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Ein Stall im Freien für die alten Krippenfiguren von St. Johannes dem Täufer

Im Venner Moor hat die heilige Familie eine neue Herberge

  • Die Weihnachtsgottesdienste müssen wegen der Corona-Maßnahmen aus der kleinen Kirche St. Johannes der Täufer in der Senden-Venne nach draußen verlegt werden.
  • Dafür werden vor einem benachbarten Schuppen die alten Krippenfiguren aufgestellt.
  • Tischler Klemens Reher und seine Frau haben für sie einen neuen Stall gebaut.
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Aus den kleinen Fenstern seiner Werkstatt kann Klemens Reher die Kirche sehen. St. Johannes der Täufer steht beinahe 800 Jahre in der Venne. Auch für den 80-Jährigen war sie zeitlebens der Mittelpunkt in dem Ortsteil von Senden. „Ich habe nie weiter weg als 500 Meter von ihr gewohnt“, sagt er. Ein solches Problem wie in diesem Jahr hat er aber noch nie erlebt. Da die Kirche unter den Corona-Auflagen zu klein ist, um selbst den nur 120 Gemeindemitglieder in den Weihnachtsgottesdiensten Platz zu bieten, wurde die Feiern vor die Tür verlegt. „Vor den Schuppen am Speicher.“

Auch das ist ein schöner, idyllischer Ort mit Blick auf die Natur des Venner Moors. Trotzdem fehlt dort etwas Entscheidendes für die Feiern. Da waren sich alle einig, sagt Reher: „Eine Krippe“. Die aus der Kirche kam nicht in Frage, da sie dort auch in diesem Jahr ihren festen Platz haben soll. Aber was war mit den alten Holzfiguren, die vor zwei Jahren durch die Neuen ersetzt wurden? Sie waren aussortiert worden, weil an ihnen nach fast 30 Jahren der Zahn der Zeit nagte. „Und weil sie eigentlich viel zu groß für den kleinen Stall in der Kirche waren.“

Der Tischler und seine „Gesellin“

Für Reher kam aber nicht in Frage, dass die heilige Familie im Venner Moor die Weihnachtszeit unter freiem Himmel verbringen sollte. Der Tischler im Ruhestand ließ es sich nicht nehmen, eine Unterkunft in passender Größe zu bauen. Mit seiner Frau Margret, die er liebevoll „meine Gesellin“ nennt, begab er sich an die Arbeit, um einen meterhohen Stall zu bauen – mit Leuchtstern obendrauf. Viele Stunden verbrachten sie dafür gemeinsam an der Kreissäge, mit dem Hobel oder der Feile.

Überdachten Platz gibt es jetzt genug für die schlanken Figuren, zu denen Reher eine ganz persönliche Beziehung hat. „Ein ehemaliger Pfarrer hat sie geschnitzt, seine Haushälterin die Kleider genäht.“ Was aber noch viel spannender ist: „Die Gesichter haben alle echte Vorbilder.“ Reher erkennt darin die lächelnde und staunende Mimik ehemaliger Nachbarn.

Krippkres-Kieken unter freiem Himmel

Die werden Maria, Josef und die Hirten in diesem Jahr im Freien zeigen. Reher und seine Frau haben noch eine Markise an den Schuppen gebaut, die dem Wetter trotzen soll. Denn die Krippe wird von Heiligabend bis Neujahr dort stehen. „Gerade wenn die Menschen an diesen Tagen zum Krippkes-Kieken kommen, können sie draußen besser Abstand halten“, sagt Margret Reher. Sie ahnt, dass mehr kommen werden als nur die 120 katholischen Venner.

Die Freude darüber, dass sie den Menschen mit ihrer Arbeit ein Weihnachtsgefühl in Krisenzeiten ermöglichen, ist dem Ehepaar anzusehen. „Für mich ist das auch ein Dank für die vielen schönen Erlebnisse, die ich mit der St.-Johannes-Kirche verbinde“, sagt Klemens Reher.

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