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Bundesvorsitzender der Katholischen Landjugend-Bewegung aus dem Oldenburger Land

Neuer KLJB-Chef Jannis Fughe warnt vor "Dämonisierung der Landwirtschaft"

  • Jannis Fughe stammt aus einem Dorf im Oldenburger Land. Dort hat er die Katholische Landjugend gegründet.
  • Jetzt führt er den KLJB-Bundesverband.
  • Fughe vertritt klare Positionen: zur Segnung homosexueller Paare - und zur Landwirtschaft
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Jannis Fughe ist ein Quereinsteiger. Dass er an der Spitze der Katholischen Landjugend einmal mit Jugendlichen aus ganz Europa über ihre Zukunft auf dem Land diskutieren würde, hätte sich der junge Mann aus Mühlen im Oldenburger Land nie vorstellen können. Denn die Katholische Landjugend war für den Messdiener in der St. Bonaventura-Gemeinde im Kreis Vechta ein Fremdwort. Die gab es in dem kleinen Ort nämlich gar nicht.

Jannis Fughe kam auf einem Umweg zu diesem Verband, der im Oldenburger Land, in Deutschland und in Europa auf seine Art der größte ist. Er lernte ihn 2011 bei einem Sozialen Freiwilligendienst in der Geschäftsstelle des Verbandes in Vechta kennen. Und war sofort begeistert.

Er erlebte die Katholische Landjugend als aktiv und lebendig

Er erinnert sich heute: „Wie aktiv die mir vorkam, wie sie sich für Jugend auf dem Land einsetzte, wie sie für soziale Werte kämpfte – das hat mich fasziniert.“ Fughe lernte den Verband mit seinen 50 Ortsgruppen zwischen Barßel und Neuenkirchen gut kennen. Und gründete selbst mit Freunden eine neue Gruppe. In St. Bonaventura Mühlen. Er wurde der erste Vorsitzende.

Der ist er seit diesem Monat auch im Bundesverband der KLJB. Schon länger ist er oldenburgischer Landesvorsitzender und Vorsitzender des Dachverbands der europäischen Landjugend.

Glauben heißt Gemeinschaft für andere

Was hat den Neuling angetrieben auf diesem Weg? Spontan sagt er: „Überall, in jeder Region, habe ich erlebt, wie die katholische Landjugend ihren Glauben lebt.“ Nämlich „als etwas Verbindendes, wo man Gemeinschaft stiftet, indem man Gemeinschaft für andere lebt.“

Konkret denkt Fughe an das Projekt der „72-Stunden-Aktion“, erfunden von der oldenburgischen und inzwischen ein Projekt der Landjugend und des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) in ganz Deutschland. Je eine Ortsgruppe kommt zusammen und verwirklicht in vorgegebener Zeit ein Projekt. Von der Grillhütte für den ganzen Ort bis zum Anstrich im Pfarrheim.

Mitglieder in Oldenburg verdoppelt

Fughe erinnert auch an das normale Leben der Pfarrgemeinde auf dem Land: „In vielen Orten sind kirchliche Feste gar nicht denkbar ohne uns, ob Erntedank, Osterfeuer oder Nikolausaktion.“ Typisch für die Landjugend, findet Fughe. „Eng verwurzelt in der Kirche vor Ort.“

Das trage sicher auch zum Wachstum der Landjugend bei, vermutet Fughe. Der oldenburgische Landesverband etwa habe in den vergangenen zehn Jahren seine Mitgliederzahl verdoppelt, von 1.800 auf 3.600. „Die Landjugend ist kein Auslaufmodell.“ Denn für die Jugendlichen sei klar: „Da passiert was, da wird gemeinsam was angepackt. Da zeigt die Kirche im Dorf einfach ein anderes Bild, als wir es zurzeit von der Gesamtkirche gewohnt sind.“

Nein zum Verbot von Segnungen für Homosexuelle

In dieser deutschen Kirche wisse die Landjugend natürlich auch ihr Wort zu setzen, etwa durch Delegierte beim Synodalen Weg. Und mit klaren Positionen in aktuellen Fragen, etwa zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. „Die Landjugend hat bundesweit klargemacht: Das Verbot der Segnung passt nicht zu unserem Kirchenverständnis. Liebe kann nicht einfach als Sünde verurteilt werden.“

Aber Kirchenpolitik ist nur eines der Themen, die auf den neuen Bundesvorsitzenden warten. Fughe will sich auch grundsätzlich mit Fragen von „Jugend im ländlichen Raum“ beschäftigen. Etwa, wie dieser anziehend gestaltet werden könne, „damit er nicht abgehängt wird“. Fughe spricht von „besserer Infrastruktur“ bei Internet und Nahverkehr, von „Bleibe- und Rückkehr-Perspektiven“.

Landwirtschaft nicht verteufeln

Zugleich warnt er eindringlich davor, die Landwirtschaft „einfach zu dämonisieren“. Gerade bei Themen der landwirtschaftlichen Produktion helfe kein „Schwarz-Weiß-Denken“. Menschen auf dem Land „hatten in den vergangenen Monaten das Gefühl, nicht richtig wertgeschätzt zu werden, gerade die aus der Landwirtschaft.“

Hier wolle die Landjugend einen Dialog fördern. Die KLJB sei zwar keine Jugend der Landwirtschaft. „Aber ohne Landwirte ist ländlicher Raum gar nicht denkbar.“

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