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"Offener Brief" an Bischöfe: Chartern Sie Reisebusse in Richtung Bosnien, Serbien, Griechenland

Caritas-Direktor aus Bosnien kritisiert europäische Kollegen

  • Der Direktor von Caritas Bosnien-Herzegowina fordert von seinen europäischen Schwester-Organisationen mehr Hilfe für die Flüchtlingsarbeit - auch aus Deutschland.
  • In Bosnien-Herzegowina harren nach Angaben der nationalen Caritas etwa 10.000 Flüchtlinge aus Asien und Afrika teils unter widrigsten Bedingungen aus.
  • Ein "Offener Brief" aus Münster fordert unterdessen die katholische und evangelische Kirche in Deutschland auf, Flüchtlinge mit Reisebussen aus Bosnien, Serbien und Griechenland zu holen.
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Der Direktor von Caritas Bosnien-Herzegowina fordert von seinen europäischen Schwester-Organisationen mehr Hilfe für die Flüchtlingsarbeit. Im Caritas-Netz erfahre man "leider viel zu wenig Unterstützung", sagte Tomo Knezevic am Freitag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zwar hülfen manche nationalen Caritas-Verbände durchaus, auch einzelne Caritas-Vertreter aus den Bistümern Eichstätt und Graz-Seckau sowie die italienische Bischofskonferenz täten das. "Aber die meisten Caritas-Verbände in Europa schweigen, leider auch der deutsche. Unsere Telefone sind in dieser Hinsicht leider stumm."

Knezevic ergänzte: "Dabei brauchen wir dringend mehr Solidarität, um unsere Arbeit fortführen zu können." Auch die Europäische Union (EU) sei in der Pflicht. "Die EU, besonders Deutschland, hat vor gut fünf Jahren ein klares Willkommenssignal an Flüchtlinge gesandt und sie so zum Herkommen ermutigt", so der Caritas-Chef. Heute hingegen würden die Menschen ausgesperrt, teils mit Gewalt zurückgedrängt und ihr Schicksal zur Abschreckung missbraucht.

 

"Die EU darf in der Flüchtlingsfrage nicht den Pilatus geben"

 

Caritas-International sammelt Spenden für die Flüchtlingshilfe in Bosnien. Alle Infos auf caritas-international.de.

Der Geistliche kritisierte: "Das ist ebenso schändlich wie die Tatsache, dass Europa Bosnien-Herzegowina als seinen Hinterhof ausnutzt, zu dem man Fenster und Türen verrammelt. Wir müssen das humanitäre Drama nun ausbaden, obwohl wir selbst ein noch sehr versehrtes Nachkriegsland sind und von Armut geprägt." Knezevic weiter: "Die EU darf in der Flüchtlingsfrage nicht den Pilatus geben und ihre Hände in Unschuld waschen. Christen dürfen das schon gar nicht."

In Bosnien-Herzegowina harren nach Angaben der nationalen Caritas etwa 10.000 Flüchtlinge aus Asien und Afrika teils unter widrigsten Bedingungen aus. Die allermeisten von ihnen seien junge muslimische Männer, die ihre Heimat aus wirtschaftlichen Gründen verlassen hätten.

 

"Chartern Sie Reisebusse in Richtung Bosnien, Serbien, Griechenland“

 

„Machen Sie sich auf den Weg: Chartern Sie Reisebusse in Richtung Bosnien, Serbien, Griechenland“, heißt es in einem Ende Januar in Münster veröffentlichten "Offenen Brief" an die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Der von rund 200 Personen unterzeichnete Brief wurde den Angaben zufolge von der Mitgründerin der katholischen Reforminitiative Maria 2.0, Lisa Kötter, und der Münsteraner Lehrerin Christiane Berg initiiert.

Eine Erlaubnis der europäischen Regierungen sollte nicht abgewartet werden. „Dieser Treck wird die für alle sichtbare Forderung an die Regierenden Europas sein, die Menschen mitnehmen zu dürfen.“

 

"An den Grenzen Europas wird die Würde der Flüchtlinge mit Füßen getreten"

 

Die Menschen in den Flüchtlingslagern in Europas Südosten müssten geborgen und an einen sicheren Orte gebracht werden, heißt es weiter. Diesen Ort könnten die christlichen Kirchen ihnen bieten. Schon in der Flüchtlingskrise 2015 hätten sie in Deutschland und in ganz Europa gezeigt, „dass sie Herz und Infrastruktur besitzen, Menschen aufzunehmen und zu integrieren“. Das sollten sie jetzt wieder tun. „Wagen Sie den ersten Schritt“, so der Appell der Unterzeichner.

Die Werte der Europäischen Union basierten nicht zuletzt auf der Bibel, so die Unterzeichner. Darin erscheine Gott als „tätig Liebender“. An den Grenzen Europas aber werde die Würde der Flüchtlinge mit Füßen getreten. „Das widerspricht allem, wofür wir als Christ:innen und Europäer:innen stehen.“ Es sei Zeit, ein Zeichen zu setzen und sich auf den Weg zu machen. „Wir sind überzeugt: Es werden sich viele anschließen.“

 

Die Unterzeichner des Schreibens

 

Zu den rund 200 Unterzeichnern gehören die Politikwissenschaftlerin und frühere Kandidatin für das Bundespräsidenten-Amt, Gesine Schwan, der Kirchenkritiker Eugen Drewermann, der emeritierte Hildesheimer Weihbischof Hans-Georg Koitz und der Bundessprecher der Initiative „Wir sind Kirche“, Christian Weisner.

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