Themenwoche Seelsorge auf Rädern (4): aus dem Wangerland

Mitten unter Campern - so funktioniert Urlauberseelsorge an der Nordsee

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Der Gemeindebulli von St. Marien Schillig zieht jeden Sommer die Unterkünfte der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zu ihren Stellplätzen mitten unter die Urlauber.

Mobilität ist wichtig für die Urlauberseelsorge im Wangerland. Deshalb hat die St.-Marien-Gemeinde in Schillig bei ihrem Gemeindebulli von Anfang an auf eine Anhängerkupplung als Zusatzausstattung geachtet. 1996 hatte sie erstmals so einen „Bonibus“ über das Bonifatiuswerk bestellt. „Die Anhängerkupplung ist in der Grundausstattung eigentlich nicht vorgesehen“, erklärt Theo Söbbeke. „Aber wir brauchen sie!“ Denn sonst wäre die Sache mit den Wohnwagen ein Problem.

Die beiden Anhänger überwintern derzeit noch hinter der Kirche. In ein paar Wochen werden sie aber wieder an den Ort gezogen, an dem sie während der Saison im Einsatz sind: den Campingplatz in Hooksiel. Dort werden die „Teamer“ auch in diesem Jahr wieder abwechselnd Quartier beziehen. „Teamer“ – so heißen hier die Ehrenamtlichen, die das Angebot der katholischen Urlauberseelsorge auf dem Campingplatz organisieren: kurze Besinnungen, Gespräche, Ferienprogramm für Kinder. Mitten unter den anderen Campern.

Zuerst nur in Schillig

„Das, was wir unter dem Begriff ,Campingkirche‘ verstehen, ist in den 1980er Jahren entstanden“, erinnert sich Theo Söbbeke. Damals hatte das Projekt mit den ersten Teams in Wohnwagen angefangen, zuerst auf dem Campingplatz in Schillig, später auch auf dem Nachbarplatz in Hooksiel. Mittlerweile ist die Campingkirche in Schillig mit ihrem Kirchenzelt auf ein Grundstück hinter der Kirche umgezogen, direkt hinter den Deich, immer noch in unmittelbarer Näher zum Campingplatz. In Hooksiel jedoch stehen weiterhin Wohnwagen – und müssen Jahr für Jahr dorthin und wieder zurückgezogen werden.

Die Kurverwaltung habe das Projekt von Anfang an unterstützt, sagt Theo Söbbeke und erklärt: „Sie ist ja interessiert an Angeboten für die Feriengäste.“ Deshalb kann die katholische Campingseelsorge bis heute kostenfrei ihren Stellplatz für die Wohnwagen und das „Kirchenzelt“ daneben nutzen, mit Waschhaus und Bäckereifiliale in der Nähe.

Sommerferien als Hochzeit der Urlauberseelsorge

Themenwoche Seelsorge auf Rädern:
Wie sieht zeitgemäße Seelsorge anhand von hohen Kirchenaustrittszahlen und niedrigen Zahlen an regelmäßigen Gottesdienstbesuchenden aus? Darüber machen sich viele Pfarreien im Bistum Münster Gedanken. Kirche-und-Leben.de stellt Projekte vor und spricht mit einem Experten. In Folge 4 berichten wir über die Urlauberseelsorge im Wangerland.

Nach seiner Pensionierung 1999 hatte sich Gemeindeausschuss-Mitglied Theo Söbbeke mit einem Team bereit erklärt, sich um die Wohnwagen zu kümmern. Mittlerweile unterstützt ihn eine Firma, die den Transport organisiert.

Die Campingwagen sind so ausgestattet, dass die ehrenamtlichen Teamer, die teils aus Süddeutschland kommen, mit ihrem Koffer anreisen können. Über Pfingsten werden einige von ihnen schon mal zu einem Putz-Einsatz kommen. Sie sollen die Wohnwagen für den Sommer vorbereiten. „Aufklaren“, wie es Theo Söbbeke nennt. „Ordnung schaffen“ meint der Begriff aus der Seemannssprache. „Alles putzen, lüften, solche Dinge“.

Mit jeweils 1.500 Stellplätzen gehören die Campingplätze in Schillig und Hooksiel zu den größten an der deutschen Nordseeküste. In Hooksiel kommen noch rund hundert Stellplätze für Wohnmobile hinzu. Die Saison dort beginnt jeweils am letzten Märzwochenende und dauert bis Mitte Oktober. Die Urlauberseelsorge konzentriert sich auf die Wochen der Sommerferien, meist von Ende Juni bis Mitte September. Dann heißt es für Gemeindebulli und Wohnwagen: Kommando zurück!

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