Bei der Nachtwache beeindruckt die Atmosphäre

1,5 Millionen Menschen bei WJT-Vigil – und plötzlich wird es ganz still

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Die Vigil ist ein Höhepunkt des Weltjugendtages in Lissabon. Bis zu 1,5 Millionen Pilger sind auf das Gelände gekommen. Eine Reportage aus dem Tejo-Park im Norden der portugiesischen Hauptstadt.

Plötzlich ist es still, völlig still, nur noch das Zirpen der Grillen und in der Ferne der Straßenlärm ist zu hören. Wirklich beeindruckend, wie bis zu 1,5 Millionen zumeist junge Menschen es schaffen, diese Stille beizubehalten. Zu beobachten war diese Szenerie bei der Vigil, der Nachtwache, mit Papst Franziskus am Samstagabend – neben der Abschlussmesse des Weltjugendtags in Lissabon einer der Höhepunkte.

Der Weg in den Tejo-Park am Ufer des gleichnamigen Flusses war für viele lang, anstrengend und teilweise durchaus beschwerlich. Nach langen, intensiven Tagen davor, wo es zum Beispiel bei den Katechesen oder auch dem Frage-Antwort-Format „Ask the bishop“ im deutschen Pilgerzentrum vielfach inhaltlich ans Eingemachte ging, machten sich Teilnehmenden am Samstagvormittag auf den Weg zum Gelände der Abschlussveranstaltung dieses Jugendtreffens.

Münsteraner Gruppen werden teilweise getrennt

Auch die gut 200 jungen Menschen aus dem Bistum Münster packten ihr Marschgepäck, Isomatte und Schlafsack inklusive, und gingen los. Kleinere Gruppen starteten schon früher, viele gingen gemeinsam einen neun Kilometer langen Fußweg von der Gruppenunterkunft bis zum Park. Das Feld war in riesige Rechtecke aufgeteilt. Jeder Pilgernde hatte auf seinem Ausweis einen Buchstaben von A bis C mit einer jeweiligen Nummer aufgedruckt. Für Münster stand A24 drauf.

Mit der Öffnung der Tore strömten die ersten Menschen auf das Feld. Auch die Ochtruper Gruppe gehörte zu den ersten Leuten auf dem zugeteilten Feld und suchte sich einen Platz nahe der Wasserstelle aus. Das war durchaus klug bei Temperaturen von bis zu 35 Grad am Samstag. Weniger Glück hatten nachfolgende Gruppen aus Münster. Sie wurden teilweise getrennt, der Einlass zwischenzeitlich gestoppt, weil das gut 7.000 Gäste fassende Feld schon überfüllt schien. Da flachte die Stimmung, wusste Maximiliane Decker vom Organisationsteam zu berichten, rapide ab.

Ist das WJT-Gelände groß genug?

Bei einem Gang über das Gelände drängte sich der Eindruck auf, dass die Dimensionen der Felder und Wege nicht ganz zur stark angestiegenen Teilnehmendenzahl passten. Waren es beim Eröffnungsgottesdienst am Dienstag nur 250.000 gewesen, gehen die Veranstalter von einer Versechsfachung am Samstag und Sonntag aus. Hätte da nachgebessert werden müssen?

Doch als die Sonne langsam am Horizont verschwand und die Schlafplätze eingerichtet waren, kehrte die gute Laune bei den Teilnehmenden zurück. Mal müde, mal hellwach, schienen die meisten auf ihre Art zufrieden mit dieser großen Reise zu sein. In den Momenten der Stille während der Vigil, auch eucharistische Anbetung genannt, war es an der Zeit, auf die vergangenen Tage zurückzublicken.

Beeindruckt von portugiesischer Gastfreundschaft

Luis Hechler aus Marl zeigt sich tief bewegt von den Tagen in Portugal. Insbesondere die Tage der Begegnung im Bistum Vila Real seien eine tolle Erfahrung gewesen. Auch in Lissabon habe er viele neue Leute kennengelernt. Und immer wieder kommt bei ihm diese enorme Gastfreundschaft in diesem Land zur Sprache, die sein Bild Portugals offenbar prägen wird. Jetzt allerdings legt er sich erstmal auf seine Luftmatratze, die die Reisestrapazen leider nicht ohne Loch überstanden hat.

Diese Herzlichkeit der Portugiesen kann Philipp Nienhaus aus Metelen nur bestätigen. „Ich bin ohne große Erwartungen mitgefahren und bin jetzt einfach nur begeistert, sagt er. Seine Gastfamilie sei sehr herzlich gewesen, „am Ende sind Tränen geflossen“, so Nienhaus. Und schon wird es wieder still auf dem Feld. Papst Franziskus setzt zur Ansprache an.

Schlafen bei mehr als 20 Grad

Der Pontifex hält an diesem Abend eine launige Rede, in der er die Freude, im spanischen Original „Alegría“, hervorhebt. So sei die christliche Botschaft voll von Freude, auch wenn diese Freude auch mal nachlassen könne. Dann gehe es immer wieder darum, die Freude neu einzuüben, so der Papst.

Die eucharistische Anbetung mit der Abwechslung von Stille, Gebet und Musik dauert gut 90 Minuten. Das Tageslicht ist bereits verschwunden, als sich die ersten Pilgernden bei mehr als 20 Grad Außentemperatur bettfertig machen. Frieren werden sie nicht, ist aus der Drensteinfurter Gruppe zu hören. Hoffentlich werden sie ein bisschen schlafen können, um hellwach die Abschlussmesse genießen zu können, bevor es am Montag zurück nach Deutschland geht.