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Wie solche Segnungen ablaufen und warum sie keine Taufe sind

Segensfeiern für Neugeborene – Seelsorger finden neue Wege

  • In vielen Krankenhäusern gibt es Segensfeiern für Neugeborene.
  • Sie werden bewusst anders gestaltet als Taufen, erreichen damit auch Menschen aller Religionen.
  • In der Corona-Pandemie waren auch hier neue Wege gefragt.
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Es ist in vielen Krankenhäusern - besonders in jenen mit einer christlichen Tradition - ein lieb gewordenes Ritual: Regelmäßig werden dort kleine Segensfeiern für die neugeborenen Kinder und ihre Familien angeboten. Doch auch hier hat die Corona-Pandemie Seelsorgerinnen und Seelsorger gezwungen, neue Wege zu finden, um den Eltern und ihrem Nachwuchs am Anfang des gemeinsamen Lebens auf Wunsch Gottes Zuwendung zuzusprechen.

"Wir mussten im vergangenen Jahr gut sechs Monate ganz auf diese schönen Feiern verzichten", berichtet Diakon Andreas Garthaus, Seelsorger im Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup. Gemeinsam mit der pensionierten, nun ehrenamtlich dort tätigen Pastoralreferentin Mechthild Möller entstand die Idee, die Neugeborenen-Segnungen ganz individuell im Zimmer der Wöchnerin anzubieten.

"Wir gratulieren den frischgebackenen Müttern, bringen ihnen eine farbenfrohe Glückwunschkarte mit und suchen das Gespräch", berichten sie. Dabei haben die Seelsorger nach eigenen Worten die Erfahrung gemacht, dass dies unabhängig von deren religiösen Überzeugungen die Frauen - und ihre Partner - sehr erfreut. "Es kommt nur äußerst selten vor, dass jemand kein Interesse signalisiert."

Nie als Konkurrenz zur Taufe gestaltet

Die Grabstelle auf dem Hiltruper Friedhof, an der mehrmals im Jahr verwaiste Eltern von ihren früh verstorbenen Kindern in einer Segensfeier Abschied nehmen. | Foto: Garthaus
Die Grabstelle auf dem Hiltruper Friedhof, an der mehrmals im Jahr verwaiste Eltern von ihren früh verstorbenen Kindern in einer Segensfeier Abschied nehmen. | Foto: Andreas Garthaus

Rund 800 Kinder kommen jährlich im Herz-Jesu-Krankenhaus auf die Welt. Seit Jahrzehnten war es im bis vor wenigen Jahren von den Hiltruper Missionsschwestern getragenen Haus gute Tradition, einmal wöchentlich die jungen Mütter im Stillzimmer zu versammeln und in einer kleinen Feier die Neugeborenen mit Gebet und Segen zu begrüßen und unter Gottes Schutz zu stellen.

In späteren Jahren freuten sich dann auch Familienangehörige wie Geschwister und Großeltern, in dieser Stunde dabei sein zu können. "Dieses Angebot wurde allerdings nie als Konkurrenz zu einer Tauffeier gestaltet. Wer sein Kind taufen lassen möchte, tut dies zumeist in der Heimatgemeinde auch", so Andreas Garthaus.

Vertrauen und Fingerspitzengefühl

Er hat als Diakon aber auch schon Bitten von Eltern erfüllt, das Neugeborene in der Krankenhauskapelle oder in der jeweiligen Pfarrei zu taufen. "Ein schönes Zeichen, dass man wohl das Vertrauen der Eltern gewinnen konnte."

Vertrauen ist das Stichwort, das Mechthild Möller aufnimmt. "Wir wissen, dass viele Menschen nicht mehr christlich-konfessionell gebunden sind oder auch der Amtskirche kritisch gegenüber stehen. Auch bringen zum Beispiel muslimische Frauen ihre Kinder hier im Krankenhaus zur Welt. Da braucht man Fingerspitzengefühl, wenn es um das Thema Religion oder eben um eine Segnung geht".

Die Eltern können selbst segnen

Doch in den allermeisten Fällen freuen sich die Frauen, wenn ihnen Glückwünsche überbracht werden und sie die persönliche Zuwendung der Krankenhaus-Seelsorger spüren. "So schön eine gemeinsame Feier mit der besonderen Atmosphäre im Kreis vieler Familien ist, so ist dieses individuelle Angebot doch wesentlich niederschwelliger und erreicht sicher manche junge Familie besser", sind Möller und Garthaus nach den bisherigen Erfahrungen überzeugt.

Segnen - also jemandem etwas Gutes zusprechen und ihn durch symbolische Zeichen wie das Handauflegen oder ein Kreuzzeichen unter Gottes Zuwendung stellen - können auch die Eltern selbst ihr Kind. "Gerade in diesen Zeiten, in denen wir  ja die Neugeborenen selbst nicht berühren, ist dies ein oft neuer und wichtiger Anstoß für manche Mütter und Väter", hat Mechthild Möller erlebt.

Segen auch für früh verstorbene Kinder

So sehr der Segen am Beginn eines neuen Lebens auf Glück und eine frohe Zukunft ausgerichtet ist, so wichtig wird er für viele Eltern gerade dann, wenn sich die Hoffnungen nicht erfüllen, die man sich mit einer Schwangerschaft erträumt hatte. "Besonders, wenn ein erwartetes Kind weit vor der Geburt stirbt und unter 500 Gramm wiegt, also nicht der Bestattungspflicht unterliegt, wünschen sich die verwaisten Eltern einen Ort der Trauer." Diakon Garthaus ist es deshalb ein besonderes Anliegen, dass auch noch so kleine Kinder würdig bestattet werden. Dies ist durch die Initiative "Moseskörbchen" seit 2019 möglich.

"An sechs oder sieben Terminen im Jahr gestalten wir auf dem katholischen Friedhof in Hiltrup eine Trauerfeier für die Familien dieser früh verstorbenen Kinder. Dabei spielen weder Kirchenzugehörigkeit, Konfession, Religion noch Weltanschauung eine Rolle", betont Garthaus. Möglich wird diese Initiative, deren Namen an die biblische Geschichte von der Rettung des Säuglings Moses aus einem Schilfkörbchen auf dem Nil erinnert, durch das gemeinsame Vorgehen des Krankenhauses, dessen Förderervereins und der Pfarrei St. Clemens, die die Grabstelle zur Verfügung stellt.

Auch im Trauerfall Gutes zusprechen

Auch an diesem "Trauergarten" mit einer besonderen Stele und stets gepflegtem Blumenschmuck geht es um eine Segensfeier. Sie im "weiten Horizont des christlichen Glaubens" zu gestalten und darin das Abschiednehmen von Wünschen, Hoffnungen und auch einem Stück Zukunft nach dem Verlust eines kleinen Lebens unter Gottes Hand zu stellen und den Trauernden Gutes zuzusprechen, darum bemüht sich die Seelsorge.

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