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Lexikon des Judentums (22)

Chanukka – das Lichterfest mit Kerzen, Kreisel, Krapfen

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Wissen ist das beste Mittel gegen Vorurteile und Antisemitismus. Zum Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erläutert diese Serie Begriffe jüdischen Glaubens – diesmal von Johannes Schnocks, Professor für Zeit- und Religionsgeschichte des Alten Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, und Ludger Hiepel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

Beginnend am 25. Kislew wird das achttägige Lichterfest Chanukka (hebr. „Weihe“) gefeiert – in diesem Jahr vom 28. November bis zum 6. Dezember. Erinnert werden drei Ereignisse aus der Geschichte des jüdischen Volkes: die Befreiung von der Herrschaft der Seleukiden, die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels und ein damit verbundenes Lichtwunder.

Das Fest geht nicht auf ein Gebot der hebräischen Bibel zurück, sondern auf ein historisches Ereignis: den Makkabäeraufstand gegen die Seleukiden. Diese in Syrien residierende Dynastie in der Nachfolge von Alexander des Großen beherrschte im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung auch Palästina. Im Lauf von Auseinandersetzungen mit der Jerusalemer Obrigkeit war es wohl zur Umwidmung des Tempels und einer Unterdrückung der traditionellen Religionsausübung gekommen. Unter der Führung von Judas Makkabäus kam es zum Krieg gegen die Seleukiden und in der Folge zu einer gewissen Autonomie der judäischen Herrscher. Die Geschichte des Aufstands ist im ersten und zweiten Makkabäerbuch unter verschiedenen Perspektiven überliefert.

Lichtwunder etabliert Fest

3597 nach der Schöpfung – 164 vor unserer Zeitrechnung – gelang es, den von den Seleukiden entweihten Jerusalemer Tempel zurückzuerobern. Nach der Reinigung des Tempels weihten die jüdischen Priester den Tempel neu. Dabei entzündeten sie auch die Menora, den siebenarmigen Leuchter, hatten aber nach der Fest­legende nur ein kleines Gefäß mit rituell reinem Öl zur Verfügung, das normalerweise nur für maximal einen Tag gereicht hätte. Auf wundersame Weise brannte es aber ganze acht Tage – genau lange genug, bis neues, koscheres Öl hergestellt werden konnte. Das Lichtwunder nach der Tempelweihe wird im Talmud überliefert, der auch das jährliche Fest etabliert.

An das Lichtwunder wird bis heute mit der Chanukkia, dem neunarmigen Leuchter, erinnert. Ein exponierter Arm des Leuchters mit seinem Licht erinnert an den Rest des Öls, das damals bei der Tempelweihe zur Verfügung stand. An ihm wird an den acht aufeinanderfolgenden Tages jeweils ein Licht mehr angezündet, bis schließlich am Ende des Chanukkafestes der gesamte Leuchter entzündet ist. Man trifft sich zum gemeinsamen Lichterzünden entweder in der Gemeinde oder auch Zuhause mit Freunden und der Familien.

Brauchtum zu Chanukka

Vielfach wird an diesen Abenden mit dem „Dreidel“, einem eckigen Kreisel, gespielt. Auf seinen vier Seiten steht jeweils ein hebräisches Schriftzeichen: Nun – Gimmel – He – Schin. Dabei handelt es sich um die Initialen des Satzes „Ein großes Wunder geschah dort“ (Nes gadol haja scham). Gespielt wird zumeist um Süßigkeiten. Je nachdem welches Schriftzeichen beim Kreiseln fällt, kann man sich Süßigkeiten nehmen oder muss wieder welche abgeben. Traditionell werden Speisen gegessen, die in Öl gebacken wurden, wie Krapfen oder Kartoffelpuffer.

Die Autoren
Johannes Schnocks, Professor für Zeit- und Religionsgeschichte des Alten Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, und Ludger Hiepel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.
Johannes Schnocks (l.), Professor für Zeit- und Religionsgeschichte des Alten Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, und Ludger Hiepel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

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