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Pfarrer Karsten Weidisch über Chancen, Wünsche und Unsicherheiten

Ferienlager auf Ameland - was wird 2021 daraus?

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Ameland – eines der beliebtesten Ziele für Ferienlager. Mehr als 120 Freizeiten mit über 10.000 Teilnehmern finden jedes Jahr allein unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Katholisches Ferienwerk Ameland auf der niederländischen Nordseeinsel statt. Zwei Drittel der 100 Pfarreien, Verbänden und Vereinen, die in der AG organisiert sind, kommen aus dem Bistum Münster. Schon 2020 mussten alle daheimbleiben – Corona verhinderte den Nordsee-Urlaub. Und in diesem Jahr? Die Unsicherheit ist noch groß, sagt Karsten Weidisch. Er ist Pastor in der St.-Joseph-Gemeinde in Münster und Vorstandsvorsitzender des Ferienwerks.

Herr Weidisch, die wichtigste Frage vorweg: Wie stehen die Zeichen für die Ferienlager auf Ameland in diesem Jahr?

Im Moment kann keiner etwas Genaues sagen. Wir haben alle die Hoffnung, dass das Ganze stattfinden kann. Wir müssen den Lockdown bis Mitte Februar abwarten und dann weiterschauen. Etwas Hoffnung macht das Impfen, wobei wir schauen müssen, ob unsere Zielgruppen da schon profitieren können – Kinder, junge Erwachsene oder auch Kochleute, die ja in der Regel auch noch nicht über 80 sind. Die derzeitige Ungewissheit bringt für alle viel Unruhe.

Wann muss entschieden werden, was geht?

Wir haben uns im Ferienwerk mit den grundlegenden Entscheidungen erst einmal auf Mitte April vertagt. Auch weil die Pandemie-Maßnahmen in Deutschland und die Lockdown-Verschärfungen in den Niederlanden in absehbarer Zeit kein klares Bild zulassen. Wirklich sichere Planungen werden also erst kurzfristig möglich sein. Unsere Mitgliederversammlung findet bewusst erst im April statt. Kurz vorher werden wir mit dem Vorstand nach Ameland reisen, um uns noch einmal zu informieren. Für die Anbieter der Ferienlager ist die jetzige Situation unbefriedigend.

Was konkret setzt den Akteuren in den Pfarreien, Verbänden und Gruppen zu?

Es gibt natürlich bereits jetzt viele Anfragen von den unterschiedlichen Trägern der Ferienlager, ob sie trotzdem schon buchen sollen. Da gibt es aber keine Zweifel: Sie müssen es, denn wenn sie wirklich die Absicht haben, im Sommer nach Ameland zu fahren, wird es jetzt schon eng. Es gibt bereits sehr viele Vorbuchungen, das Angebot an Unterkünften wird knapp.

Warum zögern die Organisatoren?

Weil es mit einem großen finanziellen Risiko verbunden ist. Es gibt keine einheitlichen Storno-Bedingungen unter den Hofbesitzern. Wir haben wie im vergangenen Jahr versucht, eine solche Einigung zu realisieren. Aber es hat nicht geklappt. Es besteht immer noch die Bandbreite vom Null-Tarif bis 80 Prozent. Die Hofbesitzer mit hoher Kulanz sind aber weniger geworden, was an ihrer finanziellen Situation nach dem letztjährigen Ausfall liegt. Das ist für viele Ferienlager im Augenblick die drängendste Frage: Kann ich das noch einmal stemmen, wenn es wieder ausfällt und ich die Teilnehmerbeiträge zurückbezahlen muss? Da steckt auch bei den Veranstaltern die Sorge dahinter, dass sie im vergangenen Jahr vielleicht schon Stornogebühren zahlen mussten und dafür in die Rücklagen gegriffen haben. Bei einigen Organisatoren gibt es nicht mehr viel Substanz.

Gibt es Hoffnung auf Unterstützung aus öffentlicher Hand?

Karsten Weidisch vom Ferienwerk Ameland kennt die derzeitigen Sorgen der Organisatoren von Ferienfreizeiten auf der Nordseeinsel.
Karsten Weidisch vom Ferienwerk Ameland kennt die derzeitigen Sorgen der Organisatoren von Ferienfreizeiten auf der Nordseeinsel.

