Gottesdienst in der Polnischen Katholischen Mission in Münster

Bischof Felix Genn erinnert an die Opfer im Zweiten Weltkrieg

In einem Gottesdienst in der Polnischen Katholischen Mission in Münster hat Bischof Felix Genn an den Beginn des Zweiten Weltkriegs erinnert, der sich am Sonntag zum 80. Mal jährte. „Der Überfall Deutschlands auf Polen hat Leid über die Menschen gebracht. Wir sind es den Opfern schuldig, an dieses Leid zu erinnern und zu sagen, dass es niemals wieder Krieg geben darf“, sagte Genn in seiner Predigt in der St.-Antonius-Kirche.

Für ihn sei es ein besonderer Moment, gerade an diesem Jahrestag mit der polnischen Gemeinde Gottesdienst zu feiern, sagte Genn. Er erwähnte auch die Bischofsworte vor 80 Jahren, die dazu aufgerufen hatten, für einen Sieg zu beten. „Als Angehöriger der Nachkriegsgeneration ist es mir unverständlich, wie die Kirchen den Krieg haben begrüßen können.“

Genn: Lügenpropaganda der Nazi-Diktatur

Das System der Nazi-Diktatur sei auf einer Lüge aufgebaut gewesen, wie besonders der Kriegsbeginn gezeigt habe, sagte Genn. Die NS-Propaganda habe von einem „Gegenangriff“ und „Verteidigungsangriff“ gesprochen. „Ein System, das von der Lüge her kommt, hat auf Dauer keine Zukunft“, verwies Genn auf den Zusammenbruch des Nationalsozialismus 1945.

In tragischer Weise sei das polnische Volk zwischen zwei Diktaturen eingezwängt gewesen, erwähnte Genn die historische Situation des Landes zwischen Deutschland und der Sowjetunion und bezog sich indirekt auf den Hitler-Stalin-Pakt von 1939, in dem Polen zum Spielball der Mächte wurde.

Ablehnung jeder Form von Rassismus

Eindrücklich mahnte Genn, dass Rassismus niemals mehr die Überhand gewinnen dürfe. „Der Krieg vor 80 Jahren konnte nur geschehen, weil ein Volk sich als Herrenrasse ansah. Dieses Denken darf nie wieder um sich greifen.“ Das christliche Menschenbild sage eindeutig: „Bleibe ein Mensch, und sei nicht mehr, als du bist.“ Niemals dürfe sich ein Mensch über einen anderen Menschen erheben.

Genn warnte vor nationalistischen Tendenzen in der Politik. „Kein Volk ist vor Nationalismus geschützt, wie die aktuellen Landtagswahlen zeigen.“ Wichtig sei es, Frieden zu den Nachbarn aufzubauen. Dies gelte auch für das deutsch-polnische Verhältnis. Das Friedensprojekt Europa sei zu unterstützen, wie es die Kirchen und in der Vergangenheit besonders Papst Johannes Paul II. getan hätten.

Lob für polnische Gemeinden

Ausdrücklich lobte Bischof Genn die Arbeit der polnischen Gemeinden im Bistum Münster. Sie ständen für Integration und große Gastfreundschaft. Die Verbundenheit im Glauben sei ein „besonderes Geschenk“, das man pflegen müsse. „Die Gemeinden anderer Muttersprachen tun viel für ein gutes Miteinander.“

Insgesamt mehr als 80.000 Katholiken mit polnischer Staatsangehörigkeit werden im Bistum Münster von den polnischen Missionen am Niederrhein, in Münster und Recklinghausen betreut.

Regelmäßig werden Gottesdienste in polnischer Sprache in folgenden Kirchen im nordrhein-westfälischen Bistumsteil angeboten: St. Martin Beckum, St. Agnes Bocholt, St. Johannes Borken, St. Jakobi Coesfeld, St. Marien Dorsten, St. Barbara Dorsten-Wulfen, Maria-Ludwig-Stift Dülmen, St. Juliana Duisburg-Walsum, St. Adelgundis Emmerich, St. Michael Ibbenbüren, St. Antonius Kevelaer, Maria Empfängnis Kleve, St. Michael Marl, St. Konrad Moers, St. Antonius Münster, St. Antonius Neukirchen-Vluyn, St. Marien Recklinghausen, St. Elisabeth Rheine, St. Stephanus Selm-Bork, St. Georg Straelen und im Kloster Mörmter in Xanten.

Wie Franz-Josef Sonka vom Bischöflichen Generalvikariat informierte, existieren im Bistum Münster 22 Missionen oder Gemeinden anderer Muttersprache. Gottesdienste werden in 17 unterschiedlichen Muttersprachen gefeiert. Mehr als zwölf Prozent der Katholiken im Bistum Münster haben eine Migrationsgeschichte.