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In Warendorf übernehmen die Eltern Teile des Taufritus

Wie Taufen in Corona-Zeiten funktionieren

Für Taufen in Corona-Zeiten mussten auch die Verantwortlichen in der St.-Laurentius-Gemeinde in Warendorf umdenken. Der Abstand des Geistlichen zum Täufling ist derzeit möglichst groß. Kirche-und-Leben.de hat eine Tauffeier begleitet.

Die Begrüßung des neuen Christen geschieht mit Distanz, aber nicht weniger herzlich. Für Sam spielt das ohnehin keine Rolle. Der Säugling kennt weder den traditionellen Taufritus, noch weiß er, was Corona ist. „Vielleicht fragt er in ein paar Jahren, wie das damals war“, sagt Sandra Uhlemann, die Mutter des fünf Monate alten Kindes. „Dann erzählen wir ihm, dass es anders war, aber nicht weniger schön.“

Die Pandemie setzt einen neuen Rahmen für den Tauf-Gottesdienst in der St.-Laurentius-Kirche in Warendorf. Die Sitzplätze in den Bänken sind für Verwandte und Freunde gekennzeichnet – der Sicherheitsabstand ist gewährleistet. Vor den Treppen zum Altarraum ist der kleine Tisch mit Wassergefäß und Schale aufgebaut – direkt vor der Bank, in der die kleine Tauf-Familie platznimmt. Dort wird das Sakrament gespendet, nicht am Taufbecken im hinteren Bereich der Kirche – ein Hin und Her der Mitfeiernden soll vermieden werden.

Berührungen sind tabu

„Wir mussten natürlich umdenken“, sagt Diakon Tobias Tiedeken. „An vielen organisatorischen Punkten, aber vor allem beim Taufritus.“ Der ist sonst durch Nähe gekennzeichnet. Das Übergießen mit Wasser, der Segen, die Salbung – all das geschieht eigentlich mit Berührung. Was ins Corona-Zeiten aber tabu ist. In Warendorf haben sich die Verantwortlichen den Ritus deshalb genau angesehen und entschieden, diese Nähe auf das Notwendigste zu reduzieren.

„Entscheidend sind die Taufformel und der Wasserguss“, sagt Tiedeken. „Allein sie bleiben derzeit die Aufgaben von uns Geistlichen.“ Die anderen, so genannten ausdeutenden Riten übernehmen die Eltern: die Salbung mit Chrisam-Öl, das Entzünden der Taufkerze, das Anlegen des Taufgewandes. Auch bei allem anderen kann der wichtige Abstand zwischen Taufkind und Geistlichen gewahrt bleiben, etwa beim Segen durch die Paten oder beim Kreuzzeichen der Eltern auf der Stirn des Täuflings.

Taufe am langen Arm

Für Sam macht das alles keinen Unterschied. Ungewohnt für ihn sind höchstens der kleine Anzug, die Fliege und die Kappe, die er heute trägt. Er fühlt sich sichtlich wohl in der ersten Kirchenbank mit seinen Eltern und seiner dreijährigen Schwester Maya. „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes …“ Die Arme von Diakon Tiedeken und von Vater Manuel Uhlemann sind jetzt lang gestreckt. Dazwischen Sam, der das Weihwasser ohne Protest über seinen Kopf in die kleine Schale perlen lässt. Ebenso lang sind die Arme der Paten, die ihren Platz zwei Bänke dahinter nicht verlassen, um ihren Segen zu spenden.

Geht das alles mit rechten Dingen zu? Ist eine Taufe in dieser Form überhaupt gültig? „Ist sie“, sagt Pfarrer Peter Lenfers. Als nach dem vollständigen Verbot wieder öffentliche Gottesdienste unter den noch gültigen Auflagen möglich wurden, tauschte er sich mit anderen Geistlichen aus, wie Sakramente wieder gespendet werden können – auch das der Taufe. „An der Beschränkung auf die Taufformel und das Übergießen mit Weihwasser bestand kein Zweifel.“

Keine Nottaufe, aber außergewöhnliche Umstände

Lenfers schaut dabei auch auf die Nottaufe, jene Möglichkeit, einem Menschen, der im Sterben liegt, ohne Anwesenheit eines Geistlichen das Tauf-Sakrament zu spenden. „In diesen Situationen darf jeder Christ aktiv werden.“ Zwar bedeutet die Corona-Pandemie keine vergleichbare Not, die Grundaussage aber bleibt für den Pfarrer die gleiche: „Es kommt darauf an, unter außergewöhnlichen Umständen einem Menschen die Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen zu ermöglichen.“

In diesen Tagen spielt es keine Rolle, ob diese Gemeinschaft am Taufbecken zusammenkommt oder aus der Ferne zuschauen muss. Die Situation verliert dabei auch für die Verwandten und Freunde der Familie Uhlemann nicht an Festlichkeit. Als Sam schließlich das Taufkleid angezogen bekommt, sind nur die Paten und die Kinder in den vorderen Bereich der Kirche gekommen. „Lasst uns miteinander singen, loben, danken dem Herrn …“, singen alle mit Begleitung vom Klavier. Nähe und Gemeinschaft in Corona-Zeiten fühlen sich anders an als sonst, aber nicht weniger schön.

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