___STEADY_PAYWALL___

Gast-Kommentar von Markus Gehling über das Nein des Vatikans zu homosexuellen Paaren

Segnungen nehmen der Ehe nichts von ihrem Glanz

Anzeige

Sein gestriges Nein zu Segnungen homosexueller Paare hat der Vatikan damit begründet, die Kirche habe keine Vollmacht, die Lehre an diesem Punkt zu verändern. Markus Gehling, glücklich verheiratet mit seiner Frau, Vater von vier Kindern und Pastoralreferent in Voerde, bezweifelt im Gast-Kommentar, ob uns in Zukunft dann überhaupt noch jemand nach Segen und Sakrament fragt.

„Da sind mir die Hände gebunden ...“ Wer einen solchen Spruch als blanke Ausrede und Sich-aus-der-Verantwortung-Stehlen empfindet, der liegt wohl nicht ganz falsch. Auf „Kirchisch“ klingt es etwas anders: „Die Kirche habe keine Vollmacht...“ Soll wohl sagen: an den, der es anders entscheiden könnte, kommen wir nicht ran. Da ist die Kirche selbst auch hilf- und machtlos.

Irgendwie entwickelt sich dies zu einer aktuellen Zustandsbeschreibung der Kirche. „Da kann man nichts machen...“ Man spürt es allenthalben, vielen Seelsorgern geht die Luft aus, Ehrenamtler schmeißen die Brocken hin, und die Menschen kehren uns in hellen Scharen den Rücken zu. Man fragt sich zunehmend: Was kriegen wir eigentlich noch hin? Wo haben wir mal die Nase vorn und zeigen, wie es voran gehen kann?

Die Kirche habe keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen! Weil irgendwer seine Zweifel formuliert hatte, stellte die Glaubenskongregation dies mal eben klar. Mit heller Begeisterung reagieren diejenigen, die auch den Synodalen Weg mit Sorge betrachten.

Schöpfung kennt vielfältige Ausnahmen

Der Autor
Markus Gehling ist Pastoralreferent in St. Peter und Paul Voerde mit eigenem Blog auf www.kreuzzeichen.blogspot.com

Ich bin ein großer Fan der katholischen Ideen von lebenslanger Treue, von der Heiligkeit der Liebe, vom Göttlichen, wie sich das in der Liebe zu meiner Frau und im Leben meiner vier Kinder spiegelt.

Ich bin in einem naturverbundenen Elternhaus aufgewachsen und sehe sehr wohl, dass die Natur in weiten Teilen auf dem Prinzip der Ergänzung zweier Geschlechter aufgebaut ist. Aber ich nehme durchaus auch wahr, dass die Schöpfung vielfältige Ausnahmen kennt. Die Natur lässt uns staunen und die Weite und Größe des Schöpfers erahnen.

Wer will noch unseren Segen?

Aber die Welt der Natur ist nicht die Welt der Humanität. Es ist „Fressen und Gefressenwerden“. So beauftragt uns Gott, in dieser Natur einen sicheren, menschlichen Lebensraum zu schaffen und sie trotzdem zu hüten und zu bewahren.

Mich interessiert weit mehr, wie der Auftrag und die Berufung der Kirche in der Welt aussieht, als das, wozu sie sich nicht bevollmächtigt empfindet. Denn ich frage mich, ob uns in Zukunft überhaupt noch jemand nach Segen und Sakrament fragt, wenn wir uns weiterhin nur mit dem beschäftigen, was wir nicht können. Zu all dem Versagen, was nebenbei auch noch aufgedeckt wird.

Barmherzigkeit statt Opfer

In der konkreten Frage wünsche ich mir, dass die Kirche weiterhin die Ehe hoch hält und dem Miteinander von Mann und Frau göttlichen Glanz verleiht. Aber es macht diesen Glanz um nichts geringer, wenn wir in festlicher Feier um Gottes Segen für all das bitten, was im Leben eines Paares gut ist. Liebe, Treue, Beständigkeit, wechselseitige Sorge.

Eine Kirche, die ja sichtbar bis in den Episkopat aus Sündern besteht, sollte ganz auf Barmherzigkeit setzen und weniger Opfer fordern.

Hinweis
Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von "Kirche+Leben" wider.

Drucken
Anzeige
Anzeige
  • Streffing Krimis
Anzeige
  • Kampanile - Medieagentur