Leitartikel zur vierten Synodalversammlung von Chefredakteur Markus Nolte

Synodaler Weg: Die ewige Langmut der Laien rettet die Bischöfe

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Nach drei anstrengenden Tagen ist die vierte Synodalversammlung in Frankfurt zu Ende gegangen. Sie begann mit einem Eklat und endete - tja, womit? Ein Leitartikel von Chefredakteur Markus Nolte.

Um ein Haar wäre es das gewesen mit dem Synodalen Weg. Die offenbar ewige Langmut der Laien hat ihn gerettet, wieder einmal. Gleich am ersten Tag, nach der skandalös gescheiterten Abstimmung ausgerechnet über eine Reform der katholischen Sexualmoral.

83 Prozent der Delegierten hatten zugestimmt – doch weil die notwendige Zweidrittel-Mehrheit der Bischöfe nicht erreicht wurde, fiel dieses so wichtige und weitreichende Grundlagendokument durch. Ohne die Langmut der Laien sähe das so aus: Zehn Prozent der Delegierten – die mit Nein stimmenden Bischöfe – können ein 83-prozentiges Ja zunichte machen. Mit Demokratie hat das null zu tun. Was das mit Synodalität zu hat, müssen wir Laien wahrscheinlich noch lernen.

Bischöfe unter Druck und Bitte um Entschleunigung

Die Langmut der Laien wurde während der dreitägigen Beratungen noch mehrfach benötigt. Insgesamt vier Mal brauchten die Bischöfe Zeit für sich – unter sich, genauer gesagt, im geschützten Raum. Offenbar bestand die reelle Gefahr, dass sich der Eklat vom Donnerstag wiederholen würde: Beim Papier über die Frauen und die Öffnung des geistlichen Amtes für sie. Beim Text über eine Neubewertung der Homosexualität. Beim Dokument über die Einführung eines Synodalen Rats. Das alles nach zwei Jahren Beratungen, Hearings, Forumsarbeit und sechs Vollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz. Die Laien räumten ihnen das ein.

Die Langmut der Laien wurde auch gebraucht, wenn sich der eine oder andere Bischof etwas scharf geratene Töne verbat. Wenn der eine oder andere Bischof sich „massiert“ fühlte, einem Druck ausgesetzt, den er nur schwer ertrage. Wenn der eine oder andere Bischof Spitzentheologinnen und -theologen mangelnde theologische Tiefe oder Reife attestierte.

Die erstaunlichste Leistung der Laien

Manchmal – und genau gesagt gar nicht so selten – war auch die Langmut der Bischöfe gefragt. Dann nämlich, wenn ihnen Mitbrüder in geradezu erschütternder Transparenz und Schlichtheit attestierten, nicht mehr auf dem Boden kirchlicher Lehre und Tradition zu stehen.

Die Langmut der Laien jedoch erwies sich an einem Punkt ganz besonders unerschütterlich – nämlich da, wo die Bischöfe Entschleunigung, mehr Zeit reklamierten. Diese Leistung der Laien ist die erstaunlichste! Zur Erinnerung: Vor zwölf Jahren wurde der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland öffentlich. Vor sieben Jahren hat Papst Franziskus Synodalität als Grundprinzip einer Kirche des dritten Jahrtausends proklamiert. Vor vier Jahren erschien die MHG-Studie. Vor drei Jahren begann der Synodale Weg. Seitdem sind alle wichtigen Texte kommentierbar, veränderbar und vor allem: zu lesen. Wer jetzt mehr Zeit braucht, muss erklären, warum er erst jetzt zu arbeiten beginnt.

Wo die alte Macht gewinnt

Doch selbst das hält die ewige Langmut der Laien aus. Sie hält auch aus, dass das Frauen-Papier jetzt kein Statement mit Forderung nach Ämteröffnung ist, sondern eine Diskussionsgrundlage für die Weltkirche. Weil es sonst zu schnell geht. Sie hält es aus, dass ein Synodaler Rat in einem Synodalen Ausschuss angebahnt werden muss. Weil es sonst zu schnell geht.

Hier aber endet das Hohelied auf die Langmut der Laien. Längst nämlich bleiben Menschen auf der Strecke, werden wieder und wieder verletzt. Wo Langmut zudem falsche Rücksichtnahme oder Feigheit oder falsches Spiel ummäntelt, lässt sie sich ausnutzen. Und die alte Macht gewinnt. Es ist an den Bischöfen, die Langmut der Laien nicht länger zu strapazieren. Wer von einem Lernpozess Synodalität spricht, muss auch seine Hausaufgaben machen.