Kirchenrechtler Schüller: Kritiker-Kardinäle müssen gehorsam sein – oder schweigen

Papst klärt endgültig Umgang mit Wiederverheirateten

Mit lehramtlicher Autorität hat Papst Franziskus den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geregelt. Damit ist nun verbindlich festgelegt, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen auch die Kommunion empfangen können. Grundlage dafür ist die jetzt geschehene Veröffentlichung von drei Texten in den „Acta Apostolicae Sedis“, gewissermaßen ein Kirchliches Amtsblatt des Vatikans, und die ausdrückliche Anweisung des Papstes, sie als Ausdruck seines „authentischen Lehramts“ zu verstehen.

Für den Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller ist damit klar: „Dies hat jeder katholische Gläubige mit religiösem Verstandes- und Willensgehorsam anzunehmen“, wie es das Kirchenrecht in Canon 752 formuliere. Franziskus habe „jetzt endgültig geklärt, was 99 Prozent der Katholiken ja ohnehin schon verstanden haben“, erklärte Schüller im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“.

Amtseid der Kardinäle verpflichtet zu Gehorsam

Thomas SchüllerDr. Thomas Schüller ist Professor für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. | Foto: Jens Joest

Korrektur-Aufrufe und Zurechtweisungen des Papstes durch einige Kardinäle, darunter der inzwischen verstorbene Kölner Kardinal Joachim Meisner und der amerikanische Kurienkardinal Raymond Leo Burke, müssten damit beendet sein. Kirchenrechtler Schüller betont, vor allem Bischöfe und Kardinäle hätten sich „durch ihr Amt und ihren Amtseid zu besonderer Treue gegenüber dem Papst“ verpflichtet.

Sollten sie dennoch anderer Meinung sein als Franziskus, hätten sie nun „schlichtweg zu schweigen, dem Papst bedingungslos zu gehorchen und jedwede öffentliche Äußerung zu unterlassen, die den Eindruck erwecken könnten, dass sie eine andere Sicht der Dinge haben“.

„Es gibt keine anderen Interpretationen“

In den Acta Apostolicae Sedis wurden – bislang in der Online-Ausgabe – das Lehrschreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus über Ehe und Familie, eine Orientierungshilfe argentinischer Bischöfe für ihre Priester und eine diese Orientierungshilfe gutheißende Antwort von Papst Franziskus veröffentlicht. Darin heißt es, er finde in der Handreichung den Sinn eines umstrittenen Kapitels von „Amoris laetitia“ vollauf erfasst, wo es um das „Begleiten, Unterscheiden und Integrieren“ in schwierigen Lebenssituationen gehe. „Es gibt keine anderen Interpretationen“, schrieb Franziskus kurz und bündig.

Inhaltlich besagt die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe: kein „unbeschränkter Zugang zu den Sakramenten“ für Katholiken in jedweden Lebensumständen; Rücksicht auf Empfindlichkeiten in Pfarrgemeinden; Festhalten an der Lehre der Unauflöslichkeit der Ehe; Ermutigung von wiederverheirateten Geschiedenen zu sexueller Enthaltsamkeit oder einer Teilnahme am kirchlichen Leben ohne Sakramente – und, in Einzelfällen, nach einem „Weg der Unterscheidung“ mit einem Geistlichen, die Möglichkeit, die Hilfe der Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie zu suchen.

Widerspruch zur Lehre?

Das Papstschreiben „Amoris laetitia“ hatte eine innerkirchliche Debatte über den Umgang mit den Themen Ehe und Familie aus. Die Kardinäle Walter Brandmüller und Raymond Leo Burke sowie die mittlerweile verstorbenen Kardinäle Carlo Caffarra und Joachim Meisner baten Franziskus erst persönlich, dann im November vergangenen Jahres öffentlich um Klärungen hinsichtlich der Auslegung und Einordnung von „Amoris laetitia“. Dazu heißt es in der „Correctio“: Der Papst habe sich bislang geweigert, eine „positive Antwort“ auf die von den Kardinälen vorgelegten „Dubia“ zu geben. Burke hatte gesagt, das Papstschreiben widerspreche der katholischen Lehre.

Dies hat Papst Franziskus nun mit seiner lehramtlichen Entscheidung widerlegt.