Mitglieder von St. Stephanus: Die Stimmung ist geladen

Aufruhr in Münster wegen Versetzung von Pfarrer Laufmöller

  • Pastor Thomas Laufmöller soll laut Entscheidung des Bistums Münster die St.-Stephanus-Gemeinde in Münster-Aaseestadt verlassen.
  • Gemeindemitglieder erklären gegenüber „Kirche-und-Leben.de“, diese Entscheidung sei gegen den Willen des Pfarrers und der Gemeinde getroffen worden.
  • Sie reagierten in den Gottesdiensten am Wochenende mit lautstarken Protesten, Unmut, Schock und Enttäuschung.
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Das Gerücht sei seit längerer Zeit im Umlauf gewesen, berichtet Volker Busen: Der beliebte Pfarrer Thomas Laufmöller (56) soll nach 17 Jahren die Gemeinde St. Stephanus in Münsters Aaseestadt verlassen. Nun sei es zur großen Enttäuschung vieler Gemeindemitglieder amtlich. Am vergangenen Wochenende hat der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Generalvikariat, Karl Render, die Entscheidung von Bischof Felix Genn in allen Gemeindegottesdiensten bekanntgegeben. Render las einen dreiseitigen Brief des Bischofs vor und wurde dabei mehrfach von lauten Protestrufen unterbrochen. Von tumultartigen Szenen ist die Rede.

In dem Schreiben teilt der Bischof mit, dass man Laufmöller seit Jahren unterschiedliche Optionen für eine Veränderung aufgezeigt habe. Nun habe man über eine Neubesetzung der Pfarrstelle und seinen zukünftigen Einsatz entschieden. Mit 70 Prozent soll er in der Gesamtschule Friedensschule eingesetzt werden, wo er bereits bislang mit weniger Stunden tätig war. Zu 30 Prozent soll er in St. Nikolaus Münster-Wolbeck arbeiten.

Genn: Emmanuel-Gemeinschaft steckt nicht dahinter

Genn lobte in seinem Brief ausdrücklich die „seelsorgerliche Tätigkeit und das Engagement“ des Pfarrers. Auch wenn es im Pastoralteam gelegentliche Spannungen gegeben habe, sei von dort nicht die Abberufung des Pfarrers betrieben worden.

Damit spielt der Bischof wohl auf Befürchtungen und Gerüchte an, dass die als konservativ geltende Emmanuel-Gemeinschaft hinter der Abberufung steckt. Die Gemeinde St. Stephanus gehört zur Pfarrei St. Liudger, die von Priestern der geistlichen Gemeinschaft geführt wird. „Was die Fragen und Spekulationen hinsichtlich der frei werdenden Pfarrstelle betrifft, wird es keine Wiederbesetzung durch einen Priester der Gemeinschaft Emmanuel geben“, ließ Genn durch Render verlautbaren. 

„Die Stimmung ist geladen“, beschreibt Gemeindemitglied Volker Busen. Während der Verkündigung in den drei Wochenend-Gottesdiensten seien junge Familien mit Protestschildern aufgetreten. Viele hätten im Anschluss an die Messe ihren Unmut am Mikrofon geäußert. Es ärgere ihn und viele andere, dass die Entscheidung gegen den Willen Laufmöllers und ohne Beteiligung der Gemeindemitglieder gefallen sei. Das zeuge nicht von einem demokratischen Umgang des Bischofs mit den Menschen. Die Katholische Frauengemeinschaft (KFD) habe im Vorfeld der Gerüchte innerhalb von drei Tagen fast 1.000 Unterschriften für den Verbleib des beliebten Pfarrers gesammelt. Busen bezeichnete den Umgang mit dem Seelsorger als „grottenschlecht“.

1.000 Unterschriften für den Verbleib Laufmöllers

Laufmöller habe Tränen in den Augen gehabt. Ihm sei von Menschen in und vor der Kirche Trost zugesprochen worden. Der Pfarrer habe eine außergewöhnliche Fähigkeit, Menschen anzusprechen, sagte Busen. Er fürchtet nun, dass das bunte und liberale Gemeindeleben „vor die Hunde geht“.  Laufmöller selbst war trotz mehrfacher telefonischer Anfrage für „Kirche-und-Leben.de“ zunächst nicht erreichbar.

Auch für Franz-Egon Humborg ist die „Verfügung“ des Bischofs nicht nachvollziehbar. Damit sei „offensichtlich, dass den unpersönlichen Strukturen in der Kirche Vorrang vor persönlicher Seelsorge eingeräumt wird und dass eine notwendige Kommunikation zwischen Bistumsleitung und den Gläubigen nicht stattfindet“. Aus Enttäuschung darüber beende er seine 16-jährige Tätigkeit als Domführer und im ehrenamtlichen Empfangsdienst des Paulusdoms. Außerdem wolle er dem Bischof einen Brief schreiben.

Schock, Proteste, Enttäuschung

Gemeindemitglied David Hartmann berichtet, er sei „aus allen Wolken gefallen“, als er durch die KFD-Unterschriftensammlung von den sich anbahnenden Ereignissen erfahren habe. Er sei am vergangenen Wochenende in allen drei Gottesdiensten gewesen und habe auch mit seinen Kindern protestiert.

Schockiert habe ihn „die Art und Weise, wie das Bischofsschreiben vorgelesen wurde“. Render habe auf die Protestrufe mit den Worten „dies ist keine Diskussionsveranstaltung“ reagiert. Der Hauptabteilungsleiter war auf Anfrage unserer Redaktion zunächst nicht persönlich erreichbar. 

Hartmann ärgert sich zudem darüber, dass in der Pandemie „Heerscharen von Menschen in die Kirche gezwungen werden, um ihren Protest ausdrücken zu können. Der Pfarrer geht gegen seinen Willen und gegen den Willen der Gemeinde.“ Das sei „unmenschlich“.

„Ein Statement des Bistums gegen St. Stephanus“

Hartmann empfindet den „Vorwurf, dass man um Laufmöller einen Personenkult betreibe“ als unzulässig. Er sehe die Entscheidung stattdessen als klares Statement des Bistums gegen St. Stephanus und den in der Gemeinde gelebten bunten, allumfassenden und integrativen Geist. Dabei habe er nichts gegen die Emmanuel-Gemeinschaft. Er fordere, dass für sie und für die anderen Formen, den Glauben zu leben, Platz sein muss.

Am kommenden Sonntag, 6. Dezember, wollen Gemeindemitglieder nach der 10.30-Uhr-Messe in St. Stephanus auf dem Domplatz in Münster protestieren und den Bischof zur Rücknahme seiner Entscheidung bewegen.

UPDATE: Die geplante Demonstration am 6. Dezember 2020 fällt nach Angaben der Veranstalter aus. | 04.12.2020, 12.30 | mn

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