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1,2 Millionen Euro aus privater Hand für die neue Orgel

Riesenorgeln im Bistum Münster (4): St.-Ludgerus-Dom in Billerbeck

Riesenorgeln im Bistum Münster (4): St.-Ludgerus-Dom in Billerbeck. | Video: Marie-Theres Himstedt
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Wie aus einer anderen Welt erhebt sich der St.-Ludgerus-Dom in Billerbeck aus den morgendlichen Nebelschwaden. Der Wallfahrtsort mit etwa 11.000 Einwohnern beeindruckt durch den eleganten Kirchbau schon aus weiter Ferne.

Im Inneren erhebt sich die 2009 bis 2014 erbaute Fleiter-Orgel über der Sterbekapelle des Heiligen Ludgerus, des Patrons des Bistums Münster: Das Hauptwerk mit den historischen Schnitzereien und das Schwellwerk rahmen das Westfenster mit Darstellungen musikalischer Himmelsboten ein: „Es ist schon eine besondere Atmosphäre, hier spielen zu dürfen“, sagt Lukas Maschke.

 

Junger Organist

 

Bis der Kantor überhaupt zum Spieltisch auf der Orgelbühne gelangt, geht es 55 Stufen durch den Turm. Seit 2013 ist der 38-Jährige Organist am Dom und an der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer.

Hoch hinaus ging es für den gebürtigen Thüringer bereits in jungen Jahren, ohne dass er Bodenhaftung verloren hätte: „Ach, es sind auch nur Tasten, die man zum richtigen Zeitpunkt betätigen muss“, meint er, angesprochen auf seine weitläufige Ausbildung zum Organisten, mit einem kleinen Schmunzeln. Als Jugendlicher erhielt er Klavier-, Violoncello- und Orgelunterricht in Gotha, Gera und Erfurt, studierte dann Kirchenmusik in Stuttgart, bevor er nach Stationen am Erfurter Dom parallel zu seinem Studienabschluss Lehrbeauftragter an der Franz-Liszt-Hochschule für Musik in Weimar war.

 

Maschke: Dom und Orgel von Menschen getragen

 

Orgelkonzert
Am 3. Oktober, 16 Uhr, findet im Billerbecker Dom ein Orgelkonzert mit Eberhard Lauer statt, dem Organisten des katholischen Mariendoms in Hamburg. Eine Anmeldung ist derzeit nicht nötig.

Maschke verweist vielmehr auf die vielfältigen Qualitäten der gewaltigen Fleiter-Orgel. Wobei ihm eine Sache wichtig ist zu betonen: „Dieser Ort hier, auch die Orgel, wären nichts ohne die Menschen, die dies tragen.“

Die Hauptorgel auf der Westempore mit ihren 72 Registern, verteilt auf vier Manuale und Pedal, und 4.565 Pfeifen wurde 2014 durch Bischof Felix Genn geweiht. Finanziert wurde der Bau mit 1,2 Millionen Euro aus privaten Mitteln mit Hilfe des Fördervereins Domorgel Billerbeck: „Es gab Konzerte, es gab Pfeifenpatenschaften, es gab einzelne Förderer – das war schon ein großartiges Projekt“, schaut Maschke zurück.

 

Zweite Orgel im linken Kirchenschiff

 

Zur Begleitung der Chöre, Sänger und Solisten und für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten und Orchester wurde eine kleinere Chororgel mit elf Registern und 338 Pfeifen der Firma Waltershausen im linken Kirchenschiff eingebaut: Von einem portablen Spieltisch aus kann Maschke beide Orgeln ansteuern.

Zum Beispiel auch das 2020 eingebaute Carillon, ein Glockenspiel der Superlative im Südturm: Dort hängen 23 Glocken der niederländischen Königlichen Gießerei Eijsbouts, 1.500 Kilogramm schwer, und erfreuen mit ihren Tönen auch auf unkonventionelle Art und Weise: „Das war der Big Ben“, verweist Maschke mit einem Schmunzeln auf die typisch britischen Erkennungstöne. In Corona-Zeiten oder zur Fußball-Europameisterschaft hat er Besucher auch mal mit Landeshymnen begeistert, die - passend einprogrammiert - zu bestimmten Uhrzeiten erklingen konnten.

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