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SKM Vechta besorgt: Was würde eine Ausgangssperre Menschen auf der Straße bedeuten?

„Helden der Krise“: Thomas Pille hält für Wohnungslose die Stellung

Auch in Corona-Zeiten lassen die Berater der SKM-Wohnungslosenhilfe in Vechta ihre Klienten nicht im Stich. Ohne Hilfe wären viele aufgeschmissen. Offen ist aber: Was würde eine Ausgangssperre für sie bedeuten?

Was würde eine Ausgangssperre eigentlich für umherziehende Wohnungslose bedeuten? Thomas Pille kann das auch nicht so genau sagen. Aus mehr als 30 Jahren Erfahrung weiß der 62-Jährige: Es gibt sie weiterhin, Menschen, die bewusst weiter draußen ,Platte machen‘, wie sie selbst das Übernachten im Freien nennen. Und um die macht er sich derzeit Sorgen.

„Was will man denen bei einer Ausgangssperre sagen? Etwa: Bleib lieber im Wald?“ Der Leiter der Wohnungslosenhilfe des Katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM) in Vechta ist sich sicher: „Das wird noch eine Herausforderung, besonders in großen Städten, wo Menschen in Hauseingängen und auf Bahnhöfen leben. Auch die Frage: Was passiert mit denen unter ihnen, bei denen eine Erkrankung zu spät erkannt wird?“

Viele nutzen die Beratungsstelle als Postadresse

Aber da sind auch noch andere, die auch in Zeiten von Corona aus das Hilfe- und Beratungsangebot des SKM angewiesen sind. Auf das sollen sie sich auch weiter verlassen können. „Wir halten die Stellung“, sagt der Leiter der Wohnungslosenhilfe. Denn ohne die wären nach seiner Einschätzung manche ziemlich im Stich gelassen.

Vor Augen hat er zum Beispiel Menschen ohne feste Wohnsitz und damit ohne Meldeadresse, die mal hier, mal da bei einem Bekannten unterkommen. „Darunter sind viele Zuwanderer oder jüngere Leute, die zu Hause rausgeflogen sind. Sie kommen etwa drei Mal die Woche, um ihre Briefe abzuholen“, erklärt Thomas Pille. Als feste Anschrift für Briefe vom Amt nutzen sie vorübergehend den Briefkasten des SKM. Auch für sie ist es wichtig, dass die Beratungsstelle in Betrieb bleibt, trotz Corona.

Die Beratung stellt um auf telefonische Angebote

Aber einfach wie gehabt weitermachen – das geht in Zeiten von Corona eben auch nicht. Jetzt gehört mehr Abstand zum Konzept. Das Innere der Beratungsstelle ist für Klienten tabu. Sie müssen klingeln und warten, bis ein Mitarbeiter ihnen ihre Briefe aufs Fensterbrett legt. „Und wenn sie Fragen haben, können sie uns anschließend anrufen.“

Das Telefon muss die Beratung im Büro ersetzen. „Die meisten Klienten haben ja ein Handy“, weiß Pille, der im Moment ein Notfall-Programm für sich und seine Mitarbeiter entwirft. Das soll gewährleisten, dass während der Öffnungszeiten mindestens zwei Fachkräfte für telefonische oder Email-Anfragen Anfragen zur Verfügung stehen. Dieses Angebot müsse bestehen bleiben. „Weil es Fälle gibt, in denen Harz-VI-Empfänger gerade jetzt in der Corona-Krise Probleme mit Behörden haben.“ Das könne Existenzen bedrohen.

Manche kommen ohne Beratung und Hilfe nicht klar

Thomas Pille: „Es gibt eben Menschen, die sind sich nicht sicher, wie sie ohne unsere Hilfe ihre Existenz sichern sollen. Zum Beispiel, weil sie nur 440 Euro im Monat bekommen und davon noch was gekürzt oder nicht vollständig ausgezahlt wird, dann haben die ein Problem.“ Da sei zumindest eine telefonische Beratung wichtig, um da eine Sicherheit für sie herzustellen. „Wir wollen, dass auch deren Existenz zumindest auf Minimalmaß sichergestellt ist.“

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