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Gastkommentar von Martin Stuflesser zum erneuten harten Lockdown

Kirche muss an Weihnachten da sein - auch in Gottesdiensten

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Gottesdienste an Weihnachten? Unbedingt, meint Liturgie-Experte Martin Stuflesser, in seinem Gast-Kommentar. Die Frage lautet aber nicht, ob, sondern wie. Die Kirche dürfe nicht denselben Fehler machen wie zu Ostern.

Nun haben sie also entschieden, die versammelten Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin, dem Rat der Wissenschaft folgend, und der harte Lockdown kommt. Und es gibt nur wenige Bereiche, die hiervon ausgespart sein werden: Lebensmittelgeschäfte etwa, der Gang zum Arzt, und: Gottesdienste! Erlaubt bleibt, was dem leiblichen und seelischen Wohl dient.

Der Weihnachtsgottesdienst ist für viele Menschen ein seelisches Bedürfnis. Allein, wer sich in den letzten Tagen hiermit auseinandergesetzt hat, spürt: Dies erscheint mehr und mehr begründungspflichtig: Muss das sein? Warum setzt Kirche Menschen diesen gesudheitlichen Risiken aus? Wäre es nicht praktizierte Nächstenliebe, die Gottesdienste abzusagen? An Ostern hat das doch auch „irgendwie“ geklappt.

Gottesdienste in den Medien

Der Autor
Martin Stuflesser ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg.

Ich möchte dennoch an dieser Stelle ganz klar dafür plädieren, dass es an Weihnachten auch Gottesdienste geben soll. Zuallererst die Gottesdienste, die im TV und anderen Medien übertragen werden: Etwa eine wunderbar gestaltete Christmette in der ARD, oder ein vielfältiges, kreatives Gottesdienstangebot im Internet.

Dann die vielen Ideen für Hausliturgien, seien es gleich drei Modelle, die "Kirche-und-Leben.de" anbieten wird, sei es das gemeinsame Modell, auf das sich die evangelische und die katholische Kirche geeinigt haben, oder die vielen Gottesdiensthilfen des Deutschen Liturgischen Instituts und der Liturgiereferate der Bistümer.

Viele brauchen den Gottesdienst in der Kirche

Aber es gibt auch Menschen, die den Weihnachtsgottesdienst vor Ort in physischer Präsenz brauchen, weil sie etwa die Belastung der ständigen Angst vor Infektion, vor Jobverlust und sozialem Absturz, vor Vereinsamung kaum noch ertragen können. Für diese Menschen – auch wenn es in diesem Jahr wohl weniger sein werden – müssen unsere Kirchen offen sein.

Der drängende Ruf des Advent: „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt?“ wird ja nicht ohne Grund in diesen Tagen, unter dem aktuellen Eindruck von Corona und vor dem Hintergrund neuer Abgründe innerkirchlicher Skandale, besonders flehentlich gebetet.

Deshalb brauchen wir Kirche als Hoffnungsgemeinschaft, die den Himmel offenhält und niemand alleine lässt. Eine Kirche, die Angebote macht, ohne Infektionsrisiko im TV, Internet und in der häuslichen Gemeinschaft den Glauben zu leben und zusätzlich ihre Kirchengebäude als Anlaufstellen offenhält und dort auch Gottesdienste feiert, aber verantwortlich handelnd, mit ausgefeilten Hygienekonzepten, die sogar die Leopoldina lobt. Eine Kirche, die ihren Mitgliedern sagt: Ihr seid doch mündige Christenmenschen, entscheidet selbst, was euer seelisches Wohl jetzt braucht.

Es brauchte Seelsorge, die körperlich da ist

Ein Angebot der Seelsorge, die auch körperlich da ist, so wie wir als Kirche auch jetzt in der Pandemie selbstverständlich uns darum bemühen, alte und kranke Menschen nicht alleine zu lassen. Wir versuchen selbstverständlich Trauernde zu trösten, gestalten auch unter schwersten Rahmenbedingungen Beerdigungen.

Wir sind da und das sollen wir auch an Weihnachten sein.
Gerade in diesen schwierigen Zeiten können es nicht plakative Alles-oder-nichts-Lösungen sein, sondern es bleibt, auch an Weihnachten, ein behutsames Auf-Sicht-Fahren.

Kirchen müssen Ort für Trost und Halt sein

Ob am Ende alle diese Bemühungen aufgehen, wird sich zeigen. Aber eine Kirche, die nahe bei den Menschen sein will, die die Botschaft der Hoffnung auch in dunkler Zeiten nicht verstummen lassen darf, sollte nicht noch einmal den Fehler begehen und wie an Ostern ihre Türen zusperren, sondern sie weit offenstehen lassen.

Damit diese Kirchen Orte sein können, wo Trost und Halt suchende Menschen (ja, einmal mehr: unter Einhaltung aller notwendigen und sinnvollen Hygienemaßnahmen) andere Menschen finden, die ihnen zuhören, die ihnen zusprechen: „Trotz allem, fürchtet Euch nicht, denn Euch, ja, gerade Euch, auch in Zeiten von Corona, ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr!“ und die uns ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen!

Hinweis
Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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