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Zahlreiche Freiwillige melden sich zur Fortbildung an

Pfarreien am Niederrhein starten Projekt „Gemeinsam gegen einsam“

  • 22 freiwillig engagierte Frauen und Männer aus den Dekanaten Moers und Xanten werden ein Seelsorge-Netzwerk gegen die Einsamkeit im Alter aufbauen.
  • Als Seelsorgebegleiter möchten sie auf die seelischen Bedürfnisse der zu Besuchenden eingehen.
  • Die Teilnehmenden erhalten eine kirchliche Beauftragung im Xantener Dom.
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Eigentlich hat Edith Wigge aus Sonsbeck im Kreis Wesel genug zu tun und ist ehrenamtlich schon gut ausgelastet. Doch ein neues Projekt hat sie neugierig gemacht. „Gemeinsam gegen einsam“ lautet sein Titel. Es ist eine gemeinsame Initiative des Caritasverbands Moers-Xanten und der niederrheinischen Pfarreien in Xanten, Sonsbeck, Alpen, Rheinberg, Kamp-Lintfort und Moers.

„Da mache ich gern mit“, sagt Wigge. Zusammen mit 21 weiteren Teilnehmenden wird sie sich in den nächsten Wochen zu einer ehrenamtlichen Seelsorgebegleiterin ausbilden lassen und dann pflegebedürftige Menschen besuchen, die zuhause gepflegt werden und allein leben. „Eigentlich ist das nichts Neues. Besuchsdienste haben in den Pfarreien eine lange Tradition. Aber ich möchte doch genauer hinschauen, wo Menschen einsam sind“, sagt die 69-jährige Sonsbeckerin.

Zeit für ein Gespräch

Auf dem roten Info-Fahrrad ist WDR-Moderatorin Yvonne Willicks unterwegs gewesen, um für das Projekt „Gemeinsam gegen einsam“ der Pfarreien und des Caritasverbands zu werben. | Foto: Christian Breuer (pbm)
Auf dem roten Info-Fahrrad ist WDR-Moderatorin Yvonne Willicks unterwegs gewesen, um für das Projekt „Gemeinsam gegen einsam“ der Pfarreien und des Caritasverbands zu werben. | Foto: Christian Breuer (pbm)

Seit 20 Jahren arbeitet Wigge ehrenamtlich in der Pfarrcaritas mit, seit 14 Jahren als Vorsitzende. „Ich habe noch etwas Zeit und möchte etwas Sinnvolles tun. Bei den Besuchen wird es um seelsorgerische Gespräche gehen. Wer einsam ist, hat oft Redebedarf“, hat sie festgestellt.

Als Mitarbeiterin der örtlichen Kleiderkammer bekommt sie mit, wenn jemand die Kleidungsstücke des verstorbenen Partners vorbeibringt. „Wenn dann die Witwen oder Witwer in hohem Alter allein sind, kann das hart sein“, sagt Wigge. Es könne sinnvoll sein, wenn nicht gleich der Pastor zu Besuch komme. „Das kann sehr offiziell wirken und ist vielleicht nicht jedermanns Sache.“

Einsamkeit von Senioren wird selten erkannt

Thomas Riedel, Pastoralreferent der Pfarrei St. Josef in Kamp-Lintfort und Mitwirkender des Projekts, meint, dass es viele Angebote für Senioren gibt, die zum Beispiel bei eingeschränkter Mobilität unterstützen. „Doch die schleichende Einsamkeit wird selten erkannt und ernst genommen“, sagt Riedel.

Zu Beginn des Projekts habe es die selbstkritische Frage gegeben, inwieweit eigentlich der christliche Anspruch der Pflege umgesetzt werde mit Blick auf die Seelsorge. „Es gibt die Mehrbelastung der Pflege-Fachkräfte und die begrenzte Zeit der hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger“, sagt Riedel.

Erstaunliches Interesse

Die in der Pastoral Verantwortlichen hätten aber dafür Sorge zu tragen, „dass Seelsorge auch gerade für Menschen möglich bleibt, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können“, sagt Riedel. Aus diesem Grund entstand in den Pfarreien und im Caritasverband die Idee, gemeinsam die Aktion „Gemeinsam gegen einsam“ auf den Weg zu bringen und über Fortbildungen freiwillig Engagierte für diesen besonderen Besuchsdienst zu befähigen.

Mehr als 30 Interessenten hätten sich gemeldet, informiert Riedel. 22 Frauen und Männer seien es nun, die ab Juli in Bildungseinrichtungen des Bistums Münster zusammenkommen und sich auf den Besuchsdienst vorbereiten. Der Pastoralreferent ist selbst überrascht über diesen Zuspruch.

Beauftragung durch den Regionalbischof

Pastoralreferent Thomas Riedel aus Kamp-Lintfort gehört zur Steuerungsgruppe des Projekts „Gemeinsam gegen einsam“. | Foto: privat
Pastoralreferent Thomas Riedel aus Kamp-Lintfort gehört zur Steuerungsgruppe des Projekts „Gemeinsam gegen einsam“. | Foto: privat

„Für uns als Verantwortliche, die die Steuerungsgruppe bilden, war klar: Ein Rückgriff auf hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger entspricht nicht der Zeit und der Theologie des Volkes Gottes. Wenn Seelsorge eine Zukunft hat, dann in der gemeinsamen wertschätzenden Anerkennung von ‚Amt‘ und ‚Volk Gottes‘.“ Zum Abschluss wird Weihbischof Rolf Lohmann im Xantener Dom alle Teilnehmenden zum Dienst beauftragen.

Für Riedel ist das Projekt die konsequente Weiterentwicklung des „klassischen“ Besuchsdienstes. „Ich bin der Überzeugung, dass ungezählte klassische Hausbesuche nicht weniger Seelsorge waren, als das, was wir mit diesem Projekt gezielt in den Blick nehmen.“ Dennoch sei es gut, eine besondere Befähigung und einen besonderen Auftrag zur Seelsorge zu haben.

Yvonne Willicks unterstützt „Gemeinsam gegen einsam“

Dass die WDR-Moderatorin Yvonne Willicks aus Kamp-Lintfort Schirmherrin der neuen Aktion „Gemeinsam gegen einsam“ ist, freut Riedel: „Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu, damit Einsamkeit zum Thema wird.“

Auch Hans-Peter Niedzwiedz aus Kamp-Lintfort, Mitglied der Steuerungsgruppe und Ideengeber des Projekts, sieht einen großen Bedarf dieser seelsorglichen Begleitung: „Im Wissen, dass die Pfarreien mit ihren hauptamtlichen Personalressourcen oftmals an ihre Grenzen stoßen, sollten mit den Pfarreien die Gaben und Fähigkeiten der Gemeindeglieder gefördert werden, selbst untereinander Seelsorge zu üben“, sagt Niedzwiedz. In dieser Zeit gelte es, „die Seelsorge von oben herunterzuholen.“

Wichtiger Beitrag für Zusammenhalt der Gesellschaft

Der 73-jährige „Pastoralreferent im Ruhestand“ und langjährige ehrenamtliche Vorstand im Caritasverband Moers-Xanten ist davon überzeugt: „Regelmäßige Kontakte wirken der Vereinsamung von alleinlebenden Menschen entgegen und leisten einen wichtigen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft.“

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