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Scharfe Kritik an der Kommunikation der Bistumsleitung

Versetzung von Pfarrer Laufmöller: 250 Demonstranten vor dem Dom

  • 250 Menschen haben gegen die Versetzung von Pfarrer Thomas Laufmöller aus der Pfarrei St. Liudger in Münster demonstriert.
  • Redner übten vor dem Paulusdom scharfe Kritik an einer „fehlenden Kommunikation auf Augenhöhe“ mit der Bistumsleitung.
  • Generalvikar Klaus Winterkamp hatte gebeten, wegen der dramatisch ansteigenden Infektionszahlen auf die Demonstration zu verzichten. Aus demselben Grund werde kein Vertreter der Bistumsleitung zur Verfügung stehen.

 

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250 Mitglieder der Pfarrei St. Liudger in Münster habe vor dem Paulusdom gegen das Vorgehen des Bistums bei der Versetzung ihres Pfarrers Thomas Laufmöller demonstriert. Dabei kritisierten die Redner vor allem die Kommunikation über die Personalie, bei der sie sich mit ihrer Position nicht wahr- und ernstgenommen fühlen. Zuvor waren die Teilnehmer mit Transparenten von der St.-Stephanus-Kirche durch die Stadt zum Domplatz gezogen.

„Wir sind kein pöbelnder Mob, wie wir in letzter Zeit oft dargestellt wurden“, sagte Martin Schulte vom Organisationsteam in seiner Ansprache. „Es muss möglich sein, Kritik zu äußern, ohne gleich als diffamierend dargestellt zu werden.“ Die Menschen in der Pfarrei fühlten sich mit ihren Sorgen von der Bistumsleitung allein gelassen, so Schulte. Damit kritisierte er auch das Fernbleiben eines Bistumsvertreters von der Demonstration. Dies mit Vorsichtsmaßnahmen in der derzeitigen Pandemie-Situation zu entschuldigen, empfinde er als „doppelzüngig“ und „diskreditierend“.

Generalvikar signalisiert Gesprächsbereitschaft

In einem Brief hatte sich Generalvikar Klaus Winterkamp zuvor an die Veranstalter gewandt und die Demonstration sowie Diskussion mit einer großen Menschenmenge wegen der massiven Zuspitzung der Corona-Lage als „zu risikoreich“ und „nicht notwendig“ bezeichnet. "Ich bitte Sie auch noch einmal zu überdenken, ob die Demonstration derzeit wirklich stattfinden muss", heißt es in dem Schreiben.

Wegen der dramatisch ansteigenden Infektionszahlen würde kein Vertreter des Bistums bei der Demonstration zur Verfügung stehen. „Meine Bitte mag Ihnen vielleicht vorgeschoben erscheinen“, schrieb Winterkamp. Er sei aber gerne bereit, „zu einem späteren Zeitpunkt über die vielen von Ihnen auf die Agenda gesetzten – und ohne Zweifel diskussionswürdigen – Fragen mit Ihnen zu reden“.

„Wir stehen vor einem Scherbenhaufen“

Schulte wandte sich in seiner Rede immer wieder direkt an den Bischof, dem er vorwarf, „die Kirche wie eine Firma“ zu führen. „Ihre Struktur darf nicht höher stehen als die Glaubensinhalte und die Menschen.“ Damit bezog er sich auf die Versetzung der beliebten Seelsorgers Laufmöller, die zwar zu einer langjährigen Umstrukturierung der Pfarrgemeinden in Münster gehöre, menschliche Kriterien aber außer achtlasse. „Bewegen Sie unsere Fragen in Ihrem Herzen, Bischof Genn – sonst wenden sich die Menschen von der Kirche ab.“

Messdienerleiterin Birte Koling bezeichnete die ihr fehlenden direkten Gespräche der Bistumsleitung mit der Gemeindebasis als „Zeichen gegen eine junge, funktionierende und lebendige Gemeinde.“ Sie warf dem Bischof fehlendes Einfühlungsvermögen vor. Die Situation lasse verletzte Gläubige zurück. „Es gibt am Ende nur Verlierer – wir stehen vor einem Scherbenhaufen.“ Deswegen sei es jetzt wichtig, die Hintergründe der Versetzung vollständig aufzuklären. „Die wesentliche Frage bleibt für uns weiterhin unbeantwortet: Warum?“

Im Anschluss an die Veranstaltung warfen die Organisatoren die Redemanuskripte in den Briefkasten des Bischofs.

Am vergangenen Wochenende hatte Bischof Felix Genn mit Pfarrer Thomas Laufmöller gesprochen. Zuvor hatten sich Pfarreirat und Pastoralteam der Pfarrei St. Liudger von den Protest-Aktionen distanziert und "Fehlinformationen" und "falsche Behauptungen" sowie persönliche Beleidigungen und Diffamierungen beklagt.

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