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Wie katholische Bildungshäuser mit der Corona-Krise umgehen

Akademie Stapelfeld sendet „Lebenszeichen“ per Video

Wegen des Corona-Virus suchen die geschlossenen Bildungshäuser des Bistums Münster im Internet nach neuen Wegen zu ihren Gästen. Die Akademie Stapelfeld hat einen Videoblog gestartet, das Franz-Hitze-Haus bietet ein Web-Seminar über "Gott und das Virus" an.

Martin Feltes empfindet die Atmosphäre zurzeit als „regelrecht gespenstisch“. Der pädagogische Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld bei Cloppenburg hat in seinem Haus seit dem 17. März keine Besucher mehr gesehen. In einem Haus, in das im Jahr sonst zehntausende Gäste kommen. Jetzt ist die zentrale Bildungseinrichtung der oldenburgischen Kirche geschlossen, auf behördliche Anordnung, um eine Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Alle Seminare und Tagungen sind abgesagt.

Ein Haus wie Stapelfeld lebe vom persönlichen Kontakt mit seinen Gästen, sagt Feltes. Deshalb habe die Leitung der Akademie überlegt, wie man trotzdem Kontakt mit den Freunden des Hauses halten könnte. Die Idee: ein Videoblog.

Videos von drei bis sechs Minuten

Seit dem 1. April läuft täglich im Video-Portal „Youtube“ ein Beitrag aus Stapelfeld; er ist auch auf der Internetseite der Akademie eingebunden. Ein Dozent der Akademie spricht dort drei bis sechs Minuten über Themen aus seinem Fachbereich, die auch das Leben unter den aktuellen Einschränkungen berühren. Thema der Reihe: „Lebenszeichen“.

Entwickelt hat sie Martin Feltes zusammen mit seinen beiden Kollegen im Direktorium der Akademie, Willi Rolfes und Pfarrer Marc Röbel. „Zunächst hatten wir viel Organisatorisches zu regeln“, sagt er. „Dann wurde uns aber klar, dass wir als Akademie weiter wirken wollen, mit inhaltlichen Impulsen.“

Bezug zum Leben und zu Stapelfeld

Diese Impulse in den Videos gestaltet jeder Dozent nach seinen fachlichen Interessen. Der Theologe Dominik Blum etwa stellt die Frage, ob Ostern ausfallen könne. Der Pädagoge Alexander Rolfes liest eine Geschichte des Schriftstellers Mark Twain zur Frage nach Freiwilligkeit und Zwang. Feltes selbst, ein Kunsthistoriker, bringt den Zuschauern das ungewöhnliche Altarbild der Akademiekapelle näher.

Unter dem Thema „Lebenszeichen“ wolle die Akademie helfen, „die Zeichen des Lebens neu zu deuten“, sagt Feltes, „immer mit Bezug zu Stapelfeld“. Pfarrer Röbel zum Beispiel stellt am Ostersonntag den Kreuzweg der Akademie vor, ein Werk des Künstlers Egbert Verbeek aus Granitblöcken und Bronzeguss im Garten der Akademie. Feltes sieht in diesen täglichen Videobeiträgen eine gute Möglichkeit, „mit unseren Gästen verbunden zu bleiben“.

Wirtschaftliche Zwänge

Zurzeit arbeite in Stapelfeld nur eine „Notbesetzung“, sagt Feltes: die drei Direktoren von der Akademieleitung, Kräfte in Telefonservice und im Planungsbüro. Denn noch gebe es Absagen und Umbuchungen abzuwickeln.

Die sieht der geschäftsführende Direktor Willi Rolfes mit Sorge. Die  Akademie müsse im Jahr rund 1,6 Millionen Euro zu ihrer Finanzierung selbst erwirtschaften, rechnet er vor. Normalerweise sei das auch zu schaffen, denn die Akademie verzeichne etwa 36.000 Teilnehmertage im Jahr und sei damit eine der größten in Niedersachsen.

140.000 Euro fehlen pro Monat Schließung

Jeder Monat Schließungszeit reiße aber ein Loch von 140.000 Euro in den Haushalt. Inzwischen seien nur noch 20 Prozent der Belegschaft im Dienst, für die übrige stehe Kurzarbeit im Raum, sagt Rolfes.

Die zweite große katholische Bildungseinrichtung im Bistum, die Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster, steht vor ähnlichen Fragen. Martin Dabrowski, stellvertretender Direktor der Akademie, berichtet, der alltägliche Betrieb sei in Münster – „wie überall“ – komplett stillgelegt.

„Web-Seminare“ oder Livestreams beim Franz-Hitze-Haus

Doch auch das Franz-Hitze-Haus suche nach Auswegen im Internet, sagt Dabrowski. So sei geplant, einzelne Veranstaltungen als „Web-Seminare“ anzubieten oder im Livestream zu übertragen.

Dabrowski nennt als Beispiel die Veranstaltung „Gott und das Virus. Ein philosophisch-theologisches Streitgespräch“. In der Live-Übertragung am 15. April ab 17.30 Uhr sprechen die Theologen Jörg Phil Friedrich und Frank Meier-Hamidi über „Das Virus im Schöpfungsplan Gottes“.

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