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Nach Münchner Gutachten Ruf nach Schuldeingeständnis von Benedikt XVI.

Missbrauchsstudie: Experte Rörig wirft Kirche Kaltherzigkeit vor

  • Kaltherzigkeit im Umgang mit Missbrauchsopfern in der katholischen Kirche beklagt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig.
  • Der Betroffenen-Aktivist Matthias Katsch spricht von einem „Lügengebäude“ rund um Benedikt XVI.
  • Die Bewegung „Wir sind Kirche“ fordert angesichts des Münchner Gutachtens ein persönliches Schuldeingeständnis vom früheren Papst.
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Einen empathielosen Umgang mit Missbrauchsopfern in der katholischen Kirche beklagt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. „Der herzlose, konsequente Institutionenschutz wurde über Jahrzehnte praktiziert. Aus den Fällen wurden bürokratische Vorgänge, Empathie für die Betroffenen fehlte“, sagte Rörig dem Evangelischen Pressedienst (epd) nach der Vorstellung eines Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum München. Es wirft unter anderem dem emeritierten Papst Benedikt XVI. Versäumnisse vor.

Rörig sagte: „Mir hat die beschämende Kaltherzigkeit höchster Kleriker im Umgang mit sexuell missbrauchten Kindern und Jugendlichen beinahe die Sprache verschlagen, die im Gutachten sichtbar wird.“ Es sei erschreckend, dass selbst höchste Kleriker Verfehlungen begangen hätten.

Katsch: „Lügengebäude“ rund um Benedikt XVI. und den Priester H.

Der Sprecher der Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, sieht das um Benedikt XVI. aufgebaute Lügengebäude um den Missbrauchstäter Peter H. eingestürzt. Es sei nun klar, dass Joseph Ratzinger als Münchner Erzbischof mitverantwortlich sei, sagte Katsch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Ratzinger habe 1980 entschieden, den des Missbrauchs beschuldigten Priester aus der Diözese Essen im Erzbistum aufzunehmen.

Katsch sagte, er sei ziemlich mitgenommen von der Vorstellung, dass durch diese Entscheidung so viele noch zu Opfern geworden seien. Diese Opfer hätte es nicht gegeben, wenn anders verfahren worden wäre.

Katsch: Eigentlich müssten alle zurücktreten

Mit H. beschäftigt sich ein eigener Band des Gutachtens. Der Priester verging sich im Bistum Essen und in Oberbayern an mindestens vier Orten an Minderjährigen. Dennoch wurde er immer wieder in der Seelsorge eingesetzt.

Katsch betonte, alle Münchner Erzbischöfe nach 1945 hätten sich in der Erhebung Fehler zurechnen lassen müssen. Das zeige, es gebe einen Fehler im System. Wenn dieses aber gründlich gescheitert sei, könne nicht versucht werden, das Alte künstlich am Leben zu erhalten.

Eigentlich müsste jetzt die Konsequenz sein, dass alle zurücktreten und neue Leute „den Laden“ übernehmen. Das Rücktrittsangebot von Kardinal Reinhard Marx 2021 habe er so verstanden, dass dieser die politische Verantwortung habe übernehmen wollen, um einen Neuanfang ohne ihn zu starten. Wenn Marx konsequent wäre, müsste er sein Angebot erneuern, findet Katsch.

„Wir sind Kirche“: Benedikt XVI. soll Schuld eingestehen

Die Bewegung „Wir sind Kirche“ fordert angesichts des Gutachtens von Benedikt XVI. ein persönliches Schuldeingeständnis. Anstatt „immer neue wenig glaubwürdige Dementi“ zu geben, solle sich der frühere Münchner Erzbischof seiner „kirchenstrukturellen wie moralischen Verantwortung“ stellen.

„Sein persönliches Schuldeingeständnis für sein damaliges Handeln beziehungsweise Nicht-Handeln wäre ein dringend notwendiger Akt und gleichzeitig ein großes Vorbild für andere Bischöfe und Verantwortungsträger weltweit“, erklärte die Laienorganisation.

Betroffene: Jetzt "sehr mutig" Konsequenzen ziehen

Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz fordert klare Konsequenzen aus dem Münchner Gutachten. Wenn die katholische Kirche nach dem "nun bekannten Offenbarungseid" von Benedikt XVI. nicht den "allerletzten und verbliebenen Rest ihrer Glaubwürdigkeit verlieren" wolle, müssten die Verantwortlichen "jetzt und sehr mutig" handeln, sagte Sprecher Johannes Norpoth der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Er forderte den Ständigen Rat der Bischofskonferenz, den Hauptausschuss des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und die Synodalversammlung des Reformprojekts Synodaler Weg zum Handeln auf. Alle Gremien tagen in den nächsten Wochen.

Update 19.10 Uhr: Betroffenenbeirat Bischofskonferenz

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