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Kritik an kirchlicher Kommunikation

Papst Franziskus fordert mehr soliden Journalismus

  • Wenn unter Spardruck in Verlagen Nachrichten nur vor dem Computer und in sozialen Netzwerken entstünden, drohe eine Verflachung der Information, mahnt Papst Franziskus.
  • Bei der Kommunikation im Internet mahnte der Papst mehr Kritikbewusstsein und Sorgfalt an.
  • Der Mut und der Einsatz Medienschaffender bei ihren Berichten über Verfolgungen, Gewalt, Ungerechtigkeit und vergessene Kriege verdienten Dank.
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Papst Franziskus hat vor einer wachsenden Selbstbezüglichkeit in Medien gewarnt. Wenn unter Spardruck in Verlagen Nachrichten nur vor dem Computer und in sozialen Netzwerken entstünden, drohe eine Verflachung der Information, schrieb das Kirchenoberhaupt in seiner am Samstag veröffentlichten Botschaft zum katholischen Mediensonntag. Bei der Kommunikation im Internet mahnte der Papst mehr Kritikbewusstsein und Sorgfalt an. Für das Entlarven von Falschinformationen seien alle verantwortlich. Jede Form des Austauschs müsse „klar und ehrlich“ sein; das gelte auch für die Kirche.

Ausdrücklich lobte Franziskus die Arbeit von Reportern. Journalismus erfordere die Fähigkeit, „dorthin zu gehen, wo sonst niemand hingeht“. Der Mut und der Einsatz Medienschaffender bei ihren Berichten über Verfolgungen, Gewalt, Ungerechtigkeit und vergessene Kriege verdienten Dank. Es wäre ein Verlust „für die gesamte Gesellschaft und für die Demokratie, wenn diese Stimmen verschwinden würden“, schrieb der Papst.

Papst über Stärken digitaler Medien

Krisen wie die Covid-19-Pandemie müssten auch aus der Perspektive der Armen und Benachteiligten erzählt werden, betonte Franziskus unter Verweis auf die Themen Impfstoffe und medizinische Versorgung.

Als Stärken digitaler Medien hob der Papst die Unmittelbarkeit und die Beteiligungsmöglichkeit für alle Nutzer hervor. Zugleich seien mittlerweile die Manipulationsgefahr und die Risiken ungeprüfter Nachrichten offenkundig. Dieses kritische Bewusstsein verhelfe zu einem „besseren Unterscheidungsvermögen und einem reiferen Verantwortungsbewusstsein sowohl bei der Verbreitung als auch beim Empfang von Inhalten“, schrieb Franziskus. „Wir alle sind verantwortlich für die Kommunikation, die wir betreiben, für die Informationen, die wir verbreiten, für die Kontrolle, die wir gemeinsam über falsche Nachrichten ausüben können, indem wir sie entlarven.“

E-Mails vom Apostel Paulus

Der Papst übte auch Kritik an kirchlicher Kommunikation. Leere Beredsamkeit im Übermaß gebe es ebenso in den eigenen Reihen. Die Botschaft des Evangeliums verbreite sich durch authentische Begegnungen von Mensch zu Mensch. Der Apostel Paulus „hätte sicher von E-Mail und Mitteilungen in den sozialen Netzwerken Gebrauch gemacht. Aber es waren sein Glaube, seine Hoffnung und seine Liebe, die seine Zeitgenossen beeindruckten“, schrieb der Papst.

Der „Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ 2021 steht unter dem Motto „''Komm und sieh' (Johannes 1,46). Kommunizieren, indem man den Menschen begegnet, wo und wie sie sind“. Er wird am Sonntag vor Pfingsten begangen, in Deutschland am zweiten Sonntag im September. Seine Botschaft zum Mediensonntag veröffentlicht der Papst jeweils am 24. Januar, dem Fest des Journalisten-Schutzheiligen Franz von Sales.

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