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Argentinier Diego Elola übernimmt neuen Posten in Wilhelmshaven

Vom Netz zur See: Youtube-Priester wird Militärpfarrer bei der Marine

  • Pfarrer Diego Elola aus Argentinien fährt jetzt auf deutschen Kriegsschiffen zur See.
  • Als neuer Militärpfarrer freut er sich besonders auf Menschen, denen die Kirche fremd ist.
  • Denen begegnet er schon immer als begeisterter Internetseelsorger auf Instagram, Facebook und Youtube.
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Pfarrer Diego findet man am besten im Netz. Und dort am besten bei Instagram, wenn man sich zu seinen 3.500 Followern gesellt. Viele für einen Pfarrer, wenn man sich da umsieht.

Pfarrer Diego ist bewusst unterwegs, auch bei Facebook (3.100 Freunde) und bei Youtube (1.000 Abonnenten). „Da sind es nicht so viele“, erklärt er. „Ganz allein Videos produzieren ist nicht immer einfach“. Er hofft jetzt auf Hilfe vom Katholischen Militärbischof.

Seelsorger auf den Fregatten der Marine

Denn Pfarrer Diego Elola hat am 1. März die Stelle des Standortpfarrers in Wilhelmshaven übernommen, auch „bei den schwimmenden Einheiten der Marine“, wie es amtlich heißt. Konkret heißt das: Pfarrer Elola fährt mit den Fregatten der Bundesmarine zur See, ihren größten Schiffen. Sie vertreten die EU bei Einsätzen im Mittelmeer und im Indischem Ozean.

Der Pfarrer wird dort rund 250 Soldatinnen und Soldaten begleiten, mit ihnen auf 143 Metern Monate zusammenleben, ihnen Gespräche, Gottesdienste und Zeiten der Besinnung anbieten.

Soldaten ohne Nähe zur Kirche

Es sind vor allem junge Menschen. Und vielen von ihnen ist die Kirche völlig fremd. Aber das gerade habe ihn gereizt, sagt der neue Pfarrer.

Ihnen begegne er ja auch intensiv im Internet. Elola hat sich dort früh bekannt gemacht, nutzt alle Möglichkeiten, um sich dort als Seelsorger zu zeigen. „Die sozialen Netzwerke sind die neue Kanzel der Kirche“, sagt er. Man trifft ihn dort als „Pfarrer Diego“.

Im Internet Pfarrer für Trauung gefunden

Die Kanzel ganz ohne persönliche Begegnung – das geht, versichert er. Man nimmt im Netz an Elolas Leben teil, sieht Bilder aus dem Urlaub, Gedanken aus dem Evangelium, Fotos von Paaren, die er getraut hat – und die er über Instagram gefunden hatte. „Da kommt eben die persönliche Begegnung“, sagt er augenzwinkernd. Viele Paare suchten heute im Netz nach dem passenden Pfarrer für ihre Trauung. Bei der Recherche finden sie den jungen Pfarrer mit dem flotten Auftritt bei Instagram – und das persönliche Gespräch.

Pfarrer Elola hat nach solchen Kontakten schon in ganz Deutschland Paare getraut - und dann auch Kinder getauft. „Ich nehme die Seelsorge im Internet sehr ernst“, sagt er. Es gebe nämlich auch eine non-verbale Sprache der Seelsorge, eine Sprache ohne Worte. „Man muss nur gut sein in dieser Sprache, sie kennen und mit ihr unterwegs sein im Netz, in dieser neuen Welt.“

Der erste Kontakt über Instagram

Soziale Medien haben ihm auch seinen Einstieg als Pfarrer in der Marine erleichtert. Jede Fregatte habe ihren eigenen Instagram-Account, bei seiner Meldung dort kamen sofort Nachrichten von Soldaten, die ihn aus Süddeutschland kannten. „Mit denen habe ich mich dann abends in der Stadt getroffen.“

Deutsche Marine und Internet waren für Diego Elola noch weit weg, als er in Argentinien aufwuchs. Nach seiner Priesterweihe und ersten Jahren als Seelsorger bewarb er sich für die Seelsorge der spanisch-sprachigen Gemeinde in Mannheim.

Kein Leben in spanischer Blase

Er lernte dort an der Universität intensiv Deutsch, mehr als zunächst eigentlich notwendig war. „Aber mir geht es um Integration und direkten Kontakt, ich wollte die Migrantenwelt auch verlassen können.“ Das habe er auch mit seiner Gemeinde so praktiziert. „Wir leben ja nicht in einer spanischen Blase“, habe er dort gemahnt.

Nach neun Jahren war er auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Und fand sie bei der Marine. Den Kontakt hatte er Jahre zuvor bei einem Heimaturlaub in Argentinien gefunden. Dort lernte er den Seelsorger des Marine-Schulschiffs „Gorch Fock“ kennen, die dort festgemacht hatte.

Schnupper-Praktikum bei der Marine

Durch dessen Vermittlung machte er vor drei Jahren im Urlaub ein Praktikum bei der Militärseelsorge an der Nordseeküste. Auch in Wilhelmshaven. „Ich wusste: Das kann meine Aufgabe sein.“

Unter den jungen Soldaten werde er sicher viele finden, denen die katholische Kirche völlig fremd sei. Das schreckt ihn aber nicht. „Auf meinem Instagram-Account habe ich fast ein Drittel Follower, die in Ostdeutschland leben.“

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