Geistliche Leiterin Katharina Fröhle: Wenig tröstlich, von gesegnetem SUV überrollt zu werden

BDKJ Münster übt scharfe Kritik an Autosegnungen trotz Klimawandels

  • Der BDKJ im Bistum Münster kritisiert Autosegnungen, wie sie vor Ferienbeginn vielerorts angeboten werden.
  • Angesichts des Klimawandels sei dies ein "irritierendes Zeichen", sagt Katharina Fröhle, Geistliche Leiterin des Jugendverbands.
  • Statt Segnungen fordert sie Solidarität mit jenen, die unter dem Klimawandel leiden, und mit Klimaaktivistinnen und -aktivisten.

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Scharfe Kritik an Autosegnungen vor den Sommerferien übt der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Münster. Als "irritierendes Zeichen" angesichts des Klimawandels bezeichnet Katharina Fröhle, Geistliche Leiterin des BDKJ, die in vielen Pfarreien übliche und beliebte Aktion. Auch auf dem Münsteraner Domplatz ist eine solche Segnung für den kommenden Sonntag vorgesehen.

Es sei zu fragen, "für wen wir unseren Dienst ausrichten", schreibt Fröhle in einer Mail aus der Diözesanstelle des BDKJ: "Stehen wir an der Seite derer, die sich trotz der Umweltauswirkungen ein privates Auto und eine Urlaubsfahrt leisten beziehungsweise leisten können, oder evangeliumsgemäß an der Seite der Armen und Benachteiligten, als unter anderem derer, die unter den Auswirkungen des auch durch unseren Verkehrssektor gemachten Klimanotstandes im globalen Süden leiden und sterben?"

Fröhle: Autos segnen, homosexuelle Paare nicht?

Katharina FröhleKatharina Fröhle ist Geistliche Leiterin des BDKJ im Bistum Münster. | Foto: Michael Bönte

Zudem sei die Zahl der durch Unfälle mit Pkw getöten Menschen 2022 erneut gestiegen. "Es mag nur mäßíg trösten, wenn man von einem gesegneten SUV überrollt wird", schreibt Fröhle. Sicherheit im Verkehr werde nicht durch die "Segnung der überlegenen Verkehrsteilnehmer*innen", sondern etwa durch weniger Autos, ein Tempolimit auf Autobahnen und Parkverbotszonen erreicht.

Fröhle kritisiert zudem die "Großzügigkeit", mit der zu Autosegnungen eingeladen wird, während die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften "ein Politikum sei". Es sei "absurd", wenn zugleich das "geplante Mittun an der Zerstörung der Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen und nächsten Generationen" unter Gottes Segen gestellt werden könne.

Solidarität statt Segnung

Die BDKJ-Vertreterin fordert dazu auf, mutig von Traditionen zu lassen, statt Autos diejnigen zu segnen, die sich "ambitioniert für eine Verkehrwende einsetzen" und "Solidarität mit den Klimaaktivist*innen" zu bekunden.

Bei der Segnung auf dem Münsteraner Domplatz sind am Sonntag, 18. Juni, neben den Fahrerinnen und Fahrern von Pkw und Motorrädern laut Gottesdienstordnung auch "kleine und große RadfahrerInnen mit ihren Rädern" willkommen sowie "Menschen, die einen Rollator nutzen".