27. Klimakonferenz startet am Sonntag in Ägypten

Umweltbischof: Klimagipfel zur rechten Zeit - Nein zu Extremprotesten

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Im ägyptischen Scharm el-Scheich beginnt am Sonntag die 27. Klimakonferenz. Im Vorfeld sprach die Katholische Nachrichten-Agentur mit dem Umwelt- und Klimabeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Rolf Lohmann aus Xanten, über Erwartungen, Klima-Proteste und den Einfluss von Religionsvertretern.

Weihbischof Lohmann, angesichts alarmierender Klimaberichte und energiepolitischer Entwicklungen: Mit welchen Gefühlen schauen Sie nach Scharm el-Scheich?

Die Konferenz kommt auf jeden Fall zur rechten Zeit. In der aktuellen Energiekrise, die uns alle betrifft, ist Klimaschutz in den Hintergrund geraten. Das Thema muss international wieder auf die Tagesordnung. Klimaschutz ist existenziell und geht alle an. Da diese Konferenz in Ägypten stattfindet, kann die Perspektive des Globalen Südens wirksamer eingebracht werden. Vielleicht kann so auch die weltweite Solidarität mit jenen gestärkt werden, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, aber am stärksten darunter leiden.

Vor dem letzten Klimagipfel in Glasgow haben Vertreter aller Weltreligionen gemeinsam mit dem Papst und führenden Klimaforschern dem damaligen Konferenzvorsitzenden einen dringenden Appell überreicht. Welchen Einfluss haben Religionen in der Klimadebatte tatsächlich?

Religionsvertreter können die spirituelle Dimension unserer Verantwortung für die Schöpfung stärken. Im interreligiösen Dialog können sie verdeutlichen, dass Verantwortung für die Schöpfung ein Thema für alle Religionen ist, können moralische Werte und Spiritualität als Ansporn im Kampf gegen den Klimawandel herausstellen, etwa Gerechtigkeit und Solidarität. Religionen können weltweite Perspektiven betonen und eigene Erfahrungen aus weltkirchlicher Zusammenarbeit einbringen.

Bewirken diese Appelle tatsächlich etwas? Haben Sie Beispiele?

Die Umwelt- und Sozialenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus etwa wird gerade im öffentlichen und politischen Raum stark rezipiert. Im Gespräch mit Politikern oder mit Vertretern von „Fridays for Future“ höre ich immer wieder Zitate aus der Enzyklika und merke, dass sie dort stark rezipiert wird. Daher hoffe ich schon, dass dies etwas bewirkt.

Protest gegen ungenügende und verschleppte Maßnahmen wird von manchen zunehmend schärfer formuliert, zuletzt mit Attacken auf Kunstwerke, Behinderung des öffentlichen Verkehrs. Inwieweit sind solche Aktionen von Gruppen wie „Last Generation“ legitim?

Deren Anliegen, sich für schnellen und wirksamen Klimaschutz einzusetzen, ist richtig. Die gewählten Mittel extremer Protestformen sind von meiner Seite aus nicht gutzuheißen. Sie fördern Gegeneinander, Spaltung und Polarisierung. Natürlich ist es in einer Demokratie erlaubt, auf Missstände aufmerksam zu machen. Die Mittel dafür müssen sich im rechtsstaatlichen Rahmen bewegen. Ich habe bei manchen Aktionen von „Fridays for Future“ mitgemacht. Das waren starke und klare Demonstrationen und Inhalte, aber Grenzen wie zuletzt wurden dabei nie überschritten.

Angesichts des tatsächlichen Verhaltens führender Politiker und Wirtschaftsunternehmen: Beschleicht Sie mitunter das Gefühl, dass diese Leute sich innerlich damit abgefunden haben, verbrannte Erde zu hinterlassen?

Jeder Mensch kann durch seinen persönlichen Lebensstil bei Ernährung und Mobilität einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Klimabewegung hatte in den letzten Jahren großen Anteil, das Thema in der Mitte der Bevölkerung zu verankern. Nur so sind auch politische Entscheidungen möglich und mehrheitsfähig. Bewusstseinsbildung fängt im Kleinen an.

Natur- und Technikwissenschaften sind ebenso wie Sozial- und Geisteswissenschaften gefordert, je spezifische Beiträge für einen wirksamen Wandel beizusteuern. Verbraucher, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, bringen Unternehmen dazu, entsprechende Produkte anzubieten und ihre Versprechen auch einzuhalten. Es braucht ein Zusammenspiel aller.

Inwieweit ist es ein Problem, dass ein Gastgeberland wie Ägypten selbst Klimaaktivisten unterdrückt, schikaniert oder verbietet?

Das ist fatal. Es ist wichtig, dass in der global verflochtenen Welt alle gehört werden. Wir müssen unsere Stimme erheben, dass auch Klimaaktivisten zu Wort kommen. Das hat mit Menschenrechten zu tun; die müssen eingehalten werden. Diskussionsbeiträge sind wichtig, Unterdrückung immer schlecht.

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