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Initiator der Segnungen für homosexuelle Paare hofft auf offizielle Erlaubnis

Mönkebüscher: Liebe, die sich nicht zeigen darf, macht krank

  • Bernd Mönkebüscher, einer der Initiatioren von bundesweiten Segnungsfeiern auch für homosexuelle Paare im Mai, hofft auf eine offizielle Erlaubnis für einen solchen Ritus.
  • In der Reihe „Geistzeit“ der münsterschen Pfarrei Liebfrauen-Überwasser diskutierte der Pfarrer aus Hamm mit dem Moraltheologen Rudolf Hein von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster. 
  • Die Sorge, Segnungsfeiern könnten mit dem Ehe-Sakrament für heterosexuelle Paare verwechselt werden, teilt Mönkebüscher nicht.
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„Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare – wo stehen wir?“ Darüber haben gestern Abend Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm und Pater Rudolf Hein, Moraltheologe aus Münster, diskutiert. 140 Menschen haben an dem Live-Stream der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser in Münster teilgenommen. Mönkebüscher ist einer der Initiatoren der bundesweiten Segungsgottesdienste unter anderem für homosexuelle Paare, zu denen Anfang Mai mehr als 100 Gemeinden in Deutschland eingeladen hatten. 

Professor Gerhard Hotze vom Pfarrausschuss Liebfrauen-Überwasser führte kurz in die Kontroverse ein: Die vatikanische Glaubenskongregation vertrete den Standpunkt, dass die katholische Kirche keine Vollmacht hat, Liebesverbindungen von Menschen gleichen Geschlechts zu segnen. 2.600 Katholiken, darunter viele Seelsorger, hätten sich danach bei einer Unterschriften-Aktion in Deutschland gegen das Verbot ausgesprochen, so Hotze. Auch diese "Demonstration" hatte Mönkebüscher zusammen mit dem Würzburger Studierendenpfarrer Burkhard Hose begründet.

„Atmosphäre des Denunziantentums“

Mönkebüscher berichtete bei der Veranstaltung in Münster aus seiner eigenen Erfahrung als junger Priesteramtskandidat: Themen wie Sexualität, Homosexualität und Zölibat seien in seiner Priesterausbildung nahezu tabu gewesen. Fragen seien umgangen oder „verschroben und verhalten“ behandelt worden. Weil seine Kollegen im Konvikt darauf bestanden hätten, sei von der Hausleitung eine Studienwoche zum Thema eingerichtet worden.

Unter den 200 Männern habe eine „Atmosphäre des Denunziantentums“ geherrscht. „Offener Austausch war nur unter Freunden möglich.“ Wer an die falsche Person geriet, sei „zitiert oder vor die Tür gesetzt worden“. 

Langer Leidensweg bis zum Outing

Erst der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck habe vor wenigen Jahren durch seine Initiative ermöglicht, dass Homosexualität in der Kirche „überhaupt besprechbar wurde“. Das habe ihn ermutigt, sagte Mönkebüscher. „Ich habe vier Jahre Psychotherapie gemacht.“ Viele Homosexuelle erlebten, „dass ihre Sexualität als nicht normal gilt“.

Es sei ein langer Weg für sie, ihr Empfinden anzunehmen. Als er sich 2019 öffentlich geoutet habe, seien die Reaktionen seiner Gemeinde in Hamm positiv gewesen. Menschen seien ihm auf der Straße mit Tränen in den Augen begegnet, weil sie so bewegt von seiner Offenheit gewesen seien.

Hein: Sexualität wurde lange kriminalisiert

Bernd Mönkebüscher und Rudolf HeinBernd Mönkebüscher (links) diskutierte bei einer digitalen Veranstaltung der Münsteraner Pfarrei Liebfrauen-Überwasser mit Pater Rudolf Hein. | Foto: Screenshot

Professor Hein bestätigte, dass Sexualität in der langen Geschichte der Moraltheologie „grundsätzlich kriminalisiert“ und „als schwere Sünde angesehen“ wurde, die man im Beichtstuhl abhandeln müsse. Gleichwohl stelle sich die Frage danach, wie die Segnung schwuler und lesbischer Paare im Unterschied zur kirchlichen Trauung heterosexueller Paare zu sehen sei. 

Die Kirche habe Angst, dass die Segnungen homosexueller Paare in die Nähe von Ehen gerückt werden, räumte Mönkebüscher ein. Segnungen seien jedoch für gläubige Menschen wichtig. „Liebe, die sich nicht zeigen darf, macht krank.“ In den Feiern gehe es um die „Sichtbarwerdung“ dieser Liebe. Mit dem Unterschied von Ehesakrament und Segnung könne er persönlich leben. 

Hoffnung auf den Synodalen Weg

Auch die Unterscheidung zwischen dem westlichen Kulturraum mit seinem Anspruch auf Segnungen und dem übrigen katholischen Kosmos sieht Mönkebüscher differenziert. „Überall auf der Welt gibt es homosexuelle Menschen. Wenn sich die Kirche dafür einsetzen würde, dass man ihnen mit Respekt und Anstand begegnet, wäre viel gewonnen.“

Hoffnung setzt der Pfarrer auf den Synodalen Weg. Er erwartet, dass Segensfeiern homosexueller Paare bald auch offiziell möglich sind. „Sodass ans Licht darf, was längst da ist.“

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