Viele Kunden sind gerade in der Corona-Krise dringend auf den Menüservice angewiesen

Essen auf Rädern - warum der Malteser-Service jetzt so wichtig ist

Corona hat für ihn nicht allzu viel verändert. Klar, Herbert Jarszick trägt jetzt einen Mundschutz, auch wenn die Brille schnell beschlägt. „Das ist etwas lästig“, sagt der 69-Jährige. Trotzdem lässt er seine Maske auf seiner Tour auch im Auto auf. Immer auf- und absetzen, das wäre ihm zu umständlich, wenn er heute wie an jedem Donnerstag gut zwei Dutzend Warmhalteboxen ausfährt. Darin enthalten: Mahlzeiten des Malteser-Menüservice in Vechta.

Seit fünfeinhalb Jahren hilft der pensionierte Lehrer ehrenamtlich bei den Maltesern mit. „Ich wollte im Ruhestand etwas Soziales tun“, erklärt er. Zuerst holt er das Essen in der Vechtaer Krankenhausküche ab, dann steuert er nach und nach die Kunden an. Wochentags können sie aus fünf Varianten auswählen. Täglich frisch gibt es Vollkost, leichte Vollkost, für Diabetiker geeignete und vegetarische Gerichte – auch in der Corona-Krise.

Besorgte Anrufe in der Malteser-Zentrale

„Sie bekommen auch weiter Ihr Essen“ – wie wichtig diese Botschaft für die Kunden in und um Vechta ist, konnte Petra Hempen in den vergangenen Wochen oft am Telefon spüren. Die örtliche Leiterin für Soziale Dienste der Malteser hatte es öfter mit besorgten Anrufern zu tun, zum Beispiel von allein lebenden Senioren.

Deren bange Frage lautete: „Werden Sie mich trotz Corona weiter beliefern? Jetzt, wo selbst meine Kinder gar nicht mehr kommen, weil sie mich schützen wollen.“ In solchen Gesprächen spürte Petra Hempen ganz deutlich, wie wichtig der Mahlzeiten-Service für viele ist.

Petra Hempen leitet die Sozialen Dienste der Malteser in Vechta.Petra Hempen leitet die Sozialen Dienste der Malteser in Vechta.

Ein Lieferstopp stand nie zur Debatte

Für die Malteser stand daher ein Lieferstopp nie zur Debatte. „Unser Menüservice ist ja ein systemrelevantes Angebot“, erklärt dazu Martin Bockhorst, stellvertretender Geschäftsführer und Bereichsleiter Soziale Dienste beim Malteser Hilfsdienst im Oldenburger Land. „Die Menschen müssen weiter versorgt werden.“

Möglich machen das neben festen Mitarbeitern und Absolventen eines Freiwilligendienstes auch Ehrenamtlich wie Herbert Jarszick. Wenn möglich stellt er die Essensboxen jetzt vor der Haustüre ab. So lautet auch die Empfehlung der Malteser. „Helfer sollen die Wohnungen möglichst nicht mehr betreten“, sagt Petra Hempen. Sie erklärt: „Die Kunden können die leeren Essensboxen vor die Tür stellen, sodass wir sie gegen volle austauschen können.“

Die Helfer sind mit Masken unterwegs

Immer geht das aber auch nicht. „Einige Kunden sind aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage“, sagt Herbert Jarszick. Ihnen stellt er das Essen auch schon mal in die Wohnung. „Ich gehe aber nur kurz rein und stelle es ab“, sagt Herbert Jarszick. „Und alles natürlich mit Maske.“

In der Stadt Vechta liefern die Malteser täglich frisches Essen. Kunden können sich aber auch Tiefkühl-Mahlzeiten aus einem Katalog zusammenstellen. Die  werden einmal in der Woche frei Haus geliefert. Auf Wunsch räumen die Malteser-Mitarbeiter sie auch direkt in die Gefriertruhe – ohne persönlichen Kontakt.

Manche Kunden sind einsam

„Viele unserer Kunden sind alleinstehend, manche sind auch einsam“, so Herbert Jarszicks Eindruck. Petra Hempen nickt. „Das Essen ist natürlich das Wichtigste sie“, sagt sie, „aber auch, dass sie uns sehen.“ Eine Nachfrage, ein gutes Wort – das gehört deshalb auch für den Herbert Jarszick dazu.

„Allzu viel Zeit können sich die Lieferanten aber auch nicht lassen“, gibt Martin Bockhorst dennoch zu bedenken. Grund ist die gesetzliche Hygieneverordnung. Danach muss das Essen mit mindestens 65 Grad Celsius beim Kunden ankommen. „Das bedeutet: Für 25 Essen haben wir ein Zeitfenster von etwa einer bis anderthalb Stunden.“

Malteser-Menüservice für 500 Kunden

Der Malteser-Menüservice beliefert zwischen Wilhelmshaven und Damme täglich rund 500 Kunden, so Martin Bockhorst. Die Zahl wachse von Jahr zu Jahr um etwa fünf Prozent. Ein Grund dafür sei der demografische Wandel und die damit verbundene höhere Lebenserwartung. Nicht alle lassen sich täglich versorgen. Immer mehr bestellen Essen nur alle zwei Tage.