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Warum junge Frauen in der Kirche bleiben (1) - aus Xanten

Eva Brentjes erlebt, dass sich in der Kirche neues Bewusstsein bildet

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Missbrauchs-Skandale, fragwürdiges Machtgehabe, Ausschluss von Frauen von Weiheämtern – das sind nur einige Aspekte, die Frauen an der Kirche kritisieren – manchmal bis hin zu Austritts-Gedanken. Dennoch bleiben viele, weil es Merkmale von Kirche vor Ort gibt, die sie stärken und ermutigen. Sechs junge Frauen, die sich bei der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) engagieren, berichten, was sie in der Kirche hält. Heute Eva Brentjes (40) aus Xanten.

„Es gibt keinen Verein, der so darum bettelt, die Kündigung zu bekommen.“ Das kommt nicht von mir. So oder so ähnlich habe ich es in der Diskussion um die Kirche einmal gehört. Und das ist hängen geblieben. Und es stimmt irgendwie. Es ist wahrlich genug passiert, dass ich meine Unterschrift unter die Kündigung setzen müsste. Ich bin mir sicher, das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Ich bin katholisch sozialisiert, von klein auf. Ich hadere seit meiner Kindheit mit dieser Institution, mit dem Machtgefüge in dieser Kirche. Wo einzelne Verantwortliche so viele Menschenleben nachhaltig prägen. Scheinbar ohne wirksame Korrektur.

Kirche soll Krise nutzen

Ohnmacht und Wut, das sind Gefühle, die schon lange da sind und wachsen. Ohne, dass mir persönlich Missbrauch passiert ist. Wie muss es den Opfern gehen?

Und warum habe ich die Kündigung nicht geschrieben? Ich bin vielen guten und engagierten Menschen in der Kirche begegnet. Mein Glaube hat mich durch einige Tiefen getragen. Ich denke, so geht es vielen – auch kirchenkritischen – Menschen. Das ist tief in mir drin. Es zeigt mir, was Kirche im positiven Sinne schaffen kann. Und: Ich erlebe seit kurzem Momente der Hoffnung.

Ich erlebe, dass viele Gläubige sich auf den Weg machen und Forderungen stellen, sich ein neues Bewusstsein bildet, neue Räume sich eröffnen. Und dass viele Verantwortliche vielleicht aus öffentlichem Druck mitziehen oder aus der Bestärkung heraus die neuen Möglichkeiten nutzen. Da bewegt sich etwas in dieser Institution. Liebe Kirche, ich will nicht sagen müssen, die Hoffnung stirbt zuletzt. Bleib dran und nutze diese Krise.

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