18-Jähriger ist in der Ausbildung zum Verkehrspiloten

Erst Kirchenmusiker, dann Pilot: Samuel Ellers will hoch hinaus

Verkehrspilot und Kirchenmusiker - 18-jähriges Multitalent aus Borken-Weseke. | Video: Meike Hans

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Mit 18 Jahren hauptamtlicher Kirchenmusiker und gleichzeitig in einer Ausbildung zum Verkehrspiloten: Klingt unmöglich, gibt es aber tatsächlich

Samuel Ellers ist in der Kirchengemeinde St. Ludgerus in Borken für Vieles zuständig. Dazu gehört ein Kirchenchor, Projektarbeit mit Firmlingen, Planung einer Konzertreihe, Orgelpflege und Orgelunterricht. Aufgaben, für die Ellers seit März 2023 verantwortlich ist –  33 Stunden in der Woche.

Doch von Anfang an: Wie kann ein 18-Jähriger überhaupt hauptamtlicher Kirchenmusiker werden? Samuel Ellers erzählt, dass er seine Liebe zur Musik schon früh gefunden habe. Und die begann mit einem Babykeyboard. Irgendwann sei aus einzelnen Töne eine Melodie entstanden, sagt er.  Seine Eltern hätten ihn nicht mehr von dem Instrument losbekommen. Trotzdem habe er kurze Zeit später an Weihnachten ein vollwertiges Keyboard bekommen und Unterricht genommen.

Relativ schnell sei dann auch die Begeisterung für die Orgel gekommen. Ein recht großes Exemplar habe man in der Pfarrkirche St. Ludgerus in Borken-Weseke, meint Ellers. Auf diesem Instrument zu spielen, sei sein Ziel gewesen. Die Orgel sei eben die „Königin der Instrumente“. Er führt fasziniert aus: „Die Klangvielfalt an diesem Instrument ist einmalig.“ Mit elf Jahren lernt Ellers in der evangelischen Matthäus-Kirche in Weseke erstmals, eine Orgel zu bedienen.

Konzert in Lloret de Mar


Bereits in jungen Jahren lernte Samuel Ellers an der Orgel. | Foto: Paul Hintzke

Unter anderem in einem Urlaub in Lloret de Mar (Spanien) habe er gemerkt, dass seine Orgelkünste nicht unerheblich seien. „Da habe ich ein spontanes Konzert in der St.-Roma-Kirche gegeben. Die Kirche war voll, es gab einen Riesenapplaus“, erinnert sich Ellers.

Noch während seiner Schulzeit legt Ellers für die Kirchenmusik verschiedene Examen an Hochschulen ab. Fast schon nebenbei habe er auch sein Abitur absolviert. Die Priorität legte er schon damals auf das, was ihm Spaß macht. Er formuliert es so: „Ich habe die Examen nicht während meines Abiturs abgelegt, sondern vielmehr das Abitur neben den Examen gemacht.“ Trotzdem sei sein Abitur am Ende nicht schlecht gewesen, sagt Ellers und gibt mit einem Augenzwinkern zu verstehen: „Natürlich hatte ich mündlich in Musik eine 1+.“

Konfession gewechselt

Vor rund einem Monat hat der ambitionierte Borkener die Konfession gewechselt. Nun ist er nicht mehr evangelisch, sondern katholisch. In einem Gottesdienst werde er in einigen Wochen noch die Erstkommunion und die Firmung empfangen, gibt er an.

Sein Arbeitsalltag als Organist sei sehr flexibel, sagt Ellers. Er spiele an verschiedenen Standorten und habe ganz unterschiedliche Arbeitszeiten. Aber eins steht fest: „Freitag ist mein freier Tag. Da wird für die Pilotenausbildung gelernt.“ Unter anderem das Segelfliegen sei für ihn ein echter Ausgleich. Besonders gerne möge er das Starten des Flugzeugs.

Ellers will Träume verwirklichen


Samuel Ellers im Cockpit. Foto: privat

Doch wie kommt der Kirchenmusiker von der Orgel zum Fliegen? „Im Grunde möchte ich ja meine Träume verwirklichen“, sagt der Nachwuchspilot. Neben der Orgel sei auch das Fliegen ein großer Traum. Nach dem Abitur begann der 18-Jährige mit dem theoretischen Teil der Pilotenausbildung. Diesen Teil hat Ellers im Frühjahr abgeschlossen. Jetzt komme der praxisbezogene Teil der Ausbildung, der voraussichtlich nächstes Jahr abgeschlossen sei.

In diesem Ausbildungsabschnitt könne er besser als Kirchenmusiker arbeiten. Zudem helfe ihm der Verdienst als Kirchenmusiker, die teure Ausbildung zum Piloten finanzieren zu können.

Multitasking ist gefragt

Ellers sieht bei beiden Träumen Überschneidungen: „Sowohl beim Orgelspielen, als auch beim Fliegen ist Multitasking gefragt.“ Was ihn so begeistert am Fliegen? Das Lied, „Über den Wolken“ von Reinhard Mey fasse es gut zusammen: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“