Da gibt es überhaupt noch keine Klarheit, und das wird von Kommune zu Kommune ganz unterschiedlich bewertet. Die Absicherung hat im vergangenen Jahr vielen geholfen. In diesem Jahr ist sie aber noch unsicherer geworden. Auch bei den Kommunen fehlt durch die Pandemie Geld.

Wie unterstützt das Ferienwerk die Anbieter der Freizeiten?

Wir versuchen vor allem mit den Verhandlungspartnern in Kontakt zu bleiben, damit nicht jeder einzelne Träger bei den unterschiedlichen Akteuren nachfragen muss. Wir können die Anfragen bündeln. Ich bin dabei in vielen Gesprächen mit völlig ratlosen Organisatoren – denen tut das Gespräch an sich schon gut. Da geht es um die unterschiedlichsten Probleme, zum Beispiel wie das mit den Buchungen für die Busse aussieht. Wie können da die möglichen finanziellen Verluste geringgehalten werden? Wir raten ganz klar zu Buchungen, aber auch zu genauen Absprachen mit den Unternehmern, mit denen sie oft seit Jahren zusammenarbeiten. Da sind sicher günstige Absprachen möglich. Aber die müssen klar und eindeutig sein – das ist wichtig.

Wie soll damit umgegangen werden, wenn die Ferienlager nur unter Pandemie-Auflagen stattfinden können?

Bei diesem Gedanken haben wir eine andere Einstellung als im vergangenen Jahr, als wir gesagt haben, dass mit Maske und Abstand kein wirkliches Ferienlager-Gefühl aufkommen kann. Nach der langen Zeit der Pandemie gibt es viele Erfahrungen mit möglichen Einschränkungen. Wir könnten dann unter Umständen dazu raten, dass ein Ferienlager trotzdem stattfinden kann. Denn die Entlastung der Familiensysteme und die wichtige Urlaubserfahrung für die Kinder sollten dagegen aufgerechnet werden. Auch mit Abstand, verschobenen Essenszeiten, Maskenpflicht oder Einschränkungen für das Programm hat das mittlerweile für alle trotzdem einen hohen Wert. Und es ist längst nicht mehr so ungewohnt wie im Sommer 2020. Im Augenblick würden wir aber noch keinen konkreten Rat geben.

Wie ist die Perspektive für die Hofbesitzer auf Ameland?

Wir sind die ganze Pandemie-Zeit über mit den Besitzern der Ferienhöfe im Kontakt geblieben. Sie sagen, dass ein Jahr ohne Einnahmen schon hart war, ein zweites würde brenzlig. Sie waren im letzten Sommer aber schon kreativ und haben ihre Häuser auch für andere Gäste angeboten. Denn es waren ja Urlaube möglich, nur nicht in der Form der Ferienlager. Große Unterkünfte wurden deshalb familiengerecht gemacht, Wiesen zu Stellplätzen für Camper. Sie hatten also zum Teil kein absolutes Minus. Trotzdem wäre ein neuerlicher Ausfall der Ferienlager grenzwertig für ihre Finanzen. Wenn es vielleicht im kommenden Jahr noch einmal passieren würde, könnten sich einige fragen: Soll ich noch auf dieses Pferd der Großgruppe setzen oder sattele ich generell um?

Könnte die Nummer eins unter den Ferienlager-Zielen damit auch für die Organisatoren uninteressant werden?

Die Befürchtung habe ich nicht. Auch nach den Erfahrungen der vergangenen Monate. Trotz der Einschnitte hat keiner daran gedacht, die Ameland-Comunity zu verlassen. Das hat sicher auch etwas damit zu tun, dass wir viel Ersatzprogramm gemacht und unsere Leute damit am Ball gehalten haben. Wir waren mit dem Pastoralteam auf der Insel, haben Gottesdienste am Strand gefeiert und von dort live gestreamt. Wir waren mit den Leiterrunden zusammen, die in kleiner Besetzung auf die Insel gekommen sind. Wir wurden von Aktionen wie „Ferienlager Light“, also abgespeckten Angeboten zuhause, angefragt und haben Alternativ-Programme in den Pfarrgemeinden daheim unterstützt. Nicht nur deswegen ist Ameland anders zu sehen als andere Ziele. Die Tradition und Bindung der Ferienlager an diese Insel sind enorm. Da ist so viel gewachsen in den zurückliegenden 100 Jahren, dass es nicht zum Bruch kommen wird. Das Ameland-Herz schlägt weiter.

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