Münsters Bischof bekennt Ratlosigkeit über Herausforderungen der Priester

Genn skeptisch bei Priesterweihe für verheiratete Männer

Eine Auseinandersetzung über die Priesterweihe für bewährte, verheiratete Männer, so genannte „Viri probati“, hält Münsters Bischof Felix Genn für möglich. „Dass man über die Viri probati diskutieren kann, ist gar keine Frage“, sagte er am Rand der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz dem Kölner „Domradio“. Genn leitet die Kommission für Geistliche Berufe und kirchliche Dienste der Bischofskonferenz.

Ähnlich äußert sich Papst Franziskus in einem aktuellen Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Auch Münsters Weihbischof Dieter Geerlings hatte sich jüngst in „Kirche+Leben“ für eine solche Diskussion „auf höchster Ebene“ ausgesprochen. Es gehe ihm darum, „nüchtern und ohne polemische Verteidigungsstrategien in die eine oder andere Richtung“ zu fragen, „was der Wille Christi hier heute von uns verlangt„ und welche Konseuqenzen dies habe.

Auf die Frage, ob Genn selber sich eine solche Lösung vorstellen könne, antwortete der Bischof: „Das weiß ich nicht. Ich bin da eher skeptisch.“ Die Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Bensberg bei Köln endet heute.

„Der Bischof weiß auch nicht alles“

Das Interview mit Bischof Felix Genn im „Domradio“-Video finden Sie hier.

Genn bekannte, selber ratlos zu sein, wie die Rolle des Priesters in einer zunehmend säkularisierten Welt und angesichts vieler innerkirchlicher Herausforderungen aussehen solle. Sich diese Ratlosigkeit einzugestehen, sei gleichwohl ein wichtiger Aspekt des Studientags gewesen, den die Bischofskonferenz am Mittwoch dem Thema Priester gewidmet hat.

„Wir sollten nicht immer den Eindruck erwecken, als hätten wir die Lösungen“, sagte Genn. Er zeigte sich überzeugt, den Priestern auch dadurch zu helfen, dass sie spürten: „Der Bischof ist nah dran, er hat das Ohr bei uns und weiß auch nicht alles.“

Mit den Priestern in einem Boot

Im Bild gesprochen sieht Genn die Priester in einem Boot rudern. Das müsse er ihnen „in dieser Umbruchsituation“ zumuten. Er selber aber, betonte Genn, „sitze nicht am Strand, backe mir einen Fisch, sehe ihnen zu und weise sie an, wie sie rudern sollen, sondern ich sitze mit ihnen im Boot und weiß es manchmal auch nicht, wie wir rudern sollen“. Womöglich würden aber durch das Fragen Lösungen geschenkt, sagte der Bischof.

Eine Absage erteilte Genn Forderungen nach einer Priesterweihe für Frauen. „Da sind die Entscheidungen doch klar, auch bei Franziskus.“ Deswegen wolle er derzeit darüber auch nicht sprechen, sondern vielmehr über die Frage, wie die Kirche in der jetzigen Situation mit ihren Priestern umgeht.