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Versickern all die ersungenen Spenden letztlich in der Verwaltung?

Sieben Vorurteile gegen Sternsinger: Was ist da dran?

Abstempeln ist bequem, schadet aber dem Miteinander. In unserer Serie rücken Experten Vorurteile zurecht. Heute Susanne Deusch, beim BDKJ-Diözesanverband Münster auch zuständig für Sternsinger.

Abstempeln ist bequem, schadet aber dem Miteinander. In unserer Serie rücken Experten Vorurteile zurecht. Heute Susanne Deusch, beim BDKJ-Diözesanverband Münster auch zuständig für Sternsinger.

Vorurteil 1: Sternsinger behalten einen Teil der Spenden für sich selbst.

Die Sternsingeraktion wird nach strengsten Kriterien zertifiziert: Die Deutsche Bischofskonferenz hat alle Regeln und Abläufe genau festgelegt, die Aktion ist außerdem gesetzlich gesichert. Das heißt in der Praxis zum Beispiel, dass alle Spenden ans Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ überwiesen werden müssen. Eine Kommission aus unter anderem Vertretern des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ und des BDKJ prüft und bewilligt die Projekte, an die die Spenden fließen. Wer sehen möchte, wohin sein Geld geflossen ist, der kann das im jährlichen Bericht des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ nachlesen. Übrigens: Wenn eine Pfarrei ein tolles Projekt hat, für das sie sammeln möchte, kann sie relativ unkompliziert einen Antrag einreichen und das Projekt aufnehmen lassen.

Vorurteil 2: Die Mädchen und Jungen, die als Könige Spenden sammeln, wissen gar nicht, wofür sie eigentlich unterwegs sind!

Damit das nicht passiert, werden die Mädchen und Jungen, die bei der Sternsinger-Aktion mitmachen, im Vorfeld in ihrer Pfarrei oder in der Schule vorbereitet, im Bistum Münster gibt es außerdem die „Sternfahrer*innen“, die vor der Aktion in die Gruppen kommen und die Kinder inhaltlich auf die Aktion vorbereiten. Das machen sie spielerisch und kreativ, sie schauen sich aber auch den Film an, den das Kindermissionswerk jedes Jahr zur Aktion produziert. Teilweise werden die „Sternfahrer*innen“ auch vom Sternsingermobil des Kindermissionswerk unterstützt, in dem die Kinder mehr zur Sternsingeraktion erfahren. Auf der Website der Sternsinger oder in der Sternsinger-App findet man ebenfalls ausführliches Bildungsmaterial.

Vorurteil 3: "Den Mädchen und Jungen geht es in erster Linie nur um die Süßigkeiten."

Eine schöne Belohnung ist es sicher, aber nur für ein bisschen Schokolade gehen wohl die wenigsten Kinder in der Kälte durch die Straßen. Hier kommt es mehr darauf an, dass die Kinder sich freuen, dass sie anderen Kindern dieser Welt helfen können und dass auch die Besuchten sich oft unglaublich freuen. Viele Spenderinnen  und Spender schenken den Sternsinger aus Dankbarkeit separat was, das stimmt! Aber auch das behalten die Kinder nicht komplett selbst, sondern die Pfarrei spendet oft große Teile an Einrichtungen für Bedürftige.


Susanne Deusch ist Geistliche Begleiterin des BDKJ-Diözesanverbands Münster. | Foto: BDKJ

Vorurteil 4: Die Kinder, die als Sternsinger unterwegs sind, können ihre Sprüche und Lieder oft nicht auswendig.

Die Lieder die zum Segen verteilen gesungen werden, kann sich jede Pfarrei selbst aussuchen, oft ist es „Stern über Bethlehem“ oder „Wir kommen daher aus dem Morgenland“. Das kennen die Kinder in der Regel sehr gut, oft haben sie die Lieder ja auch bei den Vorbereitungstreffen geübt oder in den Gottesdiensten vorher. Klar, in der Aufregung kann man den Text mal vergessen, aber das kann auch Erwachsenen passieren.

Vorurteil 5: Dabei  dürfen nur Jungs mitmachen.

Das mag vor vielen Jahren so gewesen sein, heute ist das auf keinen Fall mehr so. Statistiken, welches Geschlecht überwiegt, gibt es nicht, ich vermute aber nicht, dass Mädchen in der Unterzahl sind. Und ob nun ein Mädchen oder ein Junge den Segen an meine Haustür schreibt, macht ja keinen Unterschied. Die Sternsingeraktion ist da offen für alle: Mädchen, Jungen, katholisch, evangelisch – alle Kinder, die helfen möchten. Gerade in den Zeiten der Reformen, die die Kirche in Zukunft anstoßen möchte, sind solche gleichberechtigten Aktionen ein wichtiges Aushängeschild.

Vorurteil 6: Immer weniger Kinder sind bereit, bei der Sternsinger-Aktion mitzumachen

Die Zahlen belegen etwas anderes. Hier und da gibt es mal mehr und mal weniger Sternsinger. Grundsätzlich sind die Zahlen stabil und die Sammelergebnisse (mehr als 3,6 Millionen Euro im Bistum Münster) werden jedes Jahr gesteigert. Das ist ein großartiger Einsatz der vielen Kinder, Jugendlichen und der Ehrenamtlichen, die in der Organisation mitmachen.

Vorurteil 7: Die Sternsinger können nicht zählen. Denn obwohl von Heiligen drei Königen die Rede ist, kommen meistens vier an die Haustür.

Wer kann schon mit Sicherheit sagen, dass tatsächlich nur drei Weise an Jesu Krippe standen? Ich finde es ein tolles Signal, dass bei der 62. Aktion Dreikönigssingen immer noch so viele Kinder freiwillig für Kinder in Armut und Unfriede sammeln, dass wir sozusagen überbesetzen können.

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