
Kerstin Thiel-LunghiniKerstin Thiel-Lunghini lebt seit langer Zeit mit ihrer Familie in Rom, wo sie als Kunst- und Kultur-Expertin Besuchern etwa unseres Partners Emmaus-Reisen die Ewige Stadt zeigt. | Foto: privat

Dieses Jahr ist die begleitende abendliche Lichtshow auf der Piazza vor der Kirche wegen Corona auf den letzen Sonntag des August verschoben worden. Ein von den Römern intensiv empfundenes Stadtteilfest, das seit 1983 alljährlich von dem Architekten Cesare Esposito, der im Schatten der Basilika im Stadtteil Monti wohnt, organisiert wird.

Es ist jedes Jahr ein Fest voller Poesie, Musik und Tanz und die Fassade der Kirche wird dazu in wechselnd buntes Licht getaucht. Der Höhepunkt in diesem Jahr war eine Akrobatin in einem gleißend weiß leuchtenden Halbmond, der an einem Kran hängend vor der Fassade baumelte.

Römische Volksfrömmigkeit

Die Freude der Menschen war unbändig, als am Ende endlich die Schneekanone loslegte. Plötzlich war das wirklich „Maria im Schnee“. Nicht nur vor dem geistigen Auge, sondern als Erfahrung, die alle leibhaftig erfahren konnten. Jeder versuchte natürlich, nach dem weißen, im Licht glitzernden Schnee zu greifen, soviel wie möglich davon zu erhaschen.

Übermütig lachende Kinder und Handyblitzgewitter, rundum ein herrliches gutgelauntes Durcheinander und mit Sicherheit eines der schönsten Beispiele für die römische Volksfrömmigkeit. Wer wissen möchte, wie sich Maria Schnee anfühlt, dem bleibt nichts anderes übrig, als im nächsten Jahr selber dabei zu sein.

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Kampanile Medienagentur