„Tagespost“: Joseph Ratzinger hat Missbrauchspriester H. nicht getroffen

Missbrauch: Benedikt XVI. weist ZDF-Spekulationen zurück

Benedikt XVI. weist Behauptungen des ZDF-Magazins „Frontal21“ zurück. Das berichtet „Die Tagespost“. Nach Auskunft des emeritierten Papstes habe es während seiner Zeit als Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger kein Treffen mit Missbrauchspriester H. gegeben. „Frontal21“ hatte am Dienstagabend über Verbindung Ratzingers zu einem verurteilten Priester berichtet.

Laut dem ZDF-Bericht soll er im Jahr 2000 einen Priester getroffen haben, der mehrfach Jungen sexuell missbraucht hat. Auf Anfrage der „Tagespost“ habe Benedikt am Mittwoch erklären lassen, dass er den damaligen Münchner Weihbischof Heinrich von Soden-Fraunhofen besucht habe. Bei dieser Gelegenheit habe es aber weder eine Begegnung mit dem Priester H. noch ein Gespräch mit ihm gegeben.

Geistlicher stammt aus Bistum Essen

Der Geistliche stammt aus dem Bistum Essen, wo er zwischen 1973 und 1979 Minderjährige missbraucht hat. Dort rechnet man durch die Veröffentlichung vom Dienstag damit, dass sich weitere Opfer melden, wie Sprecher Ulrich Lota der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. Namentlich seien bisher acht Betroffene bekannt. Das Bistum vermute noch fünf weitere Opfer.

1980 wurde H. ins Erzbistum München und Freising versetzt. Dies sei unter Auflage einer Therapie mit Billigung des damaligen Erzbischofs Ratzinger geschehen, heißt es. Die Berichterstattung legt die Vermutung nahe, dass Ratzinger, der von 1982 bis 2005 die Glaubenskongregation im Vatikan leitete, auch in dieser Zeit von der fortdauernden Beschäftigung des Geistlichen gewusst haben könnte. Ab 2001 war Ratzinger als Präfekt von Amts wegen weltweit für die Verfolgung von Missbrauchstaten durch katholische Geistliche zuständig.

Der Fall "H."

Der Fall „H.“ erregte 2010 weltweit Aufsehen. Der Priester war jahrzehntelang weiter in der Pfarrseelsorge im Erzbistum München-Freising tätig. Daran änderte auch ein erneuter Missbrauch nichts, für den er 1986 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Erst 2010 erfolgte seine Suspendierung vom Priesteramt, zuvor hatte es weitere Vorwürfe wegen übergriffigen Verhaltens bei Minderjährigen gegeben. Die Verantwortung für den erneuten Einsatz als Pfarrer in Gemeinden übernahm 2010 im Nachhinein der frühere Generalvikar Gerhard Gruber.

Der nach wie vor im Münchner Erzbistum lebende Geistliche sei seither mit Auflagen belegt und dürfe keine priesterlichen Dienste mehr ausführen, hieß es auf Nachfrage. Eine vollständige Entlassung aus dem Klerikerstand wäre nach dem Kirchenrecht die Höchststrafe, die gegen ihn verhängt werden könnte.