Wie Wohnungslosenhilfe in Cloppenburg unter Corona-Bedingungen funktioniert

SKFM gibt jungen Männern Starthilfe ins selbstständige Leben

  • 2019 waren mehr als ein Drittel der in Cloppenburg gemeldeten Wohnungslosen unter 27 Jahre alt.
  • Speziell für junge Wohnungslose hat der SKFM Cloppenburg sein unterstützendes Übergangs-Wohnprojekt „Junge Wohngruppe“ gegründet.
  • Die Corona-Pandemie macht die Arbeit mit den Bewohnern derzeit schwieriger als zu normalen Zeiten.
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Man nimmt sie selten wahr. Sie gehören nicht zu den umherziehenden Wohnungslosen, die ab und zu unterwegs mit dem Rad zu sehen sind. Und sie sitzen auch nicht mit einem Bettel-Becher vor sich am Straßenrand. Und dennoch gibt es sie, und zwar auch im Landkreis Cloppenburg: junge Leute ohne Bleibe. Mehr als 260 Wohnungslose verzeichnete allein die Stadt Cloppenburg 2019. Mehr als ein Drittel von ihnen war zwischen 18 und 27 Jahren.

Anna-Maria Thölken beschreibt typische Fälle: „Sie haben die Schule abgebrochen, keine Lehrstelle, sind ohne Arbeit“, sagt die pädagogische Mitarbeiterin des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Cloppenburg. Und irgendwann haben ihr verzweifelten Eltern sie vor die Tür gesetzt, etwa, wenn Drogen ins Spiel kommen. „Weil sie sich nicht mehr anders zu helfen wissen“, sagt Anna-Maria Thölken. Die meisten der jungen Männer stammten aus ganz normalen, bürgerlichen Elternhäusern. „Und die überforderten Eltern sagen: Wir können nicht mehr.“

„Sofa-Hopping“ statt Leben auf der Straße

Anna-Maria Thölken ist pädagogische Mitarbeiterin beim SKFM.
Anna-Maria Thölken ist pädagogische Mitarbeiterin beim SKFM. | Foto: privat

Ihre Söhne landeten dann aber nicht gleich auf der Straße oder schliefen unter der Brücke, erklärt die studierte Gerontologin. „Sie kommen oft bei Freunden unter, mal ein paar Tage bei diesem, dann bei jenem.“ Eine Zeitlang gehe das oft auch gut. „Sofa-Hopping“ nennen die Pädagogen dieses Phänomen. „Aber irgendwann wollen die Freunde und Bekannten das auch nicht mehr.“ Ein Dauerzustand sei diese Art Übergangsleben jedenfalls nicht. Aber da von selbst wieder herauszukommen – das schafften eben nicht alle.

Der SKFM ist zuständig für die Wohnungslosenhilfe im gesamten Kreis Cloppenburg. Dem Team der Beratungsstelle war die in den vergangenen Jahren gewachsene Not junger Männer unter anderem beim Postadressen-Angebot aufgefallen. Menschen ohne Wohnung können sich ihre Briefe in die SKFM-Niederlassung schicken lassen. So eine Adresse brauchen sie, wenn es um Sozialleistungen geht, etwa vom Jobcenter. „In unserer Statistik sahen wir, dass auch hier im ländlichen Cloppenburg viele junge Männer dieses Angebot nutzten“, erklärt Anna-Maria Thölken.

Wohngruppe gibt Starthilfe ins eigenständige Leben

Der Sozialdienst hat deshalb 2019 ein eigenes Projekt speziell für diese junge Klientel gestartet. In einem eigens dafür errichteten Gebäude gegenüber der allgemeinen SKFM-Anlaufstelle ist in einer Wohngemeinschaft Platz für insgesamt vier junge Männer. Von so einer festen Bleibe aus sollen sie mit pädagogischer Unterstützung lernen, wieder auf die Beine zu kommen und ein selbständiges Leben zu führen.

Was ist die besondere Herausforderung in der Arbeit mit den jungen Bewohnern? Anna-Maria Thölken: „Viele sind sehr misstrauisch, haben schlechte Erfahrungen mit Einrichtungen und Ämtern und das Vertrauen verloren.“ Oft dauere es ein halbes oder ein ganzes Jahr, bis überhaupt erst einmal eine Chance bestehe, wieder mit ihnen zu arbeiten und sie nach und nach an ein eigenständiges Leben heranzuführen. Deshalb gibt der SKFM auch keine Höchstdauer für die Unterbringung vor. Dafür gibt es aber auch Erfolgserlebnisse. Einige Bewohner hätten es mittlerweile geschafft, haben eine eigene Wohnung und Arbeit gefunden, lebten mittlerweile selbständig.

Corona macht die Arbeit schwieriger

Corona macht auch diese Arbeit schwieriger. „Unsere gesamten Gemeinschaftsaktivitäten fallen flach“, sagt die pädagogische Mitarbeiterin. Etwa, wenn es darum gehe, die Bewohner zum Arzt oder zu Ämtern zu begleiten oder mit ihnen zum Einkaufen zu gehen. Dabei wären genau solche Alltagsdinge so wichtig für die jungen Männer, die derzeit in der „Jungen Wohngruppe“ des SKFM leben. „Aber die Infektionsgefahr ist zu groß. Und damit verbunden, das Risiko, die gesamte Obdachlosenarbeit schließen zu müssen.“

Der SKFM Cloppenburg übernimmt neben dem Wohnprojekt für Jüngere Erstberatung für Wohnungslose, bietet seit 1986 einen Tagesaufenthalt und vier Übernachtungsplätze für Durchreisende und dazu weitere Übergangswohnungen für alleinstehende Wohnungslose an.

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