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Aktuelle Fotos von Palmsonntag in der Bilderstrecke ergänzt

Discokugel und Desinfektionsbecken: Karwoche in St. Antonius Rheine

  • In der Antonius-Basilika in Rheine können Besucher in vier Licht-, Klang- und Rauminstallationen Ostern anders erleben.
  • Auch Elemente, die an Pandemie-Erfahrungen erinnern, spielen eine Rolle.
  • Die Kirche wird unter anderem mit Lichtspots, projizierten Bibelversen und einem echten Garten in Szene gesetzt.
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Lichtspots auf dem Altar, eine Discokugel über dem Taufbecken und ein echter Garten in der Kirche? Mit unterschiedlichen Mitteln wird die Antonius-Basilika in Rheine an Ostern zum Ort modern verkündeter Liturgie. Unter dem Titel „Fokus – vier Tage, vier Installationen“ können sich Besucher nachmittags bis abends in vier verschiedenen Licht-, Klang- und Rauminstallationen auf das Geschehen der Kar- und Ostertage einlassen.

Titelgebend stand zu Beginn für die Pfarrei St. Antonius die Frage: „Wie können wir die großen Feiertage in Pandemie-Zeiten in den Fokus rücken?“ Eine Antwort: „In dem man erst einmal Raum schafft. Es werden alle Bänke ausgeräumt“, schildert Jan Kröger, seit Dezember leitender Pfarrer der Großgemeinde mit 19.000 Mitgliedern: „Ich freue mich sehr auf die vier Tage und ihre vier Installationen, vom Aufbau bis zum Abbau.“ Unterstützt wird die Gemeinde von der Katholischen Landjugendbewegung Rheine (KLJB), die auch Videos der Aktionen ins Internet stellen wird.

Partystimmung an Palmsonntag

Fotos von Palmsonntag sind in obiger Bilderstrecke ergänzt.

Die erste Installation in der dreischiffigen Kirche ist eine wahrhaft königliche Inszenierung vom biblischen Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag. „Alle warten auf den Star des Abends, es herrscht Partystimmung. Diese Atmosphäre soll kreiert werden“, beschreibt Tobias Plien die Darstellung für diesen Tag. Der Pastoralreferent ist der Sprecher des Teams aus vier hauptamtlichen Seelsorgern, die das Projekt verantworten.

Discokugeln kommen zum Einsatz, unter „Hosianna“-Jubelvideos auf großen Leinwänden schreiten die Besucher an einem roten Teppich vorbei auf einen Thron zu. „Der rote Teppich bleibt Jesus vorbehalten. Aber jeder, der mag, kann sich auf den Thron setzten und dieses Gefühl, sich feiern zu lassen, nachvollziehen“, erklärt Plien.

Gewohnte Denkmuster aufbrechen

Er wünscht sich „tiefgehende Erfahrungen und neue Perspektiven auf Ostern“ für die Besucher. Die Installationen sollen berühren, bewegen und einladen, auch den eigenen Glauben zu hinterfragen: „Wir nennen ,Fokus‘ eine Installation, aber wir meinen Liturgie“, bringt es Tobias Plien auf den Punkt.

„Wir brechen mit gewohnten Denkmustern im Glaubensleben.“ Es könne zum Beispiel sein, dass Besucher den Kirchenraum betreten und unverhofft in einem Gottesdienst landen, die an den Kar- und Ostertagen ja auch in der Basilika stattfinden: „Das ist so gewollt.“

Gründonnerstag mit Desinfektionsbecken für die Füße

An Gründonnerstag wird das Geschehen über das Abendmahl bis zur Szene in Gethsemane mit einem echten Garten vor dem Altar in den Fokus gerückt. In jeweils achtminütigen Zyklen können die Teilnehmer die Lichtspiele auf sich wirken lassen, dann wieder gehen, oder aber auch länger in der Kirche bleiben.

Dabei sind in vielen kleinen Elementen auch die Erfahrung der Corona-Pandemie einbezogen worden. Als Solidaraktion mit der Rheinenser Gastronomie liegen Bestellzettel für ein „Abendmahl“ aus und eine besondere Fußwaschung ist geplant: „Wir werden am Eingangsportal ein Desinfektionsbecken aufbauen, wie man es in der Landwirtschaft vor allem aus den Zeiten der Schweinepest kennt.“

Ehrenamtliche helfen beim Verstehen

Diese Installation beziehe sich symbolisch auf das Bibelwort nach Johannes 13,10, erläutert Plien: „Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen.“ Der Bibelvers werde mittels Beamer in die Wanne projiziert.

Weil sich derartige Inszenierungen nicht sofort jedem erschließen, stehen an allen vier Tagen Ehrenamtliche zu Gesprächen bereit: „Ohne unsere ,Türöffner' und Ordner ist das Projekt nicht durchführbar“, betonen Plien und Kröger.

Bereits die Adventsmeditation „Vorglühen“ in der Ludgerus-Kirche habe gezeigt, dass moderne Verkündigung unter Pandemie-Bedingungen möglich sei. „Wir bekommen viel Rückhalt aus den Gemeinden“, berichtet Jan Kröger. „Wir mussten uns zu Beginn der Pandemie den Schuh anziehen: ,Warum tut ihr nichts von der Kirche aus?‘“ Die Projekte „Vorglühen“ und „Fokus“ zeigten, „dass wir viel gelernt haben“.

Wer will mitmachen?
In Rheine werden noch „Türöffner“ gesucht, die an den Tagen für Gespräche über die Installationen zur Verfügung stehen. Anmeldung im Pfarrbüro, Tel. 05971/ 80169-0, oder über dieses Online-Formular. Die Installationen und Gottesdienste werden an allen vier Feiertagen per Livestream über die Homepage der Pfarrei zu sehen sein.

In der Karwoche finden in der Basilika bis Mittwoch weitere Angebote statt. Der Kirchenraum soll Kulturschaffenden in der Pandemie als Zeichen der Solidarität offen stehen. Täglich um 12 Uhr gibt es eine musikalische Andacht und um 19 Uhr ein Konzert. Alle Informationen auf der Internetseite www.sankt-antonius-rheine.de bei Facebook und Instagram.

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