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Anwalt des Kölner Kardinals meldet sich zu Wort

Ermittlungen gegen Woelki: Zweiter Insider stützt die neuen Vorwürfe

  • Nach Bekanntwerden staatsanwaltlicher Ermittlungen gegen Kardinal Rainer Maria Woelki mehren sich Rufe nach einer raschen Entscheidung zur Zukunft des Kölner Erzbischofs.
  • Derweil stützt ein zweiter Insider die jüngsten Vorwürfe einer Mitarbeiterin gegen Woelki.
  • Auch der frühere Interventionsbeauftragte sagt, der Kardinal habe die Liste der Missbrauchstäter 2015 gesehen.
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Nach Bekanntwerden staatsanwaltlicher Ermittlungen gegen Kardinal Rainer Maria Woelki mehren sich Rufe nach einer raschen Entscheidung zur Zukunft des Kölner Erzbischofs. Derweil stützt ein zweiter Insider die jüngsten Vorwürfe gegen Woelki.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, sagte der „Rheinischen Post“: „Ein Ende mit Schrecken statt eines Schreckens ohne Ende wäre in Köln längst angeraten gewesen.“ Die jüngsten Entwicklungen seien „nur ein weiterer Punkt in einer langen Reihe von verstörenden Ereignissen“.

Dass die Staatsanwaltschaft gegen Woelki ermittle und eine Mitarbeiterin ihn schwer belaste, sei „eine unerträgliche Situation, denn wir wissen alle, dass das Vertrauensband zwischen dem Kardinal und den Gläubigen in der Erzdiözese Köln seit langem überstrapaziert wird“.

„Maria 2.0“ sieht „absoluten Tiefpunkt“

Als „absoluten Tiefpunkt“ bezeichnete Maria Mesrian, Sprecherin der Initiative „Maria 2.0“, die Entwicklung: „Der Kardinal sollte so viel Gespür für die verfahrene Situation im Bistum haben und seine Ämter vorläufig ruhen lassen.“

Für Tim Kurzbach, den Vorsitzenden des Diözesanrats, also der Laienvertretung im Erzbistum Köln, „bricht jetzt ein Kartenhaus von Unwahrheiten zusammen“. Eine der „schrecklichen Erkenntnisse“ sei, dass Woelki als „selbst ernannter Aufklärer“ zugebe, eine Liste mit aktiven Missbrauchstätern nicht beachtet zu haben, „nur um sich selbst zu verteidigen“.

Mitarbeitende solidarisch mit Hildegard Dahm

Am Donnerstag hatte auch eine Gruppe hauptamtlich Beschäftigter im Erzbistum Köln Woelki aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen, solange die Staatsanwaltschaft ermittelt. Zugleich solidarisierten sie sich mit Hildegard Dahm, die im „Kölner Stadt-Anzeiger“ neue Vorwürfe gegen den Erzbischof erhoben hatte. Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen wegen des Vorwurfs, Woelki habe eine falsche Versicherung an Eides Statt abgegeben.

Dahm, ehemals Mitarbeiterin der Personalabteilung und heute Verwaltungsleiterin in einer Pfarrei, gelte „unser großer Respekt und unsere volle Unterstützung“, sagte Gemeindereferentin Marianne Arndt: „Sie trägt mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit und ihrer Sicht der Dinge dazu bei, die Vertuschungsstrategien der Kölner Bistumsleitung zu entlarven.“

Kann Woelki von sich aus das Amt ruhen lassen?

Der emeritierte Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke sagte unterdessen dem „Stadt-Anzeiger“, ein Ruhenlassen des Bischofsamtes aus eigener Entscheidung sei in der Kirche nicht vorgesehen: „Das ist allein Sache des Papstes.“

Lüdecke verwies aber darauf, dass der Hamburger Erzbischof Stefan Heße nach einem Rücktrittsgesuch 2021 die Amtsgeschäfte bis zum ablehnenden Bescheid des Papstes von seinem Generalvikar wahrnehmen ließ. Ein Rücktrittangebot Woelkis liegt dem Papst seit Monaten vor.

Was sind die neuen Vorwürfe?

Bei den Ermittlungen geht es im Kern um die Frage, wann Woelki mit dem Missbrauchsfall des früheren „Sternsinger“-Chefs Winfried Pilz befasst wurde. Der Kardinal erklärte in einem presserechtlichen Verfahren gegen die „Bild“-Zeitung an Eides Statt, dies sei erst in der vierten Juni-Woche 2022 geschehen.

Dem widersprach Dahm: Als Assistentin des damaligen Personalchefs im Erzbistum habe sie bereits 2015 eine Liste mit den Namen von 14 Priestern erstellt, denen Missbrauch angelastet wurde. Darunter sei auch der Name Pilz gewesen.

Ein zweiter Zeuge

Ihr Vorgesetzter habe die Liste zu einem Termin mit Woelki mitgenommen. „Mag sein, dass er sich das Blatt mit Pilz und den anderen 13 Namen nicht angeschaut hat. Aber befasst habe ich ihn damit. Ganz eindeutig“, sagte Dahm. Nach der Sitzung habe sie von ihrem Chef wissen wollen, wie Woelki auf die Liste reagiert habe: „Das hat den Kardinal überhaupt nicht interessiert“, habe er geantwortet.

Derweil stützt ein zweiter Zeuge die Aussagen Dahms. Der frühere Interventionsbeauftragte des Erzbistums, Oliver Vogt, sagte im WDR, der Kardinal habe sehr wohl schon 2015 eine Liste gesehen, auf der auch der Name Pilz gestanden habe.

Erzbistum weist Vorwürfe zurück

Hildegard Dahm habe die Liste dem damaligen Personalchef Stephan Weißkopf mitgegeben zu einer Sitzung mit Woelki, zu der auch Vogt eingeladen gewesen sei: „Er hat sie gesehen“, sagte Vogt.

Das Erzbistum wies alle Anschuldigungen zurück und kündigte die Prüfung arbeitsrechtlicher Schritte gegen Dahm an. Sie wisse selbst nicht, „ob der Kardinal diese, eine andere oder gar keine Liste gesehen hat, behauptet dieses aber einfach ins Blaue hinein“.

Woelki-Anwalt: Kardinal hat keinen Meineid geleistet
Der Anwalt von Kardinal Woelki hat Vorwürfe gegen den Kölner Erzbischof wegen des Verdachts auf Meineid zurückgewiesen. Das Erzbistum veröffentlichte ein knapp einminütiges Video mit einem Statement des Juristen Carsten Brennecke. „Die Mitarbeiterin behauptet, Kardinal Woelki habe eine Liste mit dem Namen P. erhalten“, sagte Brennecke. Dies belege aber keine falsche eidesstattliche Versicherung. Woelki habe nicht eidesstattlich versichert, keine Liste mit diesem Namen erhalten zu haben, so der Anwalt. „Er hat lediglich richtigerweise versichert, dass er sich mehr als sieben Jahre später nicht daran erinnern kann, ob der Name P. auf einer Liste stand.“ Diese Formulierung findet sich indes nicht in der Eidesstattlichen Versicherung, die der Katholischen Nachrichten-Agentur vorliegt. (KNA)

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