Münsteraner Weihbischof zu Streit um Äußerungen von Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig

Dieter Geerlings fordert sachliche Debatte über Homosexualität

Im Streit um das Verständnis von Homosexualität hat sich der emeritierte Weihbischof Dieter Geerlings aus Münster für eine liberalere Haltung ausgesprochen.

„Wir brauchen eine sachliche Debatte über Homosexualität“, sagte Geerlings im Gespräch mit „Kirche+Leben“. Dazu gehöre eine wissenschaftlich begründete Bibelauslegung, die nicht fundamentalistisch geführt werden dürfe. In theologischen Debatten sei immer auch die „Lebensrealität ein ethisches Argument“.

Hintergrund: Der Fall Wucherpfennig

Der Weihbischof äußerte sich vor dem Hintergrund der vom Vatikan verweigerten Bestätigung von Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig als Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Wucherpfennig hatte sich kritisch zum Umgang der Kirche mit homosexuellen Menschen und entsprechender Deutungen der Bibel geäußert.

Geerlings unterstützt in dieser Frage auch den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Im Streit um Aussagen Wucherpfennigs zur Homosexualität hatte sich Kohlgraf für eine Bibelauslegung stark gemacht, die neuere wissenschaftliche Erkenntnisse einbezieht. Wenn jede Bibelstelle "direkt wörtlich geoffenbarte unveränderliche Wahrheit wäre, müssten wir aktuell Ehebrecher, Gotteslästerer, Wahrsager, ungehorsame Söhne und Töchter und Menschen, die am Sabbat ihr Auto waschen, steinigen", hatte der Mainzer Bischof gesagt.

Schöpfung in sieben Tagen – wirklich?

Geerlings räumte ein, auf den ersten Blick und verglichen mit anderen Fragen der Sexualität erscheine die biblische Wertung von Homosexualität und entsprechender Praktiken negativ. „Zum Verständnis und zur Wahrheit gehören aber auch die Erkenntnisse der Humanwissenschaften und die Lebenswirklichkeit der Menschen“, sagte der Weihbischof. Die negativen Aussagen der Bibel zur Homosexualität stünden in einem Zusammenhang, den Wissenschaftler umsichtig zu interpretieren hätten.

Wichtig sei ein tieferes Verstehen der Heiligen Schrift, betonte Geerlings und erwähnte als Beispiel den Schöpfungsbericht der Bibel: „Kein Mensch in der Kirche kommt mehr auf den Gedanken, dass er wörtlich naturwissenschaftlich zu verstehen ist, als sei die Welt in sieben Tagen erschaffen.“ Es gehe in diesem Text um die Heilszusage Gottes für die Welt, dargestellt im Rahmen des damaligen Weltbildes. „Es geht aber nicht um dieses Weltbild. Das überlässt man der Naturwissenschaft, dies zu erklären, und das ändert sich ja immer wieder.“