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Priester zwischen Anspruch, Realität und Zukunft - Diskussion in der Akademie Stapelfeld

Weihbischof Theising: Ich bin nicht der absolute Zölibats-Verteidiger

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Sind Priester ein "Auslaufmodell", wie Akademieleiter Marc Röbel fragte? Weihbischof Wilfried Theising, die Theologin Margret Nemann, eine Mutter und Katechetin und ein Priesteramtskandidat haben sich ­­der Frage gestellt, ob und wenn ja welche Priester wir brauchen – bei einer Podiumsdiskussion der Katholischen Akademie Stapelfeld in Cloppenburg.

„Man hat Dinge von uns erwartet, die wir noch gar nicht konnten.“ Weihbischof Wilfried Thei­sing erzählt freimütig, wie er es als junger Diakon erlebt hat, mit einem übersteigerten Ansehen als Kleriker konfrontiert zu werden. „Predigen zum Beispiel: Was kann ich als 25-Jähriger den Leuten sagen? Ich hatte riesigen Bammel und mächtig Respekt vor dem hohen Anspruch.“

Er sei doch immer er selbst geblieben, als er Pf­arrer, dann Weihbischof und schließlich Offizial wurde. Sicherlich seien das große Schritte gewesen, „aber die Menschen sehen einen eben doch auch als Person verändert“.

„Die Skepsis tut richtig weh“

Etwa so: Petra Brokamp, Schulleiterin, Familienfrau und Katechetin in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung, zeichnet ihr Pries­terbild. Wie sie sich vom sterbenden Vater einer Freundin an dessen Bett verabschiedet hat, indem sie ihm ein Kreuzzeichen auf die Stirn zeichnete. Auch ein Vaterunser hat sie gesprochen und eine Fürbitte. Aber sie erzählt auch, wie wichtig es für sie war, dass ein Priester ins Haus kam: „Das war ein anderer Segen, der Segen von oben. Meine Beziehung zum Herrn ist nicht so tiefgründig wie die des Pries­ters.“

Und wie sieht sich einer, der die Weihe noch vor sich hat? Jan-Hendrik Mönch, einer der insgesamt nur noch drei Priesteramts­kandidaten des Bistums Müns­ter, sagt: „Ich will kein erhöhtes Selbst erfahren, wenn ich Priester bin, ich möchte den Menschen dienen, so abgegriffen das klingt.“ Und: „Die Skepsis, die uns auch aus den Gemeinden entgegenschlägt, tut richtig weh.“

Wie soll ein Priester sein?

An diesem Abend in der Katholischen Akademie Stapelfeld ist von Skepsis wenig zu spüren: Ja, natürlich solle und müsse es Priester geben in der katholischen Kirche. Da sind sich alle einig – auf dem Podium wie im Publikum. Aber die Fragen danach, wie ein Pries­ter sein soll, ob dazu der Zölibat gehören muss, ob das nur ein Mann sein kann, welche Verantwortung damit verbunden sein soll – diese Frage beschäftigt sie wie auch den Synodalen Weg.

„Priesterliche Existenz“ heißt dort das Themen-Forum, das von Münsters Bischof Felix Genn geleitet wird und dem auch Theising angehört. In Stapelfeld ist der Forumsname um eine Frage ergänzt: „Ein Modell von gestern?“

Theising: Herausforderung, keine Nachkommen zu haben

Immer mehr bejahen diese Frage, wenn es um den Zölibat geht. Der Weihbischof bekennt: „Für mich ist es bis heute eine Herausforderung zu akzeptieren, nicht in einer Beziehung zu leben und vor allem: keine Nachkommen zu haben.“ Er sei „nicht der absolute Verteidiger des Zölibats“, verwahrt sich aber gegen den Vorwurf, mit dem Zölibat „sei alles Schlechte in die Kirche gekommen“. 

Jan-Hendrik Mönch sieht seine 29 Jahre als „eine gute Zeit, um eine Lebensentscheidung für den Zölibat zu treffen“. Um ihn zu leben, brauche es „gute Freundschaften und Rückhalt in der Familie“.

„Idealisierung nur einer Sichtweise“

Theising wiederum hält diesen Verzicht womöglich für „gar nicht so unmodern, wenn ich sehe, wie viele Unverheiratete und Singles es gibt“. Zugleich fragt er, ob es nicht beides geben könnte – sowohl zölibatäre als auch verheiratete Priester. Er warnt vor der „Idealisierung nur einer Sichtweise“.

Daher sei es beim Synodalen Weg „sinnvoll, von Grund auf zu fragen, ob wir Priester brauchen. Ich glaube nicht, dass wir am Ende sagen: Wir brauchen keine Priester. Aber die Diskussion darüber kann dazu beitragen, Pries­tersein besser zu verstehen.“

Nemann: Gefährliche Tendenzen

Weiterhin bedrohliche Tendenzen sieht die Theologin Margret Nemann – trotz klarer Erkenntnisse der MHG-Missbrauchs-Studie: Die langjährige Leiterin des „Instituts für Diakonat und pas­torale Dienste“ in Münster nimmt gerade bei jungen Pries­tern und Kandidaten eine Tendenz wahr, an alten, klerikalen Rollenbildern festzuhalten. „Diese Haltung der Abschottung ist für eine Kirche, die innerkirchlich und nach außen auf Dialog setzt, sehr gefährlich“, warnt sie: „Dieses Standesbewusstsein ist nicht überwunden.“

Nemanns Position ist indes klar: „Erst kommt die priesterliche Würde aller Getauften. Dann erst kommt das Amt.“ Und: „Einerseits betont die Kirche zurecht die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt, andererseits haben wir keine Menschen mehr, die dieser Feier vorstehen.“ Die Konsequenz liegt für Nemann auf der Hand: „Wir müssen uns vom rein männlichen und zölibatären Zugangsweg zum Priestertum verabschieden.“

Damit nicht genug. Es gelte auch zu fragen: „Welche Dienstämter braucht die Kirche in dieser Zeit und in dieser Gesellschaft, um die Frohe Botschaft allen Menschen nahezubringen?“

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