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Synodalversammlung will Vorbereitung für einen Synodalen Rat

Synodaler Weg: Bischöfe und Laien wollen verbindlicher zusammenarbeiten

  • Die Synodalversammlung will eine Verstetigung von Synodalität durch ein neues Spitzen-Gremium.
  • Mit 93 Prozent stimmten die Delegierten für die Gründung eines "Synodalen Ausschusses".
  • Er soll einen permanenten "Synodalen Rat" aus Bischöfen und anderen Gläubigen auf den Weg bringen.
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Die Synodalversammlung will eine Verstetigung der synodalen Beratung und Entscheidungsfindung von Bischöfen und allen Gläubigen durch ein neues Spitzen-Gremium. Ursprünglich stand dafür die Einführung eines "Synodalen Rats" zur Abstimmung - bestehend aus den 27 Diözesanbischöfen, 27 Mitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und 20 weiteren Personen.

Nach Bedenken mehrerer Bischöfe vor allem die Autorität, die Aufgaben und die Zusammensetzung eines solchen Rats betreffend, stand am Samstagvormittag die Einrichtung eines "Synodalen Ausschusses" zur Anbahnung eines solchen Rats zur Abstimmung. Für die entsprechende Änderung des Textes brachte Fuldas Bischof Michael Gerber einen Antrag ein, der mit 95 Prozent angenommen wurde.

Erneute Unterbrechung für getrennte Beratungen

Nach einer erneut mehr als anderthalbstündigen Debatte stimmten die Delegierten schließlich final für den überarbeiteten Handlungstext: 93 Prozent der gesamten Synodalversammlung votierten dafür, sieben Prozent dagegen. Die Bischöfe stimmten mit 88 Prozent dafür, 12 Prozent dagegen.

Nach einer lebendigen, konzentrierten und in großen Teilen respektvollen Debatte hatte Bischof Georg Bätzing gleichwohl erneut die Unterbrechung der Sitzung beantragt, damit sich die Bischöfe intern vor der Abstimmung beraten können.

Diesmal allerdings gab es eine Gegenrede des BDKJ-Vorsitzenden Gregor Podschun. Er betonte, dass solche Beratungen im Plenum stattfinden sollten und die Bischöfe genug Gelegenheit zur Diskussion unter sich hätten haben können. Gleichzeitig werde etwa die Debatte über den "Umgang mit geschlechter Vielfalt" vertagt - "und das nach dem Desaster vom Donnerstag". Dabei war das Grundlagenpapier zu einer Reform der Sexuallehre trotz 81-prozentiger Zustimmung der Synodalversammlung an der versagten Zweidrittelmehrheit der Bischöfe gescheitert.

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken rief seine Mitglieder zu internen Beratungen zusammen.

So verlief die Generaldebatte

In der vorangegangenen Generaldebatte betonte etwa der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, es gebe keinen Weg an Synodalität vorbei. "Die Zukunft der Kirche kann nicht nicht-synodal sein", betonte er.

Dorothea Schmidt von der konservativen Gruppe "Maria 1.0" kritisierte, die Pläne griffen unerlaubterweise in die "episkopale Verfassung der Kirche" ein und seien ein "No-Go". Die Bischöfe schafften sich "faktisch selbst ab": "Damit wird dem Bischofsamt das Genick gebrochen."

Dem widersprach Münsters Bischof Felix Genn. "Ich sehe in dem Text keine Entmachtung meines bischöflichen Dienstes." Er berichtete von vielen guten Erfahrungen mit Synodalität im Bistum Münster, auch wenn es immer noch Verbesserungsbedarf gebe. "Ich kann es mir gar nicht anders vorstellen, als dass wir synodal in der Kirche arbeiten", sagte Genn.

Hanke: Sagen Sie, wenn Sie mich nicht hier haben wollen

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke kündigte hingegen an, gegen das Dokument zu votieren. Ihm fehle darin eine "theologische Abklärung" verschiedener Fragen, etwa zum Bischofsamt. Zugleich verwahrte er sich gegen Kritik an seinen Positionen. Er wisse, dass er für manche in der Synodalversammlung "unangenehm" sei: "Bitte sagen Sie mir offen und ehrlich, wenn Sie mich nicht hier dabei haben wollen. Das vertrage ich."

Auf die Wichtigkeit von Synodalität für den Papst wies Kardinal Reinhard Marx hin. Franziskus habe damit etwas völlig Neues, aber auch Unbekanntes begonnen. So viel aber sei klar: "Synodalität heißt nicht: Alle reden, wenige beraten, einer entscheidet." Die Kirche in Deutschland sei mit dem vorliegenden Papier auf dem Weg, Episkopalität und Synodalität zusammenzubringen.

BDKJ: Bitte 30 Prozent unter 30

Dem widersprach sein Regensburger Mitbruder Rudolf Voderholzer deutlich. Die deutschen Pläne entsprächen nicht den Vorstellung des Papstes. "Synodalität heißt: geschützter Raum, kein Druck durch Öffentlichkeit und Medien, kein Parlament." Die Bischöfe dürften ihrer Verantwortung nicht ausweichen. Franziskus wolle keine neuen Strukturen, betonte Voderholzer.

Über die strategischen Überlegungen hinaus formulierten manche Delegierten ihre Erwartungen an die Zusammensetzung des Gremiums. So müssten etwas mindestens 30 Prozent von ihnen unter 30 Jahre alt sein, forderte der BDKJ-Vorsitzende Gregor Podschun. Juliane Eckstein äußerte die Erwartung, dass mindestens zwei von Missbrauch Betroffene Teil des Gremiums sind.

Pfarrer Michael Müller aus dem Bistum Fulda rief dazu auf, auch Vertreter und Vertreterinnen der Priester, Diakone und Pastoralreferentinnen zu berücksichtigen. Und der Kölner Weihbischof Ansgar Puff wünscht sich, dass nicht nur Diözesanbischöfe dem Gremium angehören.

Hier und da wurde gefragt, in welchem Verhältnis ein Synodaler Rat zu den bestehenden Gremien wie der Bischofskonferenz, dem Ständigen Rat der Diözesanbischöfe, der Gemeinsamen Konferenz von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) stehen soll. Einige Delegierte betrachteten einen Synodalen Rat als Ablösung der Gemeinsamen Konferenz. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp machte klar, dass der Beschluss auch das ZdK verändern werde - "dieser Herausforderung will ich mich gern stellen".

Bischof Dieser: Hirten und Volk entfernen sich zunehmend

Großen Applaus erhielt der Aachener Bischof Helmut Dieser für sein Statement gegen Ende der Debatte. Er nehme eine "wachsende Entfernung zwischen Hirten und Volk, zwischen uns Bischöfen und den Gläubigen" wahr, was ihn mit großer Sorge erfülle. Die Krise des Bischofsamts, die die gesamte Kirche betreffe, nannte er "dramatisch". Ein Synodaler Rat sei die Chance, "nicht weiter in diesen Spalt zwischen uns zu geraten, sondern das Miteinander zu üben".

Er habe sich selber immer für einen eher konservativen Menschen gehalten, bekannte Dieser. "Wir brauchen diese konservative Seite, die zum Leuchten bringt, was bisher gut war und gegolten hat." Er sei aber alarmiert darüber, dass "die konservative Seite hier ihre Sache nicht gut macht".  Bischof Dieser monierte: "Polemik, selbstreferentielle Klage, Verzögerung und Vertagung - das genügt nicht."

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