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Bistum berichtet: Ehrenamtliche angegriffen - Protestgruppe: Ist uns nicht bekannt

Konflikt in St. Stephanus Münster: Pfarrverwalter Kleymann gibt Amt auf

  • Wegen der sich zuspitzenden Konflikte in der Pfarrei St. Liudger Münster hat Pfarrer Siegfried Kleymann um Entpflichtung als Pfarrverwalter gebeten.
  • Kleymann hatte erst Anfang Januar als Pfarrverwalter begonnen.
  • Hintergrund der Konflikte ist die Versetzung von Pfarrer Thomas Laufmöller, die in der Pfarrei zu heftigen, anhaltenden Auseinandersetzungen geführt hat.
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Siegfried Kleymann (58), seit Anfang Januar Pfarrverwalter der Pfarrei St. Liudger Münster, hat Bischof Felix Genn gebeten, ihn von dieser Aufgabe zu entbinden. Dieser Bitte habe Genn entsprochen und Kleymann gedankt, die schwierige Aufgabe übernommen zu haben, teilt die Bischöfliche Pressestelle mit. Hintergrund sei die erneut zugespitzte Situation in der zu St. Liudger gehörenden Gemeinde St. Stephanus nach der Versetzung von Pfarrer Thomas Laufmöller. 

Die Entpflichtung erfolgt demnach bereits zum 15. März. Kleymann bleibt Pfarrer der Heilig-Kreuz-Pfarrei in Münster. Generalvikar Klaus Winterkamp werde kurzfristig auf die Verantwortlichen der Pfarrei St. Liudger zugehen, um weitere Schritte zu besprechen, heißt es.

Kleymann: Statt Deeskalation zugespitzter Konflikt

Pfarrer Kleymann hat nach Angaben der Pressestelle das Seelsorgeteam der Pfarrei und die Mitglieder des Pfarreirats am 8. März hierüber informiert. In einem Schreiben an die „Mitchristen in der Pfarrei“ betont er demnach, er habe die zusätzliche Aufgabe als Pfarrverwalter in St. Liudger in der Hoffnung übernommen, „deeskalierend wirken und konstruktive Schritte in eine gemeinsame Zukunft begleiten zu können“.

Nach zahlreichen persönlichen Gesprächen und Gremiensitzungen sei er nun aber zur Überzeugung gekommen, dass es ihm angesichts einer sich zuspitzenden Konfliktsituation nicht möglich sei, nebenberuflich diese Aufgabe auszuüben. Mit Rücksicht auf seine Gesundheit und auf seine Hauptaufgabe in Heilig Kreuz habe er daher um Entpflichtung gebeten.

Der Hintergrund

Hintergrund der Konflikte in der Pfarrei ist die Versetzung von Pfarrer Thomas Laufmöller. Die Konflikte hätten sich in den vergangenen Wochen noch zugespitzt, so die Bischöfliche Pressestelle. So habe Laufmöller den Bischof in einer Predigt am 21. Februar unter Bezugnahme auf seine Fürsorgepflicht ihm gegenüber und auf die Entscheidung der Versetzung kritisiert. Die Gruppe, die in der Gemeinde St. Stephanus gegen die Versetzung von Pfarrer Laufmöller ist, hat den Angaben zufolge in einem Offenen Brief unter anderem vom Verdacht von Intrigen als Grund für die Versetzung und von einer angeblich bewussten Einschränkung der Vielfalt in der Pfarrei gesprochen.

Die beiden Vertreterinnen, die die Gemeinde St. Stephanus bisher im Pfarreirat St. Liudger repräsentierten, seien zum Rücktritt aufgefordert worden. In der vergangenen Woche sind sie demnach zurückgetreten.

Winterkamp: Angriffe auf Ehrenamtliche „völlig inakzeptabel“

Generalvikar Winterkamp schließt sich dem Dank des Bischofs an Pfarrer Kleymann an und erklärt: „Ich danke insbesondere auch den zurückgetretenen und aktiven Mitgliedern des Pfarreirates für ihren wichtigen Dienst. Die Zuspitzung des Konfliktes bedauere ich sehr. Unverständnis über und Protest gegen eine Entscheidung sind das eine. Wenn aber derart massiver Druck auf Menschen ausgeübt wird, die anderer Auffassung sind, und wenn mit Unterstellungen und unhaltbaren Vorwürfen argumentiert wird, dann werden Grenzen überschritten.“

Insbesondere die persönlichen Angriffe auf ehrenamtlich in der Pfarrei engagierte Gremienmitglieder seien „völlig inakzeptabel“, stellt Winterkamp klar. „Wir werden kurzfristig mit den Verantwortlichen in der Pfarrei besprechen, wie der Prozess des Zusammenwachsens der vier Gemeinden zu einer Pfarrei in der nächsten Zeit weitergehen kann.“ Das sei zurzeit sicher schwierig. „Aber natürlich wird dabei – wie schon in der Vergangenheit – die Vielfalt der Gemeinden geachtet werden“, betont der Generalvikar.

Die Pfarrei St. Liudger besteht seit 2016 aus den vier zuvor eigenständigen Gemeinden St. Pantaleon Roxel, St. Ludgerus Albachten, St. Anna Mecklenbeck und St. Stephanus Aaseestadt.

Protestgruppe in St. Stephanus reagiert
Die Gruppe „Nicht mit uns“ in St. Stephanus hat den Rücktritt von Pfarrverwalter Siegfried Kleymann bedauert und ihm für seine Arbeit gedankt. Eine Erklärung nennt lobend mehrere Initiativen Kleymanns.

Zugleich schreibt die Gruppe, aus ihrer Sicht sei der „vom Gemeindeausschuss empfohlene“ Rücktritt von Pfarreiratsmitgliedern aus St. Stephanus „für einen Neuanfang unvermeidbar“ gewesen: „Von persönlichen Angriffen ist uns in diesem Zusammenhang nichts bekannt.“ Solche Angriffe benennt Generalvikar Klaus Winterkamp allerdings ausdrücklich.

Die Protestgruppe hält es für einen normalen demokratischen Vorgang, dass „Gremienvertreter*innen zurücktreten, die anderer Auffassung sind als jene, die sie vertreten sollen“. Wie groß der Anteil der Gemeindemitglieder in St. Stephanus und in der Gesamtpfarrei St. Liudger ist, die die Auffassung der Gruppe „Nicht mit uns“ teilen, ist unklar. | Jens Joest, 10. März

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